Der Volkswagen ID.3 GTI bricht mit 50 Jahren Geschichte: 326 PS, Hinterradantrieb und eine Reichweite von 600 km

Volkswagen verwendet seit einem halben Jahrhundert die Abkürzung GTI, um einige seiner bekanntesten Kompaktwagen zu bezeichnen, hat aber noch nie etwas Derartiges getan. Der neue Volkswagen ID.3 GTI verzichtet nicht nur auf den Benzinmotor: Er wird außerdem zum ersten GTI in der Geschichte mit Hinterradantrieb und ist mit 326 PS der leistungsstärkste Serienwagen der Marke.
Das Modell, das wir sehen konnten, gilt bei Volkswagen noch als Fahrzeug in der Produktionsphase, ist aber noch nicht zum Verkauf erhältlich. Seine wichtigsten Leistungsdaten sind jedoch bereits praktisch festgelegt. Der Elektromotor liefert 240 kW (326 PS) und 545 Nm Drehmoment, beschleunigt dank Launch Control in 5,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Die angegebene Reichweite beträgt bis zu 601 Kilometern nach WLTP.

Es wird nicht einfach nur ein leistungsstärkerer ID.3 sein. Mit dem Erscheinen des Volkswagen ID.3 Neo wurde das Design, der Innenraum, die Karosserie sowie die Software überarbeitet, um dem Elektroauto einen Teil des Charakters zu verleihen, der die Golf GTI seit Jahrzehnten auszeichnet.
Der erste Heckantriebs-GTI
Die wichtigste technische Änderung befindet sich unter der Karosserie. Der Volkswagen ID.3 GTI nutzt die MEB+-Plattform sowie das APP550-Antriebssystem. Der Permanentmagnet-Synchromotor antreibt ausschließlich die Hinterräder über ein Ein-Gang-Getriebe an. Dies ist eine bislang ungekannte Konfiguration in den 50-jährigen Geschichte der Volkswagen GTI.

Der Akku hat eine Nettokapazität von 79 kWh und unterstützt eine maximale Ladeleistung von 183 kW. Volkswagen schätzt, dass die Akkuleistung in etwa 29 Minuten von 10 auf 80 Prozent steigen kann. Diese Werte sowie eine Reichweite von 601 km sind weiterhin vorläufige Angaben vor der endgültigen Zulassung.
Durch seine Länge von 4,29 Metern und einen Kofferraumvolumen von 385 Litern soll das Fahrzeug auch kein unpraktischer Sportwagen werden. Das Konzept bleibt dem traditionellen GTI treu: hohe Leistungsmerkmale in einem Fahrzeug, das täglich genutzt werden kann.
Ein GTI-Knopf verändert den Charakter des Fahrzeugs
Ein Teil dieser Ausstattung wird über Software bereitgestellt. Am Lenkrad befindet sich eine beleuchtete GTI-Taste, die neben den Programmen Eco, Comfort, Sport und Individual einen speziellen Modus aktiviert. Durch Drücken dieser Taste ändern sich die Motorantwort, das progressive Lenksystem sowie das adaptive DCC-Chassis, das eine exklusive Abstimmung erhält.

Zudem lässt sich damit der Launch Control aktivieren und die Innenausstattung verändert sich: Die Beleuchtung wechselt auf Rot, die Instrumente ändern sich und es ertönt sogar ein Klang, der einen Verbrennungsmotor beim Beschleunigen nachahmt. Für die Nostalgiker gibt es sogar eine retroartige Anzeigestilisierung, die vom Golf GTI der ersten Generation inspiriert ist.
Volkswagen hat außerdem die Federn, Dämpfer, Stabilisatoren sowie die Elastokinematik der Vorderachse überprüft. Serienmäßig sind 20-Zoll-Reifen sowie ein progressives Lenksystem verbaut, während das DCC-System es ermöglicht, das Fahrverhalten vom komfortablen bis zum besonders sportlichen zu ändern.
Der rote Tornado kehrt zurück – zusammen mit einigen Details des ursprünglichen Golf GTI
Auch optisch beschränkt man sich nicht auf das Einsetzen neuer Embleme. Der bekannte rote Streifen des GTI ist auf dem Leuchtbalken zu sehen, der die vorderen Scheinwerfer verbindet, und erinnert so an den roten Rahmen des Kühlergrills des ersten Golf GTI aus dem Jahr 1976. Zudem verfügt das Fahrzeug über einen unteren Eingang mit wabenförmiger Struktur, Details, die an Rennringe angelehnt sind, sowie einen vorderen Splitter.

Die neuen Reifen tragen den Namen Wörthersee, in Anlehnung an die historische GTI-Konferenz in Österreich, und es kehrt eine der mit dieser Reihe verbundensten Farben zurück: Tornado Red.
Auch im Inneren gibt es Ähnliches. Die Sportsitze erhalten das traditionelle Karomuster, nun unter dem Namen Superclark neu interpretiert, während ein roter Streifen über das Armaturenbrett verläuft.
Ebenfalls gibt es weniger emotional bedingte, aber möglicherweise praktischere Änderungen im Alltag: Unter dem 12,9-Zoll-Zentralbildschirm befindet sich eine spezielle Reihe von Knöpfen für die Klimaanlage, und das Armaturenbrett verfügt wieder über einen physischen Drehregler zur Steuerung der Lautstärke sowie zum Wechseln von Songs oder Sendern.

Auch ein Elektrofahrrad kann aufgeladen werden
Durch die Umwandlung zum GTI wird es Volkswagen nicht unmöglich, die Vorteile eines Elektroautos voll auszunutzen.
Der Volkswagen ID.3 GTI verfügt über die Vehicle-to-Load-Funktion, bei der ein Adapter an den Ladeanschluss angeschlossen wird, um externe Geräte mit Energie zu versorgen. Der Hersteller gibt ein sehr konkretes Beispiel: Zwei Elektrofahrräder im Fahrradträger transportieren und anschließend die Batterie des Autos nutzen, um sie aufzuladen.
Außerdem wird es eine Führung mit nur einem Pedal sowie eine neue Weiterentwicklung des Connected Travel Assist geben, der innerhalb seiner Funktionsgrenzen ein rotes Stoppschild erkennen und das Auto bis zum Stillstand bremsen kann.
Nach 50 Jahren, in denen der GTI mit Benzinmotoren und Vorderradantrieb assoziiert wurde, bereitet Volkswagen einen weitaus tiefgreifenderen Wandel vor als nur den Austausch eines Antriebsmittels durch ein anderes. Die Herausforderung des Volkswagen ID.3 GTI wird darin bestehen, zu zeigen, dass diese drei Buchstaben weiterhin eine Bedeutung haben können, wenn genau zwei der Elemente, die jahrzehntelang untrennbar mit ihnen verbunden schienen – der Verbrennungsmotor und die Vorderachse als Leistungsträger – wegfallen.