Der Leapmotor B03X überrascht in seinen ersten Tests, obwohl er eine wichtige Schwäche aufweist.

Der Leapmotor B03X steht bereits vor seinen ersten internationalen Tests, und die ersten Eindrücke machen deutlich, was sein Hauptvorteil ist: viel Auto zu einem günstigen Preis. Der neue elektrische SUV von Leapmotor soll direkt mit Modellen wie dem Citroën ë-C3 Aircross oder dem Opel Frontera Electric konkurrieren – allerdings mit einem besonders aggressiven Preisangebot.
Das Rezept scheint einfach zu sein: kompakte Abmessungen, ein überraschend gut genutztes Innenraumkonzept, zwei wählbare Batterien und bis zu 197 PS in der leistungsstärksten Version. Auf dem Papier erfüllt der B03X einen Großteil der Erwartungen an ein modernes Elektroauto. Allerdings deuten die ersten Tests auch auf einige Aspekte hin, in denen noch Verbesserungsmöglichkeiten bestehen.
Ein kleiner SUV von außen, aber innen sehr gut ausgestattet

Der Leapmotor B03X ist 4,27 Meter lang, 1,81 Meter breit und 1,64 Meter hoch, wobei die Radstandlänge 2,61 Meter beträgt. Das sind für einen SUV ziemlich kompakte Abmessungen, doch der Innenraum ist einer seiner Stärken. Die Journalisten heben insbesondere den Platz im hinteren Bereich hervor, wo selbst für große Erwachsene genügend Platz für Beine und Kopf vorhanden ist.
Auch der Kofferraum soll Unterschiede aufweisen. Die Kapazität liegt bei etwa 407 Litern, wobei das Fehlen eines zweiten vorderen Ladebereichs teilweise durch verschiedene Stauräume ausgeglichen wird. Die Rücksitzbank kann angehoben werden, um Platz zu gewinnen, und die Sitze ermöglichen es, den Ladebereich erheblich zu vergrößern. Es handelt sich um eine einfache, aber praktische Lösung für ein Auto, das hauptsächlich für den täglichen Gebrauch konzipiert ist.
Das Interieur zeichnet sich durch ein minimalistisches Design aus, mit nur wenigen physischen Knöpfen und einem zentralen Bildschirm, der einen Großteil der Funktionen bündelt. Das Leap OS 4.0 Plus nutzt einen Qualcomm Snapdragon 8155-Prozessor und bietet Integration mit Apple CarPlay sowie Android Auto. Auf dem Papier handelt es sich um eine moderne Ausstattung, doch erste Tests deuten darauf hin, dass einige Funktionen beim Fahren das Durchblättern zahlreicher Menüs sowie das Lesen sehr langer Texte erfordern.

Genau hier zeigt sich eine der am häufigsten geäußerten Kritiken an den ersten Kontaktfahrzeugen. Die Reduzierung der physischen Bedienelemente funktioniert, wenn das Multimedia-System perfekt konzipiert ist, doch beim B03X gibt es immer noch Raum, einige Abläufe zu vereinfachen – schließlich erfordern diese oft das Durchklicken mehrerer Untermenüs, um zum gewünschten Ziel zu gelangen. Die Technologie ist vorhanden, erweist sich aber nicht immer als so intuitiv, wie man erwarten würde.
Was die Ausstattung angeht, setzt Leapmotor auf ein einfaches Angebot mit nur wenigen optionalen Zusatzfunktionen. Die höheren Versionen verfügen über Elemente wie eine Wärmepumpe, fortschrittliche Fahrassistenzsysteme sowie ein umfassendes Hilfspaket, das einen Assistenzlevel 2 ermöglicht.
Die mechanische Ausstattungslinie umfasst zwei Konfigurationen. Die erste verwendet einen Akku mit 39,8 kWh Kapazität und einen Motor mit 176 PS, während die zweite die Kapazität auf 53 kWh erhöht und die Leistung auf 197 PS steigert. In beiden Fällen befindet sich der Motor vorne und das Auto verfügt über Vorderradantrieb.
Die leistungsstärkste Version bietet 145 kW, 200 Nm Drehmoment sowie eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 8,6 Sekunden bei einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Das ist eine beträchtliche Leistung für ein Elektro-SUV dieser Größe, und laut ersten Tests ermöglicht sie ein recht entspanntes Fahren sowohl in der Stadt als auch außerhalb.

Das Problem tritt auf, wenn zu viel von den Vorderrädern verlangt wird. Einige Testfahrer haben selbst auf trockenen Oberflächen ein Verlust an Traktion festgestellt, wenn die gesamte verfügbare Leistung entschlossen genutzt wird. Das ist bei einem Frontantriebsauto mit fast 200 PS nicht besonders ungewöhnlich, zeigt aber, dass der B03X nicht für ein besonders sportliches Fahren konzipiert ist.
Auch das Fahrwerksverhalten hinterlässt einen ähnlichen Eindruck. Die Vorderachse verwendet ein McPherson-System, während hinten ein Torsionslenkungssystem zum Einsatz kommt – eine einfache Lösung, die dazu beiträgt, die Kosten in Schach zu halten und Platz im Kofferraum zu schaffen. Die Federung ist relativ weich abgestimmt, und die Journalisten weisen auf erhebliche Bewegungen der Karosserie hin, insbesondere beim Kurvenfahren, während das Lenksystem dem Fahrer nur wenig Informationen übermittelt.
Dafür scheint die adaptive Geschwindigkeitsregelung eine recht gelungene Funktionalität zu bieten, indem sie den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug korrekt hält und sich an den Verkehr anpasst.
Ein weiterer Verbesserungspunkt betrifft das Fahren mit nur einem Pedal. Der B03X ermöglicht es, verschiedene Stufen der Bremskraft auszuwählen, doch um diese Funktion vollständig zu aktivieren oder deaktivieren, muss dies über das Multimediensystem und bei stehendem Auto erfolgen. Die Tester halten es für unpraktisch, auf Menüs zurückgreifen zu müssen, wenn andere Autos diese Funktion direkt im Fahrbetrieb anpassen lassen.

Die Batterie ist ein weiterer großer Vorteil des B03X. Beide Varianten verwenden LFP-Chemie sowie die CTC2.0 Plus-Technologie, die die Batterie direkt in die Fahrzeugstruktur integriert. Leapmotor versichert, dass diese Lösung es ermöglicht, den verfügbaren Raum besser zu nutzen und die strukturelle Steifigkeit zu erhöhen.
Die kleinere Batterie mit 39,8 kWh ermöglicht eine WLTP-Reichweite von 292 Kilometern und unterstützt schnelles Laden bis zu 100 kW. Die 53 kWh große Batterie steigert die Reichweite auf 382 Kilometer WLTP und ermöglicht eine Dauerleistung von 133 kW. In beiden Fällen beträgt die Gleichstrom-Ladegeschwindigkeit 11 kW.
Zusätzlich gibt Leapmotor an, dass der B03X mit einem kompatiblen Schnelllader in etwa 16 Minuten von 30 % auf 80 % Ladegrad gelangen kann. Das ist eine interessante Zahl für ein Modell, das sich im Einstiegsbereich des Elektrofahrzeugmarktes befindet.
Was die Preise angeht, beginnen sie bei 24.264 Euro, noch vor eventuellen Zuschüssen oder Rabatten für die Basisversion, während die Version mit größerer Batteriekapazität ab 28.264 Euro zu haben ist.
Das Fazit dieser ersten Tests ist ziemlich eindeutig. Der Leapmotor B03X bietet viel für wenig Geld – insbesondere wenn man seinen Innenraum, seine Leistung und die Ausstattung berücksichtigt. Er wirkt jedoch nicht wie ein vollkommen ausgereiftes Auto: Die Abstimmung des Chassis, das Lenkverhalten und vor allem die Multimedianutzerschnittstelle haben noch Verbesserungspotenzial.