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Politik

Einride beschafft 500 Tesla Semi

Einride beschafft 500 Tesla Semi

Der auf elektrische und autonome Gütertransporte spezialisierte Anbieter Einride will seine Elektro-Flotte in den USA um 500 Tesla Semi ergänzen. Die strombetriebenen Lkw sollen unter anderem in der Logistik von Amazon eingesetzt werden.

Einride gibt bekannt, eine Partnerschaft mit Tesla einzugehen und in diesem Zuge den „weltweit größten Einsatz des Tesla Semi“ vorzubereiten. Bei dem Modell handelt es sich bekanntlich um Teslas Elektro-Lkw, der dieses Jahr in den USA eingeführt werden soll. Produziert wird die Baureihe seit diesem Frühjahr in der Gigafactory Nevada. Einride kündigt konkret an, „500 Tesla Semi auf seiner Saga-AI-Plattform für Amazon und andere Kunden einsetzen und damit abgeschlossene Verträge in umsatzgenerierende Frachtkapazitäten umzuwandeln“.

Auf welcher Basis die Fahrzeuge eingeflottet werden, präzisiert Einride nicht. Das schwedische Unternehmen mit Börsennotierung in den USA spricht von einer neu vereinbarten Kooperation mit Tesla. Ob die Fahrzeuge gekauft, geleast oder über einen anderweitigen Deal zur Flotte des Güterspezialisten stoßen, bleibt unerwähnt. Klar wird hingegen die Dimension der Beschaffung: Die 500 Einheiten des Semi werden die E-Lkw-Flotte von Einride in den USA auf 750 strombetriebene Trucks hieven. Die Neubeschaffung soll also zwei Drittel des künftigen Elektro-Fuhrparks ausmachen.

Zum Einsatz der künftigen Semi-Flotte präzisiert Einride nur, dass die E-Lkw in ganz Nordamerika für Kunden fahren werden. Namentlich genannt wird lediglich Amazon. Konkret sollen u.a. neue elektrische Frachtkorridore in Kalifornien, Texas, New Jersey, Illinois und Georgia entstehen. Die Beschaffung der 500 Einheiten soll einer begleitenden Mitteilung zufolge im September 2026 beginnen und binnen zwei Jahren abgeschlossen werden. Die Finanzierung sei vollständig durch Finanzierungslösungen von Drittanbietern gedeckt, heißt es, ohne dass Einride hier weiter ins Detail geht.

Zur Einordnung: Einride wurde 2016 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Stockholm. Das schwedische Unternehmen strebte früh den Einsatz fahrerloser Nutzfahrzeuge an und hat auch schon ein entsprechendes Konzeptfahrzeug namens T-Pod entwickelt. Seit einigen Jahren ist das Kernprodukt des Unternehmens aber die Software-Plattform Saga AI, die als intelligentes Betriebssystem für die elektrischen (und künftig autonomen) Fahrzeugflotten sowie die Lade- und Konnektivitätsnetzwerke fungiert. Damit sollen Unternehmen ihre Waren umweltfreundlicher und günstiger von A nach B bringen können.

„Da Elektro-Lkw Betriebsvariablen wie Ladezeiten und Energiekosten mit sich bringen, die sich je nach Situation ändern, erfordern sie einen ausgeklügelten logistischen Ansatz für den Einsatz“, führt Einride in seiner aktuellen Mitteilung aus. Saga AI optimiere vor diesem Hintergrund eine Flotte einzelner Elektro-Lkw zu einem koordinierten Netzwerk. Saga AI habe weltweit bereits mehr als 19 Millionen elektrische Meilen und 42.000 Optimierungssitzungen ermöglicht.

„Diese Beschaffung ist ein weiterer Beweis dafür, dass wir in dem von unseren Kunden geforderten Umfang agieren können“, äußert Roozbeh Charli, Chief Executive Officer von Einride. „Die enge Zusammenarbeit mit Tesla, um die Semis der nächsten Generation schnell und in großem Maßstab in den aktiven Betrieb zu bringen, ist ein Beleg für die Stärke dieser Partnerschaft und dafür, wie schnell diese Technologie vom Versprechen zum täglichen Betrieb heranreift.“

„Einride ist Vorreiter im Bereich des nachhaltigen Güterverkehrs, und wir freuen uns sehr, unsere Zusammenarbeit mit dem Unternehmen durch diesen Auftrag über 500 Sattelzugmaschinen zu vertiefen“, erwidert Dan Priestley, Director of Semi bei Tesla. „Elektro-Schwerlast-Lkw bieten im Vergleich zu Diesel-Lkw geringere Kosten pro Meile durch Kraftstoffeinsparungen, geringeren Wartungsaufwand und eine höhere Verfügbarkeit. Diese Einsparungen steigen durch die betriebliche Effizienz beim großflächigen Einsatz von Elektro-Lkw noch weiter an, und wir freuen uns, dass Einride dies erkennt, und sehen der Unterstützung ihrer Einsätze erwartungsvoll entgegen.“

Die Partner betonen, dass Kunden über Einride „früher Zugang“ zum Tesla Semi erhalten. Gebaut wird der E-Lkw in einer eigens errichteten, separaten Fabrik neben der Gigafactory Nevada. Wie das Portal Electrek anlässlich des Produktionsauftakts im April schrieb, ist das Werk für eine Jahreskapazität von 50.000 Lkw ausgelegt, wobei die Produktion schrittweise hochgefahren wird. Es ist also nicht auf Anhieb mit diesem Jahres-Output zu rechnen. Dennoch ist der Auftakt der Serienfertigung für Tesla ein entscheidender Moment. Die Skaleneffekte der Massenproduktion sollen dazu führen, den Semi für einen Preis von 290.000 bzw. 260.000 US-Dollar für die Long-Range- bzw. Standard-Version anzubieten. Mit diesen angekündigten Preisen wird das Modell laut Branchenkennern zum preisgünstigsten BEV-Sattelschlepper der Klasse 8 auf dem US-Markt. Gleichzeitig ist der Semi mit Blick auf die Tech-Specs der teils schon in die Jahre gekommenen Konkurrenz überlegen.

Vereinzelt gibt es in den USA bereits einige Semi auf der Straße zu sehen. Dabei handelte es sich um erste Einheiten, die im Wesentlichen auf einer Pilotlinie von Hand gebaut wurden. Die meisten dieser Vorserienfahrzeuge werden im eigenen Tesla-Fuhrpark vermutet, außerdem sind 36 Exemplare im kalifornischen Fuhrpark von PepsiCo bestätigt. Die US-Produktion der ersten Vorserienexemplare des Semi hatte Tesla im Oktober 2022 gestartet. Die folgenden drei Jahre verbrachte Tesla damit, „das Design zu verfeinern, das Gewicht des Lkw um rund 1.000 Pfund zu reduzieren und eine eigene Fabrik neben der Gigafactory Nevada in Sparks zu errichten“, so Electrek. Im Februar veröffentlichte der Autobauer dann die finalen Produktionsspezifikationen – und bestätigte zwei Ausstattungsvarianten: eine Standard Range mit 325 Meilen Reichweite (rund 523 km) bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 82.000 Pfund (rund 37,2 Tonnen) und eine Long Range mit 500 Meilen Reichweite (rund 800 km).

Beide Ausstattungsvarianten verfügen über einen Antrieb mit drei integrierten E-Motoren für bis zu 800 kW Leistung sowie eine 548 bzw. 822 kWh große Batterie. Die weiteren Spezifikationen können Sie hier nachlesen. Noch wichtig: Der Semi soll das Megawattladen mit 1,2 MW beherrschen. Eine entsprechende Ladeinfrastruktur befindet sich in Teilen der USA im Aufbau.

Als Ladehardware installiert wird die von Tesla im vergangenen Frühjahr für den Semi angekündigte 1,2-MW-Ladelösung auf Basis der eigenen V4-Technologie. Letztere nutzt der Hersteller auch, um seine Pkw-Lader performanter zu machen. Es handelt sich um ein dezentrales System aus schlanken Satelliten-Ladern und einem etwas abseits stehenden Technik-Schrank, der sogenannten Powerunit. Hochskaliert kann die Technologie die genannten bis zu 1,2 MW erreichen, was beim Semi in einer halben Stunde „den Großteil seiner 800 Kilometer Reichweite wiederherstellen“ soll.