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E-Pickup Ford Fathom für unter 30.000 Dollar in den USA

E-Pickup Ford Fathom für unter 30.000 Dollar in den USA

Das erste Serienmodell auf Basis der neuen Universal EV Platform heißt Ford Fathom. Der mittelgroße Elektro-Pickup soll 2027 auf den Markt kommen und für knapp 30.000 US-Dollar erhältlich sein. Für Ford ist das Modell weit mehr als ein neuer Stromer: Der Fathom soll zeigen, dass sich Elektroautos mit einer grundlegend vereinfachten Fahrzeug- und Produktionsarchitektur deutlich günstiger bauen lassen.

Ford hat den Namen seines ersten Modells auf Basis der neuen Universal EV Platform (UEV) bekannt gegeben. Der viertürige Elektro-Pickup wird Ford Fathom heißen und soll 2027 auf den Markt kommen. Für die Standard-Range-Version nennt Ford einen Basispreis von 28.350 US-Dollar. Einschließlich der in den USA obligatorischen Überführungsgebühr von 1.595 Dollar werden mindestens 29.945 Dollar fällig – jeweils vor Steuern und Zulassungskosten.

Damit bleibt Ford sogar inklusive Überführungsgebühr knapp unter der Marke von 30.000 Dollar, die der Hersteller bei der Vorstellung seiner neuen Elektroauto-Plattform im vergangenen Jahr als Ziel ausgegeben hatte.

Der Fathom ist für Ford allerdings weit mehr als ein weiteres Elektroauto. Er ist das erste Serienmodell einer komplett neu entwickelten Elektroauto-Architektur, mit welcher der US-Hersteller die Kosten seiner künftigen Stromer deutlich reduzieren will. Ford hatte die Universal EV Platform bei ihrer Vorstellung im August 2025 auch deshalb als eine Art neuen „Model-T-Moment“ bezeichnet.

Inzwischen kommt der Plattform noch größere strategische Bedeutung zu. Nach seinem Kurswechsel bei Elektroautos konzentriert Ford die Entwicklung neuer rein elektrischer Modelle in Nordamerika auf die Universal EV Platform und damit auf kleinere und erschwinglichere Fahrzeuge. Frühere Projekte für größere Elektro-Pickups wurden dagegen gestoppt. Der Fathom wird somit zum ersten wichtigen Serienmodell von Fords neu ausgerichteter Elektrostrategie.

LFP-Batterie soll Kosten und Gewicht senken

Die Basisversion des Fathom erhält eine LFP-Batterie. Die prismatischen Zellen kommen aus dem BlueOval Battery Park Michigan, wo Ford inzwischen mit der Pilotproduktion begonnen hat. Noch 2026 soll dort die reguläre Fertigung anlaufen. Die LFP-Zellen kommen ohne Nickel und Kobalt aus.

Der Batteriepack wird beim Fathom als tragendes Strukturelement in den Fahrzeugboden integriert. Damit kann Ford zusätzliche Bauteile einsparen und zugleich Gewicht und Kosten reduzieren. Grundsätzlich verfolgt Ford bei der Universal EV Platform die Strategie, gewünschte Reichweiten stärker über Effizienz und weniger über möglichst große Batterien zu erzielen. Der Hersteller hat in diesem Zusammenhang angekündigt, gegenüber vergleichbaren Elektroautos mit deutlich kleineren Batterien auskommen zu wollen.

Bereits bei der Vorstellung der Plattform hatte der Hersteller mehrere konstruktive Maßnahmen genannt, die Gewicht und Kosten senken sollen. Gegenüber einem konventionell entwickelten Fahrzeug soll die Universal EV Platform mit rund 20 Prozent weniger Bauteilen und 25 Prozent weniger Verbindungselementen auskommen.

Auch beim Kabelbaum spart Ford deutlich: Dieser soll beim ersten UEV-Modell rund 1,3 Kilometer kürzer und zehn Kilogramm leichter ausfallen als bei einem Stromer der ersten Ford-Generation. Eine neue zonale Elektronikarchitektur bündelt zahlreiche Funktionen in wenigen zentralen Modulen.

Wie groß der Akku des Fathom tatsächlich ausfallen wird, ist allerdings noch nicht bekannt. Auch konkrete Angaben zur EPA-Reichweite und zur maximalen Ladeleistung hat Ford bislang nicht veröffentlicht.

Fünf Sitze, Frunk und bidirektionale Stromabgabe

Der günstige Preis soll dabei nicht mit einem besonders spartanischen Fahrzeug erkauft werden. Der Fathom bietet fünf Erwachsenen Platz und soll laut Ford mehr Passagierraum als der in den USA beliebte Toyota RAV4 bieten. Hinzu kommen die Ladefläche und ein zusätzlicher Frunk unter der Fronthaube.

Ford bestätigt außerdem einen großen hochauflösenden Touchscreen, einen digitalen Fahrzeugschlüssel sowie bidirektionale Stromabgabe. Bereits bei der Präsentation der Plattform hatte der Hersteller sowohl die Versorgung externer Verbraucher als auch die Nutzung des Fahrzeugs als Backup-Stromquelle für ein Haus in Aussicht gestellt.

Damit sind V2L- beziehungsweise V2H-Anwendungen vorgesehen. Ob der Fathom darüber hinaus auch netzgekoppeltes bidirektionales Laden im Sinne von Vehicle-to-Grid unterstützen wird, hat Ford bislang nicht bestätigt.

Alle Fathom sollen zudem hardwareseitig für die nächste Generation des Assistenzsystems BlueCruise vorbereitet sein. Apple Maps wird direkt in die Fahrzeugsoftware integriert und übernimmt unter anderem Echtzeit-Verkehrsinformationen, EV-Routenplanung und die Vorkonditionierung der Batterie. Apple CarPlay und Android Auto bleiben ebenfalls verfügbar.

Neues Produktionsprinzip statt klassischem Fließband

Mindestens ebenso wichtig wie die Fahrzeugtechnik ist für Ford das neue Produktionsverfahren. Der Fathom wird im Louisville Assembly Plant im US-Bundesstaat Kentucky gebaut. Ford investiert dort rund zwei Milliarden Dollar in den Umbau des Werks. Weitere drei Milliarden Dollar fließen in den BlueOval Battery Park Michigan. Insgesamt stehen damit Investitionen von rund fünf Milliarden Dollar hinter dem neuen Elektroauto-Programm.

Statt ausschließlich auf eine klassische lineare Endmontage setzt Ford auf ein sogenanntes „Assembly Tree“. Front, Heck und der mittlere Fahrzeugbereich inklusive Strukturbatterie werden dabei parallel vormontiert und erst später zusammengefügt. Große Aluminiumgussteile ersetzen zahlreiche kleinere Komponenten. Ford hat also von Tesla gelernt. Dadurch werden rund 40 Prozent weniger Montagestationen benötigt. Der eigentliche Montageprozess soll deutlich schneller werden; unter dem Strich erwartet Ford trotz zusätzlicher Schritte für Automatisierung und Qualitätssicherung eine rund 15 Prozent kürzere Produktionszeit.

Genau diese Kombination aus vereinfachtem Fahrzeug, reduziertem Teileumfang und neu organisiertem Produktionsprozess soll den Fathom in die für Elektroautos ungewöhnlich niedrige Preisregion von rund 30.000 Dollar bringen.

Der Name „Fathom“ bezeichnet im Englischen unter anderem ein nautisches Längenmaß von sechs Fuß beziehungsweise rund 1,83 Metern. Das Verb „to fathom“ bedeutet zugleich, etwas vollständig zu erfassen oder zu verstehen. Ford will mit dem Namen darauf verweisen, dass sich das Entwicklungsteam intensiv mit den Bedürfnissen der angepeilten Käufer beschäftigt habe.

Europa-Start des Ford Fathom bislang nicht bestätigt

Der Fathom soll 2027 im Werk Louisville anlaufen und ist sowohl für den US-Markt als auch für Exportmärkte vorgesehen. Welche Länder Ford außerhalb der USA beliefern will, hat der Hersteller bislang nicht genannt. Eine Markteinführung in Deutschland oder anderen europäischen Ländern ist derzeit nicht bestätigt.

Für den europäischen Markt ist der Fathom dennoch interessant. An ihm wird sich erstmals zeigen, ob Fords neue Plattform-, Batterie- und Produktionsstrategie tatsächlich Elektroautos zu deutlich niedrigeren Kosten ermöglicht. Sollte das Konzept aufgehen, könnte die Universal EV Platform zur technischen Basis für eine ganze Familie günstigerer Elektrofahrzeuge werden.

ford.com

Dieser Artikel von Carla Westerheide ist zuerst in unserer englischsprachigen Ausgabe electrive.com erschienen.