DS N°7-Bewertung: stark auf der Straße, langsam beim Aufladen

Die in die Türflächen eingelassenen Türgriffe gleiten leise aus dem Karosseriekörper, wenn der Fahrer den DS N°7 nähert. Die Probefahrten rund um Nizza mit diesem 4,66 Meter langen Premium-SUV stellen einen wichtigen Meilenstein für die in Paris ansässige Marke dar. Als direkter Nachfolger des DS 7 nutzt das neue Modell die STLA Medium-Plattform der Stellantis Group, die hauptsächlich für batterieelektrische Antriebe entwickelt wurde, aber auch mit Hybridmodellen kompatibel ist.
DS ordnet das N°7 offiziell in den Segmentbereich zwischen C und D ein. Genauer gesagt handelt es sich um einen kompakten SUV, der etwas über die üblichen Abmessungen seines Segments hinausgegangen ist. Durch hochwertige Materialien und einen klaren Fokus auf Fahrkomfort zielt DS jedoch gezielt auf anspruchsvolle Premium-Kunden im Mittelklassesegment ab. Visuell zeichnet sich der SUV durch ein beleuchtetes Kühlergrill-Element namens „DS Lumina Screen“ sowie vertikale Tagfahrlichter im Design der „DS Light Blade“ aus.
Drei E-TENSE-Versionen mit NMC-Zellchemie
Zum Markteintritt bietet DS drei Varianten des Elektroantriebs, die alle Batteriezellen mit Nickel-Mangan-Kobalt (NMC)-Chemie verwenden. Die Einstiegsversion E-TENSE FWD verfügt über einen synchronen Elektromotor an der Vorderachse mit einer Leistung von 169 kW (230 PS) sowie einer vorübergehenden Spitzenleistung von 191 kW (260 PS). Die Energie wird durch eine 73,7-kWh-Batterie bereitgestellt.
Der für diese Rezension getestete E-TENSE FWD Long Range ist die überzeugendste Option für häufige Fahrer. Sein vorne montierter synchroner Elektromotor leistet 180 kW (245 PS) und steigt im Boost-Modus vorübergehend auf 206 kW (280 PS) an. DS kombiniert dieses Antriebssystem mit einer 97,2-kWh-Batterie, die in Billy-Berclau im Norden Frankreichs hergestellt wird.
Der E-TENSE AWD Long Range steht an der Spitze der Modellreihe. Zwei synchronische Elektromotoren, einer an jedem Achsenende, sorgen für Allradantrieb und eine kombinierte Systemleistung von 257 kW (350 PS). Im vollen Boost-Modus steigt die Leistung auf 276 kW (375 PS). Auch diese Top-Variante verwendet die 97,2-kWh-Batterie.
Fahrerindrücke und aktive Federung
Auf den gewundenen Bergstraßen im Hinterland von Nizza überrascht der Frontantriebs-SUV mit seiner Agilität. Das Lenkungssystem reagiert präzise und direkt. Wenn der Fahrer eine Kurve zu aggressiv nimmt, greift das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) sanft und sicher ein, um die Fahrtrichtung des Fahrzeugs zu korrigieren.
Ein weiterer Höhepunkt ist das serienmäßige adaptive Federungssystem „DS Active Scan Suspension“. Eine vorne montierte Kamera scannt kontinuierlich die Straßenoberfläche, während magnetische Ventile den Ölfluss in den Stoßdämpfern innerhalb von Millisekunden anpassen. Das System verbessert den Komfort deutlich: Es dämpft kleine Schlaglöcher und unebene Oberflächen nahezu vollständig, ohne dass das Auto in schnellen Kurven unruhig wird.
Eins-Pedal-Fahren und Fahrerassistenzsysteme
Die Fahrer können die Leistung der regenerativen Bremse der Elektromotoren über vier Stufen mithilfe von Hebeln hinter dem Lenkrad einstellen. Ein separater Knopf auf der Mittelkonsole aktiviert außerdem das echte Ein-Pedal-Fahren. In diesem Modus nutzt der DS N°7 ausschließlich die regenerative Bremse, um bis zum völligen Stillstand abzubremsen. Das System funktioniert in der täglichen Fahrt und im Stadtverkehr hervorragend, wodurch die Bremse fast überflüssig wird.
Auch die Fahrerassistenzsysteme arbeiten unauffällig. Die serienmäßige Spurhalteassistenz fungiert diskret im Hintergrund, ohne den Fahrer unnötig zu stören.
Energieverbrauch und Reichweite auf langen Strecken
Während der Probefahrt erreichten die Temperaturen 31 Grad Celsius, wodurch das automatische Klimakontrollsystem ständig unter Belastung stand. Die Strecke umfasste steile Bergstraßen, stop-and-go-Verkehr in engen Dorfstraßen sowie etwa zehn Prozent Autobahnfahrt. Unter diesen realen Bedingungen verzeichnete der Bordrechner einen Energieverbrauch von 16,8 bis etwas über 20 kWh pro 100 Kilometern auf einer Gesamtdistanz von 163 Kilometern – abhängig vom Fahrstil.

Mit der vollständigen 97,2-kWh-Batterie deuten diese Verbrauchswerte auf eine praktische Reichweite von 500 bis 600 Kilometern hin. Obwohl die nach WLTP angegebene Reichweite von bis zu 740 Kilometern nur unter idealen Bedingungen erreicht werden kann, bietet der DS N°7 dennoch hervorragende Langstreckeneigenschaften in der Realität. Ein niedriger Widerstandskoeffizient von 0,26 cW trägt weiterhin zur Effizienz des Fahrzeugs bei.
Ladekurve der 400-Volt-Architektur im Detail
An DC-Schnellladestationen beschränkt die 400-Volt-Architektur die maximale Ladeleistung auf 160 kW. Dennoch weist der DS N°7 eine gut kontrollierte Ladekurve auf. Ab einem Ladezustand (SoC) von 20 Prozent steigt die Ladeleistung schnell auf das Maximum von 160 kW an und bleibt auf diesem Niveau nahezu konstant. Erst bei einem Ladezustand von 55 Prozent sinkt die Ladeleistung schrittweise auf etwa 125 kW.
Von dort an sinkt die Ladekurve stetig und fast linear, erreicht kurz vor der 80-Prozent-Marke etwas über 80 kW, bevor es bei 80 Prozent SoC zu einem starken Rückgang kommt. Das Aufladen von 20 auf 80 Prozent dauert daher 27 Minuten. Obwohl der französische SUV die Ladegeschwindigkeiten von 800-Volt-Modellen wie dem Kia EV6 oder Hyundai Ioniq 5 nicht erreichen kann, bietet er für seine Batteriegröße eine solide Alltagsladeleistung.
Für die Wechselstrom-Ladung ausstattet DS den SUV serienmäßig mit einem 11 kW starken Bordlader. Ein 22 kW starker Bordlader ist für zusätzliche 700 Euro erhältlich.
Innenraum, Infotainment und ergonomische Schwächen
Das Interieur zählt zu den größten Stärken des DS N°7. Nappaleder mit Kontrastnähten, weiches Alcantara sowie Aluminiumverzierungen schaffen eine luxuriöse Atmosphäre. Im hochwertigsten Ausstattungspaket „La Première“, das nur bei der Markteinführung erhältlich war, sorgt ein Focal Electra 3D-Soundsystem mit 14 Lautsprechern für erstklassige Akustik. Das Infotainmentsystem „DS Iris System 2.0“ mit Sprachsteuerung über ChatGPT reagiert schnell auf Eingaben.
Doch das stilvolle Design bringt einige erhebliche ergonomische Kompromisse mit sich. Der 16-Zoll-Zentralbildschirm beeindruckt durch seine Größe, weist jedoch ein extrem schmales Format auf, wodurch die Elemente auf dem Bildschirm ungewöhnlich klein erscheinen. Insbesondere die Navigationskarte leidet darunter und ist deutlich weniger klar als auf höheren Displays. Ein weiterer Nachteil ist die Mittelkonsole, die nur über einen einzigen Getränkehalter verfügt.
Die vorderen Komfortsitze bieten in Kurven unzureichende seitliche Stützung, da die unteren Seitenpolster zu flach und weich sind. Ein noch gravierenderes Problem besteht im Fond: DS montiert die Vordersitze so tief, dass die meisten Erwachsenen im hinteren Bereich ihre Füße nicht darunter legen können. Selbst die 2,79 Meter lange Radstandlänge hilft nur wenig, die Situation zu verbessern. DS bietet keinen verschiebbaren Rücksitzbänk, obwohl dieser sicherlich helfen würde.
Aus positiver Sicht bietet der Kofferraum einen großzügigen Stauraum von 560 Litern, der sich bei umgeklappten Rücksitzen auf 1.570 Liter erweitert.
Fazit
Mit dem N°7 E-TENSE FWD Long Range bietet DS einen Langstrecken-Reisewagen, der auf Ausdauer ausgelegt ist. Die prädiktive adaptive Federung, die außergewöhnliche Verarbeitungsqualität und das hervorragende Finish beeindrucken. Allerdings erfordert das Modell Kompromisse, was die maximale Ladeleistung sowie die Ergonomie der Rücksitze angeht.
Die Einstiegsvariante mit der 73,7-kWh-Batterie und 169 kW (230 PS) kostet ab 56.300 Euro im Basisausstattungsniveau Pallas. Die Preise für den getesteten E-TENSE FWD Long Range mit der 97,2-kWh-Batterie beginnen bei 61.700 Euro. Der topausgestattete E-TENSE AWD Long Range mit Allradantrieb und 257 kW (350 PS) kostet ab 66.600 Euro.