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Fahrzeuge

Deutschland: Neue Allianz für H2-Lkw-Mobilität plant großen Wurf

Deutschland: Neue Allianz für H2-Lkw-Mobilität plant großen Wurf

In Deutschland formiert sich eine Allianz, um die Kommerzialisierung schwerer H2-Lkw und die dafür benötigte Infrastruktur anzuschieben. Dafür suchen Daimler Truck, die Volvo Group und Toyota den Schulterschluss, flankiert von Branchengrößen wie Bosch, Air Liquide und TotalEnergies. Die Botschaft: Die einheimischen Akteure wollen ein H2-Ökosystem auf die Füße stellen – bevor es andere tun.

Wasserstoff-betriebene Mobilität in Deutschland und Europa ist technisch möglich – das haben schon viele Pilotprojekte gezeigt. Klar ist: Im Pkw rechnet sich die Brennstoffzellen-Technologie nicht, im Schwerlastverkehr werden ihr aber durchaus Chancen in Nischenanwendungen eingeräumt. Doch seit Jahren bewegt sich auf diesem Kapital-intensiven Feld kaum etwas. Es fehlt das Vertrauen, dass grüner Wasserstoff bezahlbar sein wird. Es überwiegt die Ansicht, dass Batterie-elektrische Lkw effizienter sind. Und es fehlt auch an einem beherzten Engagement in der Breite.

Woanders entwickelt sich das H2-Ökosystem für Lkw allerdings bereits: allen voran in China. Und was in China auf der Straße funktioniert, kommt aktuell bekanntlich mit etwas Zeitversatz auch in Europa an. Hinter den Kulissen haben führende Köpfe der hiesigen Branche vor diesem Hintergrund ein Bündnis geschmiedet, dessen Ziele am 15. September auf der IAA Transportation in Hannover im Detail präsentiert werden soll. Aber schon die Ankündigung dieses Termins ist berichtenswert, denn mit Daimler Truck reißt einer der Hauptakteure der neuen Allianz bereits die groben Dimensionen an. Und die zeugen von einem konzertierten Ansatz und durchaus großen Ambitionen.

Initiatoren kennen sich von Cellcentric

Die Allianz werden zu Anfang die Hersteller Daimler Truck, Volvo Group und Toyota sowie die Zuliefer-, Transport- und Energiekonzerne Bosch, Air Liquide, TotalEnergies, TEAL Mobility und MB Energy bilden. Die Zusammensetzung des Hersteller-Trios überrascht dabei wenig. Daimler Truck und die Volvo Group kooperieren schon seit Jahren bei der Entwicklung der BZ-Technologie, wovon allen voran das gemeinsame Joint Venture Cellcentric zeugt. Und zu Cellcentric ist dieses Jahr wiederum Toyota als dritter gleichberechtigter Gesellschafter gestoßen. Hier schließt sich der Kreis zur Allianz: Die drei Hersteller wollen ein Zukunftsgeschäft, in das sie schon viel Entwicklungsarbeit und Geld investiert haben, im Operativen und im Strategischen voranbringen.

Was haben die acht Allianzmitglieder also vor? Daimler Truck skizziert, man wolle „die Kommerzialisierung wasserstoffbetriebener Mobilität gemeinsam beschleunigen und das dafür erforderliche Ökosystem entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufbauen“ – übrigens parallel zum weiteren Roll-out von Batterie-elektrischen Lkw. Dieser bleibt von der Initiative unberührt. Die Aktivitäten sollen konkret den Aufbau von Wasserstofftankstellen „entlang entscheidender Korridore in Europa“ umfassen – und zwar „abgestimmt auf den Hochlauf der Lkw-Flotten“. Außerdem will sich das Bündnis um die Bereitstellung von Wasserstoff „zu wettbewerbsfähigen Preisen“ kümmern. Für weitere Details verweist Daimler Truck auf eine Pressekonferenz am 15. September auf der IAA Transportation.

Fokus auf „wettbewerbsfähige Wasserstoffpreise“

Doch schon jetzt spricht die Ankündigung für schon lange laufende Gespräche hinter den Kulissen. Alle Akteure „verbindet das gemeinsame Ziel, Wasserstoff zu skalieren – mit Fokus auf kundenorientierte Betankungsinfrastruktur und wettbewerbsfähige Wasserstoffpreise“ betonen die Initiatoren. Die vorangegangenen Absprachen münden laut Daimler Truck nun darin, dass „Deutschland erstmals in Europa das gesamte Ökosystem zusammenbringt, das für die Skalierung von Wasserstoff-Lkw bis 2030 erforderlich ist – von Fahrzeugen, über politische Rahmenbedingungen, bis hin zu integrierter Wasserstoffversorgung und -infrastruktur“. Ziel sei, die Kunden in die Lage zu versetzen, wasserstoffbetriebene Fahrzeuge mit wettbewerbsfähigen Gesamtbetriebskosten zu betreiben.

Die Stuttgarter betonen, dabei, dass ihre Unternehmensallianz gemeinsam mit politischen Entscheidungsträgern an dem H2-Vorstoß arbeite. Wie genau diese Kooperation aussieht, präzisieren die Akteure noch nicht. Klar ist: Der Bund setzt sich in Deutschland für ein initiales H2-Lkw-Netz ein und hat auf einen ersten Förderaufruf in diesem Bereich jüngst über 500 Anträge erhalten. Die Zuschläge werden in der zweiten Jahreshälfte erfolgen.

Zum Ausbau der Wasserstoffmobilität in Deutschland stehen aktuell Subventionen in Höhe von 220 Millionen Euro bereit. Damit soll ein Grundnetz für den Schwerverkehr entstehen – wie in der europäischen AFIR (Alternative Fuels Infrastructure Regulation) vorgeschrieben. Wichtig: In die Förderung sind auch Wasserstoff-Verbrennungsmotoren integriert. Die Technologie basiert weitgehend auf klassischen Hubkolbenmotoren.

Hersteller beantragen staatliche Unterstützung

Interessant ist, dass laut Verkehrsministerium innerhalb der „breiten Beteiligung“ an der Förderung auch führende Hersteller schwerer Nutzfahrzeuge unter den Antragstellern waren. Die electrive-Redaktion hatte sich daraufhin gefragt, ob Hersteller ihre H2-Fahrzeuge also vermehrt auf sich selbst zulassen wollen oder eventuell auch bei der Infrastruktur investieren. Jetzt kristallisiert sich heraus: Die Antwort dürfte spätestens die Pressekonferenz am 15. September auf der IAA liefern. Deutlich wird aber schon jetzt, dass sich die OEMs beim Aufbau des H2-Ökosystems in einer Art engagieren werden, die über die Bereitstellung der Fahrzeuge weit hinausgeht.

Der Grund liegt auf der Hand: Daimler Truck und Volvo Trucks haben früh neben ihrer BEV-Roadmap auch auf das H2-Pferd gesetzt, beide jahrelang entwickelt und investiert – und wer Serienfahrzeuge mit BZ-Antrieb verkaufen will, muss Kunden auch die nötigen Rahmenbedingungen bieten. Beide OEMs haben die Trägheit des Systems unterschätzt. Erste Serienfahrzeuge wurden anfangs für 2027 angekündigt – und unter dieser Prämisse 2021 auch Cellcentric gegründet, um den entsprechenden Technik-Baukasten in Serie zu fertigen.

In den Jahren 2024 und 2025 bremsten die Konzerne: Cellcentric baut zwar weiter eine Großserienfabrik in Weilheim an der Teck in Baden-Württemberg, die Bauarbeiten wurde aber gestreckt. Denn: Bei Daimler Truck geht der Next GenH2 Truck zwar demnächst in die Kundenerprobung (etwa bei Dachser), allerdings verschob der Hersteller die Serienproduktion bereits in die 2030er Jahre. Entsprechend muss auch Cellcentric neu planen. Von Volvo Trucks‘ geplanten BZ-Lkw hörte man zudem schon lange nichts mehr. Allerdings haben die Schweden jetzt angekündigt, ein Exemplar bei der IAA Transportation zu zeigen.