Von der XL1 zur Mission Efficiency: 60 Jahre Besessenheit von Volkswagen, weniger zu verbrauchen


Das neue Konzept ist die ultimative Veranschaulichung der seit den 1960er Jahren durchgeführten Arbeiten.
Mission Efficiency, Schöpfer von drei neuen Rekorden, ist ein Echo dieser Entwicklung. Den ersten Aufruhr kann man bereits in den Sechzigern erkennen: Volkswagen eröffnete Ende 1965 seine erste interne Windkanalanlage in Wolfsburg. Zu dieser Zeit war das bahnbrechend. In Frankreich führten die Hersteller damals nur kurze Untersuchungen im Windkanal Eiffel in Paris oder am Institut aérotechnique de Saint-Cyr durch, meist an experimentellen Fahrzeugen wie dem Etoile Filante.
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Gleichzeitig übernahm die Schwestermarke Audi ihren Konkurrenten NSU sowie dessen innovatives Entwicklungsbüro. Dieses hatte den revolutionären Ro 80 entworfen, dessen Widerstandsbeiwert (Cx) mit einem Wert von 0,355 alle in Erstaunen versetzte.

Doch die Frage der Energieeffizienz rückte erst durch die beiden Ölkrisejahre 1973 und 1979 wirklich in den Vordergrund. Eine Serienumsetzung war der Audi 100, auch „C3“ genannt. Bei seinem Erscheinen im Jahr 1982 wurde er als das aerodynamischste Auto seiner Zeit präsentiert. Das zeigte sich bereits in den schrägen A-Säulen, den versteckten Regenrinnen, den framelosen Fenstern oder den Vollfelgen. Cx: 0,30.
Auf der anderen Seite verfeinerte Volkswagen das Konzept unter ständiger Betonung der Verwendung von Dieselmotoren. Das experimentelle Fahrzeug ARVW (Aerodynamic Research Volkswagen) wies eine Höhe von 84 cm, eine Breite von 110 cm sowie einen Cx-Wert von 0,15 auf. Der Motor war ein Reihensechszylinder mit 2,4 Litern Hubraum.

Am 18. Oktober 1980 wurde das Auto auf die Rennstrecke in Nardò im Süden Italiens gefahren. Am Steuer saßen zwei junge Piloten: der Deutsche Helmut Henzler und der zukünftige Formel-1-Weltmeister Keke Rosberg. Das Auto erreichte eine Geschwindigkeit von 345,2 km/h über eine Strecke von 500 km. Dieser Rekord für Dieselautos mit aufgeladenen Motoren von 2 bis 3 Litern (um genau zu sein) wurde nie gebrochen und steht weiterhin in den Listen des Internationalen Automobilverbandes.
Aber es gab auch realistischere Konzepte. Der erste Stein wurde 1981 auf der IAA in Frankfurt mit dem Konzept Auto 2000 gelegt. Dieses Fahrzeug mit der kammförmigen Silhouette basierte auf einem Golf 1-Chassis und wurde von einem 3-Zylinder-Dieselmotor mit 53 PS angetrieben. Der Widerstandsbeiwert (Cx) von 0,25 galt damals als außergewöhnlich – der 1983 vorgestellte Golf II wies einen Wert von 0,34 auf. Aus diesem Konzept entstand unter anderem die unerschütterliche Front des Passat B3.

Dritte Stufe: Das Auto mit einem Verbrauch von einem Liter pro 100 Kilometer. Das war eine fixe Idee des Chefs, Ferdinand Piëch, dessen Zorn oft die Wände in Wolfsburg erzittern ließ. Im Jahr 2002 präsentierte er ein schmales Fahrzeug (Volkswagen 1L Concept), in dem die beiden Passagiere hintereinander saßen. Das aus Magnesium und Kohlenstoff gefertigte Fahrzeug wog weniger als 300 kg. Der Cx-Wert lag bei 0,159. Angetrieben wurde es von einem winzigen Einzylindermotor mit 300 cm³ Hubraum und 8 PS – das entspricht der Leistung eines heutigen Citroën Ami. Angemessener Verbrauch: 0,99 l/100 km.

Vierte Versuchsanordnung – etwas realistischer: das Konzept Volkswagen L1, das im September 2009 in Frankfurt vorgestellt wurde. Diesmal ging man auf den Hybridweg. Der Zwei-Zylinder-Motor mit 800 cm³ war die Hälfte eines „1600er“ TDI-Motors. Er wurde von einem kleinen Elektromotor mit 13 PS unterstützt. Der Cx-Wert lag bei 0,195.
Der fünfte Entwurf führte diesmal zu einer (kleinen) Serienproduktion. Die Volkswagen XL1 wurde von 2014 bis 2016 nur in 250 Exemplaren hergestellt, zu einem Preis von über 100.000 Euro. Doch was für ein Auto! Der Cx-Wert lag bei 0,189. Die Passagiere saßen wieder in der üblichen Position in diesem Coupé mit einer Länge von 3,88 Metern und einer Höhe von 1,15 Metern. Die wiederaufladbare Hybridantriebskette bestand aus einem zweizylindrigen Turbodieselmotor mit 48 PS, einem Elektromotor mit 27 PS und einer Batterie mit 5,5 kWh Kapazität. Laut den damaligen Homologierungsstandards lag der Kraftstoffverbrauch pro 100 Kilometer ebenfalls unter dem Wert eines Liters Diesel.

Eineinige Monate nach der Markteinführung des XL1 schickten die amerikanischen Umweltbehörden einen Einschreibenbrief. Dieser „Verstossbescheid“ löste den Dieselgate-Skandal aus. Der Fall veränderte das Schicksal von Volkswagen und brachte die Automobilindustrie dazu, ihren Kurs zu ändern – vielleicht in Richtung Effizienz.