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Sonstiges

Chery wird im Herbst 2026 ein R&D-Zentrum in Großbritannien eröffnen. Der nächste Schritt ist die lokale Produktion zusammen mit Nissan.

Chery wird im Herbst 2026 ein R&D-Zentrum in Großbritannien eröffnen. Der nächste Schritt ist die lokale Produktion zusammen mit Nissan.

Chery wird im Herbst 2026 ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Bedfordshire in England, auf dem Gelände von UTAC Millbrook, eröffnen. Zunächst soll es darum gehen, die Fahrzeuge an die britischen Straßen anzupassen, später folgen Systeme für autonomen Fahren und KI. Für Europäer ist das ein wichtigeres Signal als weitere Präsentationen zur Expansion, denn das Unternehmen beginnt, eine lokale Infrastruktur aufzubauen, anstatt nur fertige Fahrzeuge aus China zu importieren.

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Chery ist in Großbritannien nicht mehr nur Importeur

Das neue R&D-Zentrum soll in Bedfordshire entstehen, an einem Ort, der der Automobil- und Motorsportbranche gut bekannt ist. Es handelt sich um UTAC Millbrook, eine Test- und Ingenieurdienstleistungseinrichtung, in der man nicht nur ein Büro mieten kann, sondern auch Fahrzeuge unter realen Bedingungen sowie auf Teststrecken direkt testen kann. Es handelt sich dabei nicht um einen zufälligen Standort.

Zunächst soll sich das Team auf die Kalibrierung der Fahrzeuge an die britischen Straßenbedingungen und Fahrstil einstellen. Das klingt technisch, hat aber tatsächlich praktische Bedeutung. Andernfalls wird die Federung, das Lenksystem, ADAS oder die Rekuperation an China angepasst, während sie für Großbritannien mit seinen Straßen, Wetterbedingungen und linksgesteuerten Verkehrssituationen angepasst werden muss.

Später soll der Umfang der Arbeiten autonomes Fahren und künstliche Intelligenz umfassen. Hier ist jedoch Vorsicht geboten. Zwischen dem Satz „Wir werden KI entwickeln“ und einem fertigen System, das zuverlässig auf europäischen Straßen funktioniert, liegt in der Regel ein langer Weg. Derzeit bleibt die härteste Realität einfach: Chery investiert in lokale Ingenieure und möchte eigene Kompetenzen vor Ort haben.

Laut den Angaben des Unternehmens soll das Zentrum außerdem hochqualifizierte Arbeitsplätze schaffen und langfristig lokale Talente rekrutieren. Dies ist ein weiterer Aspekt der Standortwahl und keine einmalige Aktion für die Öffentlichkeitsarbeit.

Die nächste Phase ist die Produktion in Sunderland

Noch interessanter ist der zweite Aspekt, denn die Forschungen sind erst die Hälfte des Puzzles. Im Juni unterzeichnete Chery ein nicht bindendes Memorandum mit Nissan bezüglich einer möglichen Produktion von Personenkraftwagen in der Fabrik in Sunderland in Großbritannien.

Falls der Plan umgesetzt wird, soll die Produktion der Chery-Modelle ab nächstem Jahr beginnen – oder laut einer anderen Zeitplanversion im Haushaltsjahr 2027. Der Unterschied in der Bezeichnung resultiert eher aus der Art und Weise, wie die Fristen berechnet werden, als von einer Änderung des Plans. Solange es jedoch keinen endgültigen Vertrag und keine konkreten Modelle gibt, sollte man dies nicht als sicher angesehen werden.

Die Nissan-Fabrik soll die ungenutzte Line One einsetzen, also eine bestehende Produktionslinie, die derzeit nicht à voller Kapazität arbeitet. Für Chery ist das ein schneller Weg zur lokalen Produktion, ohne von Grund auf eine eigene Fabrik errichten zu müssen. Für Nissan ist es eine Möglichkeit, die Kapazitäten in Sunderland besser auszunutzen. Ein einfacher Deal.

Falls dieses Modell in Produktion geht, wäre es die erste großangelegte Produktion eines chinesischen Automarken in Großbritannien. Und das klingt bereits ernst, denn aus europäischer Sicht ändert sich die Rolle der chinesischen Hersteller. Zuerst kamen sie mit Autos, dann bauten sie ein Vertriebsnetz auf. Jetzt fügen sie Forschung und Entwicklung sowie lokale Montage hinzu.

Omoda und Jaecoo treiben das Wachstum voran, der Marktanteil steigt schnell

Chery wächst in Großbritannien wirklich schnell. Laut den Daten der SMMT erreichten die Gesamterfassungen der Marken Chery, Omoda und Jaecoo im Juli 12.117 Fahrzeuge, was einem Anstieg von 220 Prozent im Jahresvergleich entspricht.

Der Anteil der Gruppe am britischen Markt stieg auf 7,7 Prozent, während er im Vorjahr bei etwa 2,7–3 Prozent lag. Mit anderen Worten: Innerhalb von 12 Monaten hat Chery mit seinen Tochtermarken ihren Marktanteil fast verdreifacht. Das ist nicht mehr eine Nische.

In der Praxis sind heute hauptsächlich Omoda und Jaecoo die Wachstumsmotoren, denn gerade diese Marken sind auf den europäischen Märkten besser sichtbar und spielen in beliebten Segmenten eine größere Rolle. Die Marke Chery selbst ist für das Unternehmen wichtig, doch für den Kunden auf der Straße sind es meist die Submarken, die eine Rolle spielen.

Das Unternehmen kündigte außerdem im Februar den Markteintritt mit Lepas an, einer Marke, die für europäische Märkte entwickelt wurde. Sollte dieses Vorhaben umgesetzt werden, soll Großbritannien zum Markt für vier Marken von Chery werden: Chery, Omoda, Jaecoo und Lepas. Ambitioniert – nur die Frage, ob das nicht zu breit gefächert ist. Der europäische Kunde schätzt die Auswahl, mag aber keinen Chaos in der Produktreihe und im Namenwesen.

Cherys Export bricht Rekorde – doch Europa erhält mehr als nur Container

Cherys Aktivitäten im Vereinigten Königreich passen gut ins größere Bild. Im Juli 2026 verkaufte das Unternehmen weltweit 276.820 Autos, wovon 202.533 Stück Exporte waren. Das bedeutet einen Zuwachs des Exports um 70,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Dieses Ergebnis ist symbolträchtig, denn Chery wurde der erste chinesische Hersteller, der innerhalb eines Monats die Marke von 200.000 exportierten Autos überschritten hat. Das Ausmaß ist beeindruckend, doch noch wichtiger ist, was das Unternehmen mit dieser Größe weiterhin anstellt. Der Export allein sorgt für Volumen – die Präsenz vor Ort bietet hingegen die Möglichkeit, sich in Europa besser zu etablieren.

Und hier kommen wir zum Kern der Sache. Die Eröffnung eines R&D-Zentrums in Großbritannien ist an sich kein großes Ereignis. Ein Büro und eine Teststrecke sind noch keine Fabrik. Doch in Kombination mit der geplanten Produktion in Sunderland und dem wachsenden Marktanteil ergibt sich daraus ein sinnvoller Ansatz: Verkauf, lokale Anpassung der Fahrzeuge und anschließende Montage vor Ort.

Von europäischer Perspektive ist das auch eine Möglichkeit, Teile der politischen und handelsbezogenen Risiken zu verringern. Wenn eine chinesische Marke ein lokales Team, lokale Partner sowie einen Teil der Produktion näher am Kunden hat, fällt es ihr leichter, wie ein vor Ort ansässiger Hersteller mit dem Markt zu verhandeln – und nicht nur als Exporteur. Das löst zwar nicht alles, ändert aber die Sichtweise.

Für den polnischen Leser ist die Schlussfolgerung einfach. Wenn Chery tatsächlich ein stabiles Ingenieur- und Produktionsnetzwerk in Europa aufbaut, steigen die Chancen auf eine breitere Präsenz der Gruppe in anderen Ländern – auch bei uns. Großbritannien selbst ist heute ein Testfeld, scheint aber kein Projekt zu sein, das ausschließlich für die Inseln konzipiert ist.

Zum Schluss bleibt die interessanteste Frage: Wird Chery als weitere „Import-Marke“ enden oder in Europa eine Position wie die japanischen und koreanischen Hersteller von einst aufbauen? Meinen Sie, reichen lokale Forschung und Entwicklung sowie die Montage im UK aus, damit die Europäer Chery ernster nehmen?