CATL präsentiert eine Batterie, die den Markt für Nutzfahrzeuge verändern soll. Reichweite von bis zu 1000 km und eine Ladezeit von 25 Minuten für 80 Prozent Ladestand.

Kurz gesagt:
CATL hat die Plattform Tectrans II vorgestellt, die darauf abzielt, die wichtigsten Hürden bei der Entwicklung von Elektro-Lkw zu überwinden
Absoluter Fahrzeugreichweite kann je nach Anzahl der eingesetzten Pakete sogar 1000 km erreichen – so gibt der Batteriehersteller an
Die Batterie kann in 25 Minuten von 0 auf 80 Prozent aufgeladen werden – betont CATL
Die chinesische Premiere in Hannover fällt in den globalen Trend eines rasanten Anstiegs beim Verkauf von Elektro-Commercial Vehicles
Laut der Internationalen Energieagentur wird das globale Wachstum in diesem Fahrzeugsegment vor allem durch die Konjunkturlage in China angetrieben
CATL: Tectrans II soll die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs beschleunigen
Während der IAA Transportation 2026 in Hannover präsentierte das Unternehmen CATL den Tectrans II, also die neue Generation von Batterien für Nutzfahrzeuge. Der Hersteller beschreibt ihn als modulare Plattform, die sowohl in schweren und mittleren Lastkraftwagen als auch in Bussen eingesetzt werden kann.
Die neue Konstruktion wurde so entwickelt, dass Fahrzeughersteller auf der Grundlage standardisierter Batteriemodule verschiedene Konfigurationen erstellen können. Je nach Anzahl der verwendeten Pakete kann die maximale Reichweite des Fahrzeugs bis zu 1000 km betragen. Laut CATL soll eine solche Architektur die Entwicklungszeit neuer Modelle um 50 Prozent verkürzen und die Kosten für Forschung und Entwicklung um 60–70 Prozent senken!
Einer der wichtigsten Parameter des Tectrans II ist die Möglichkeit, mit Megawatt-Leistung aufzuladen. Laut dem Hersteller kann der Akku in 25 Minuten von 0 auf 80 Prozent aufgeladen werden. Dieser Wert ist insbesondere für den Transportsektor von großer Bedeutung, wo jede Stunde Stillstand zu entgangenen Einnahmen führt – so argumentiert die Branchenplattform Car News China.

Hohe Leistungsfähigkeit und die dritte Welle
Die neue Plattform bietet eine Energiedichte von 170 Wh/kg, was etwa 13 Prozent über dem Durchschnitt des Marktes liegt. Dadurch kann das Fahrzeug zusätzlich etwa 600 kg Ladung transportieren. CATL gibt außerdem eine Energieeffizienz beim Laden und Entladen von 96 Prozent sowie eine Haltbarkeit von 12 Jahren Betriebszeit und einer Fahrleistung von 1,5 Millionen km an, wobei 70 Prozent der ursprünglichen Akkukapazität erhalten bleiben.
Laut Akin Li, dem Präsidenten für internationale Geschäfte bei CATL: „Die Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen wird zur dritten Welle der globalen Energiewende. Im Bereich Produkte, Energie, Dienstleistungen und des gesamten Ökosystems ist CATL bereit, mit Partnern auf der ganzen Welt zusammenzuarbeiten, um gemeinsam das Potenzial dieser dritten Welle zu nutzen“, schreibt Automotive World.
Auch auf Sicherheitsaspekte wurde großer Wert gelegt. Die Konstruktion verwendet eine durch Walzen erhitzte Stahlabdeckung, die laut Hersteller einem Druck von 180 Kilogramm belastet werden kann, wobei diese Belastung 10.000 Mal wiederholt werden kann. Den Schutz von unten gewährleistet eine stoßfeste Platte mit einer Energie von 1000 J, während der Aluminiumgehäuse mit zusätzlichen Verstärkungen eine Widerstandsfähigkeit gegen seitliche Druckkräfte von bis zu 250 kN bietet. Der Hersteller gibt außerdem eine Korrosionsbeständigkeit über 15 Jahre Nutzungsdauer an.
Das System ist außerdem mit einem mehrkanaligen Batteriemanagementsystem (BMS) ausgestattet, das es ermöglicht, einen beschädigten Abschnitt abzutrennen und den weiteren Betrieb des Fahrzeugs aufrechtzuerhalten. CATL betont zudem die Anwendung mehrschichtiger Cybersicherheitsmaßnahmen, die den internationalen Sicherheitsstandards für Informationen entsprechen.
DHL und CATL wollen „grüne Transportkorridore“ schaffen
Die Präsentation von Tectrans II war nicht das einzige wichtige Ereignis auf der Messe. CATL unterzeichnete außerdem ein Kooperationsmemorandum mit der DHL Group. Beide Unternehmen kündigten die Entwicklung eines Netzwerks sogenannter Green Freight Corridors an, also grüner Transportkorridore für den elektrischen Straßenverkehr in Europa.

Das Projekt soll die Erfahrung von DHL in der Logistik und im Transportwesen sowie die Kompetenzen von CATL im Bereich Batterien und Elektrifizierung nutzen. Gemeinsam mit Fahrzeugherstellern planen die Partner, speziell entwickelte Elektro-Lkw zu schaffen und Pilotprojekte auf europäischen Transportrouten einzuführen – berichtet PR Newswire.
Der Batteriemarkt wächst mit der Elektromobilität
Die Präsentation der neuen Plattform fällt mit einer außergewöhnlich dynamischen Entwicklung des weltweiten Elektromobilitätsmarktes zusammen, der direkt die Nachfrage nach Antriebsbatterien antreibt. Laut einem Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) wird die globale Flotte von Elektrofahrzeugen bis 2035 vom aktuellen Niveau aus mehr als sechsmal ansteigen und sogar 510 Millionen Fahrzeuge umfassen. Der Anteil von Elektroautos am weltweiten Verkauf neuer Autos könnte bereits in der Mitte des nächsten Jahrzehnts etwa 50 Prozent erreichen.
China bleibt der stärkste Wachstumsmotor. Laut der IEA werden bereits im Jahr 2025 etwa 70 Prozent der dort verkauften Elektroautos günstiger sein als ein durchschnittliches Verbrennungsfahrzeug. Infolgedessen könnte der Anteil von Elektroautos am Verkauf neuer Autos in China bis 2035 die 90-Prozent-Marke überschreiten.
Auch die Märkte Südostasiens gewinnen an Bedeutung. In Thailand bleiben die Preise für Elektroautos seit zwei Jahren auf einem Niveau, das mit dem von Verbrennungsfahrzeugen vergleichbar ist, während in Indonesien die Preismarke für Elektroautos deutlich gesunken ist. Laut Prognosen der IEA könnte Vietnam zum Leader der Region werden, wo der Anteil von Elektroautos am Verkauf neuer Autos bis 2035 die 80-Prozent-Marke überschreiten könnte.
Elektro-Lkw treiben einen neuen Marktsegment für Batterien an
Von der Sicht der Akkuproduzenten ist insbesondere der Segment der Nutzfahrzeuge von Interesse. Laut der IEA stieg der weltweite Verkauf von Elektrolastwagen im Jahr 2025 um mehr als das Doppelte und erreichte 9 Prozent aller Neuzulassungen von Lastkraftwagen weltweit. Für den überwiegenden Teil dieses Wachstums waren China verantwortlich, wo bereits jeder vierte verkaufte Lastwagen batteriebetrieben war.

Laut der Agentur sind Elektro-Lkw immer noch zwei bis drei Mal teurer als ihre Diesel-Äquivalente, doch dank fallender Batteriepreise wird die Gesamtbetriebskosten immer wettbewerbsfähiger. In Europa wird ein Kostenparität gegenüber Verbrennungsfahrzeugen voraussichtlich um das Jahr 2030 erreicht.
Nicht zufällig stärkt CATL gerade in diesem Segment seine Position. Laut der IEA liefert der chinesische Hersteller etwa 80 Prozent der Akkumulatoren, die in in China verkauften Elektro-Lkw verwendet werden. Das zeigt, wie eng die Entwicklung des globalen Batteriemarktes heute mit der Expansion des chinesischen Elektromobilitätssektors verbunden ist.
Oskar Włostowski