CATL präsentierte den Tectrans II für Lastwagen. 1000 km auf dem Papier, 25 Minuten bis zu 80 % Ladestand

CATL präsentierte auf der IAA Transportation 2026 in Hannover die neue Antriebsbatterie Tectrans II für Nutzfahrzeuge. In der Top-Konfiguration für schwere Lastwagen verspricht das Unternehmen eine Reichweite von bis zu 1000 km sowie ein Aufladen auf 10-80 % in 25 Minuten bei einer Leistung von einem Megawatt.
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Für den Markt ist dies nicht mehr nur eine weitere Markteinführung von Zellen. CATL hat gleichzeitig auch eine Vereinbarung mit DHL bezüglich grüner Transportkorridore in Europa abgeschlossen, also versucht das Unternehmen nicht nur den Akku selbst zu verkaufen, sondern ganzes Implementierungsmodell.
Tectrans II soll eine Batterie für viele Aufgaben sein
Tectrans ist die Marke von CATL für Nutzfahrzeuge. Die neue Tectrans II soll schwere und mittlere Lastwagen sowie Busse versorgen, also sehr unterschiedliche Anwendungsszenarien abdecken: Ferntransporte, Häfen, Minen, städtische Lieferungen und Personenbeförderung.
Das Prinzip dieser Plattform ist einfach. CATL setzt auf eine modulare Architektur mit dem Zusammenbau standardisierter Batteriepakete. Der Hersteller behauptet, dass durch die Anpassung der Anzahl der Pakete die Kapazität und die Ladeleistung an eine bestimmte Anwendung angepasst werden können, wobei die Plattform sowohl mit e-axle-Antrieben als auch mit Central-Drive-Systemen kompatibel ist.
Das klingt vernünftig, denn der Nutzfahrzeugsektor mag nichts Exotisches. Je weniger einzigartige Batterien pro Modell benötigt werden, desto einfacher ist es, Skaleneffekte zu erzielen sowie Wartung und Modernisierungen nach einigen Jahren durchzuführen.
CATL fügt noch einen wichtigen Aspekt hinzu: Tectrans II soll sowohl das klassische Laden als auch den Batterietausch unterstützen. Das bedeutet nicht, dass der Battery-Swap plötzlich in Europa zum Standard wird, aber für Flotten und geschlossene Strecken hat diese Variante weiterhin Sinn.
1000 km Reichweite und 25 Minuten bis zu 80 Prozent Ladestand – das sind konkrete Zahlen, die auch überzeugen.
Die kraftvollste Aussage klingt beeindruckend: eine Reichweite von bis zu 1000 Kilometern für einen schweren Lastwagen. Doch wie üblich bei solchen Versprechen liegt das Problem in den Details. Es werden hier weder die vollständige Konfiguration des Fahrzeugs, noch das Gewicht des Sets, noch der Streckenprofil oder der durchschnittliche Energieverbrauch angegeben. Auf dem Papier sieht das sehr gut aus, doch im realen Autobahnverkehr hängt das Ergebnis von der Ladung, dem Wetter, der Topografie und der Geschwindigkeit ab.
Die zweite Zahl ist praktischer. CATL verspricht ein Aufladen auf 80 Prozent in 25 Minuten unter Verwendung einer Megawatt-Ladestation. Das ist bereits ein Niveau, das in der Fernlogistik Sinn macht – vorausgesetzt, das Fahrzeug kommt tatsächlich an eine MCS-Infrastruktur und nicht an eine zu schwache Ladestation, um das Potenzial der Batterie voll auszunutzen.
In Europa ist genau das heute der größte Vorteil. Eine Batterie kann zwar viel leisten, doch ohne ein dichteres Netz an Megawatt-Ladestationen bleibt der Vorteil teilweise ungenutzt. Der Güterverkehr selbst benötigt nicht nur Leistung, sondern auch geeignete Parkplätze, Zugang zu Ladestationen sowie eine sinnvolle Arbeitsplanung für die Fahrer.
Energiedichte, Reichweite und Langlebigkeit – hier setzt CATL auf die TCO-Kosten
CATL gibt an, dass der Tectrans II eine Energiedichte von 170 Wh/kg auf gravimetrischer Basis erreicht, was etwa 13 Prozent über dem Durchschnitt des Marktes liegt. In der Praxis bedeutet das für das Unternehmen eine zusätzliche Reichweite von rund 0,6 Tonnen bei derselben Batteriekapazität. Für einen Transportunternehmer ist das ein wichtigerer Argument als marketingorientierte Aussagen über die Zukunft des Transports.
Außerdem wird eine Lade- und Entladeleistung von 96 % angegeben. Geringere Energieverluste bedeuten niedrigere Betriebskosten, insbesondere bei hohen Fahrleistungen und täglichem Schnellladen.
Noch interessanter ist die Haltbarkeit. Die Version für schwere Lastwagen soll für 12 Jahre und 1,5 Millionen Kilometer konzipiert sein, wobei 70 % der Kapazität erhalten bleiben. Wenn sich diese Werte in der regelmäßigen Nutzung bestätigen, handelt es sich um einen Parameter, der speziell für den ersten Flottenbesitzer entwickelt wurde und nicht nur für gewöhnliche Nutzer.
CATL behauptet außerdem, dass die Standardisierung der Paketabmessungen, elektrischen Schnittstellen sowie Kommunikationsprotokolle zukünftige Modernisierungen vereinfachen soll. Sowohl neue als auch bestehende Modelle sollten ohne große Änderungen der Plattform neuere Batterien aufnehmen können. Der Hersteller nennt hier ehrgeizige Berechnungen: ein um 50 Prozent kürzerer Entwicklungszyklus für Fahrzeuge sowie Kosten für Forschung und Entwicklung, die um 60–70 Prozent geringer ausfallen sollen. Das sind Zahlen, bei denen man vorsichtig sein sollte, denn sie klingen eher wie Versprechen an OEM-Hersteller als wie belastbare Marktergebnisse.
CATL hat auch das Thema Sicherheit berücksichtigt
In Nutzfahrzeugen reicht allein die Kapazität nicht aus. Entscheidend sind Widerstandsfähigkeit gegen Stöße, Korrosion sowie Ausfälle einzelner Komponenten. CATL nennt hier mehrere konkrete Lösungen.
Die obere Abdeckung aus hitzebehandeltem Stahl soll einem Druck von 180 kg, der 10.000 Mal wiederholt wird, standhalten, während die untere Schutzplatte eine Stoßfestigkeit von 1000 J bieten soll. Der Gehäuse aus geprägtem Aluminium mit Verstärkungsrippen soll eine seitliche Belastbarkeit von 250 kN gewährleisten, und außerdem verspricht das Unternehmen eine Korrosionsbeständigkeit von 15 Jahren.
Dazu kommt ein mehrschichtiges, unabhängiges BMS-System. Laut CATL kann ein beschädigtes Modul isoliert werden, sodass das Fahrzeug weiterhin funktionieren kann. Das klingt aus Sicht von Fuhrparks durchaus sinnvoll, denn am teuersten sind nicht nur die Wartungskosten, sondern auch Stillstände.
DHL und grüne Korridore in Europa. Das könnte wichtiger sein als die Batterie selbst.
Gleichzeitig zur Markteinführung unterzeichnete CATL ein Memorandum mit der DHL Group. Ziel ist die Entwicklung von Green Freight Corridors in Europa, also Korridoren für elektrifizierten Güterverkehr.
Es handelt sich um die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit, die bereits im September 2024 mit einem Vertrag über die Lieferung von Batterien begann. Nun soll der Umfang erweitert werden. DHL bringt sein Logistiknetz sowie praktische Betriebsanforderungen ein, während CATL seine Batteriekapazitäten und Beziehungen zu Herstellern einsetzt. Die Parteien möchten gemeinsam elektrische Fahrzeuge entwickeln, die für spezifische Anwendungen konzipiert sind, und Pilotprojekte starten.
Und genau hier wird es interessant. Der europäische Schwerlastverkehr braucht kein weiteres schönes Prototypenfahrzeug. Er benötigt Routen, Zeitpläne, Betreiber, Wartung und eine wirtschaftliche Lösung. Wenn CATL zusammen mit DHL tatsächlich Batterie, Auto und Infrastruktur in einem einzigen Prozess verbindet, wird das wertvoller sein als selbst die beeindruckendste Spezifikation.
CATL wächst im praktischen Einsatz, hat aber auch globale Dimensionen
Die Markteinführung von Tectrans II in Deutschland entstand nicht aus heiterem Himmel. CATL startete die Marke Tectrans im Juli 2024 zunächst für den Logistik- und Lieferbereich und erweiterte sie später auf Busse sowie schwerere Nutzfahrzeuge.
Im Januar 2026 präsentierte das Unternehmen in China die Tectrans II-Serie für leichte Nutzfahrzeuge, einschließlich einer Version mit Natrium-Ionen-Akku für niedrige Temperaturen. Im Juli fügte es eine Variante mit ultraschnellem Laden hinzu, die eine angegebene Ladeleistung von 8C erreicht. Dieser leichte Marktsegment ist jedoch eine andere Geschichte als die Markteinführung im Schwerlastbereich in Hannover.
CATLs Bedeutung bleibt nicht zu übersehen. Laut SNE Research verfügte das Unternehmen nach den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 über eine globale Kapazität von 289,6 GWh für Antriebsbatterien sowie einen Marktanteil von 39,9 %. In chinesischen Elektro-Commercial-Fahrzeugen hatte es in der ersten Hälfte von 2026 einen Marktanteil von 44 %, und im Segment der schweren Lastwagen hält es seit fünf Jahren die Spitzenposition mit einem Anteil von über 60 %.
CATL gibt außerdem an, dass weltweit bereits mehr als 2 Millionen Commercial-Fahrzeuge mit seinen Batterien unterwegs sind. Das garantiert zwar keinen Erfolg im europäischen Langstreckenverkehr, verleiht dem Unternehmen aber etwas, was vielen Konkurrenten fehlt: Erfahrung in industrieller Skala.
Für den Moment erscheint Tectrans II als sinnvolle Antwort auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Flotten, doch erst die Umsetzung wird zeigen, ob 1000 Kilometer und 25 Minuten letztendlich nur Zahlen bleiben, die hauptsächlich für Präsentationen geeignet sind. Was meinen Sie – wird diese Infrastrukturstufe schneller von MCS oder von Lastwagenherstellern mit fertigen Plattformen erreicht?