CATL beginnt in Debrecen mit Testproduktion von Batteriezellen

Der chinesische Batterieriese CATL hat in seinem neuen Werk im ungarischen Debrecen mit der Testproduktion von Batteriezellen begonnen. Zuvor war es mehrfach zu Verzögerungen gekommen und europäische Autohersteller mussten alternativ aus China beliefert werden. Hinzu kommt neuerdings auch politischer Gegenwind.
Luftaufnahme der neuen CATL-Fabrik in Debrecen
Bild: CATL
CATL hat die Testproduktion in seinem neuen Batteriezellenwerk im ungarischen Debrecen aufgenommen. Laut CATL kann es nun losgehen, da alle notwendigen Voraussetzungen und behördlichen Anforderungen erfüllt sind. Die Testphase dient dazu, die Produktionsanlagen und Fertigungsprozesse vor Beginn der Serienproduktion in vollem Umfang einzurichten, zu optimieren und zu validieren. Die ersten beiden Produktionslinien des Werks sind nun für diese Testzwecke in Betrieb genommen worden.
Wann die eigentliche Serienproduktion von Batteriezellen in Debrecen startet, ist aber noch unklar. Die Testproduktion in neuen Zellfabriken dauert üblicherweise eher Monate als Wochen. Andererseits ist CATL der größte Batteriezellhersteller der Welt und verfügt über reichlich Erfahrung. Und die Kunden von CATL warten auf die Batteriezellen: Mercedes-Benz musste die Produktion des vollektrischen GLC in Bremen im Sommer laut einem Medienbericht sogar unterbrechen, weil CATL nicht genügend Zellen liefern konnte. Dabei hat das Unternehmen eigens die Lieferkette umgestellt, um Mercedes für den GLC und VLE vorübergehend mit Zellen aus China zu beliefern.
CATL betreibt schon Zellfabrik in Thüringen
CATL hatte das Werk in Debrecen im August 2022 als zweite europäische Zellfabrik neben der Ende 2022 eröffneten Anlage im thüringischen Arnstadt angekündigt. Geplant waren Investitionen von 7,34 Milliarden Euro und eine Produktionskapazität von bis zu 100 GWh pro Jahr. Dadurch soll die Fabrik zur größten von CATL außerhalb Chinas werden. Die Anlage in Debrecen soll neben Mercedes-Benz auch BMW, das seine neue E-Auto-Fabrik ebenfalls in Debrecen betreibt, sowie weitere europäische Autobauer mit lokal produzierten Zellen versorgen. Der Bau der ersten Ausbaustufe begann 2023, der ursprünglich erwartete Produktionsstart verzögerte sich jedoch mehrfach, eigentlich sollte es im Frühjahr 2026 losgehen.
Zum Aufbau kamen Genehmigungs- und Umweltprobleme hinzu. So wurden die umweltrechtlichen Genehmigungen von Anwohnern und Umweltorganisationen angefochten; Gutachter bemängelten unter anderem Aspekte bei Wasserverbrauch, Lärm und Auswirkungen auf den Wasserhaushalt. Diesen Sommer sorgten zudem ein regelwidriger Abwassereintrag sowie eine erhöhte Nickelbelastung bei Beschäftigten für behördliche Maßnahmen. Zwar konnte die Produktion von Batteriemodulen vor Ort bereits anlaufen, jedoch lässt die Zellfertigung weiter auf sich warten.
Das Projekt steht zudem in einem zunehmend kritischeren politischen Umfeld: Die im April abgewählte Regierung von Viktor Orbán hatte den Ausbau Ungarns zum europäischen Batteriezentrum massiv unterstützt und mehrere asiatische Hersteller ins Land geholt. Nach dem Regierungswechsel kündigte die neue politische Führung unter Ministerpräsident Péter Magyarstrengere Umweltkontrollen und eine neue Aufsicht für die Batterieindustrie an. Einen direkten Zusammenhang zwischen dem politischen Kurswechsel und den Verzögerungen bei CATL gibt es bislang allerdings nicht; CATL betont, die für den nun gestarteten Probebetrieb erforderlichen Genehmigungen erhalten und die zuvor beanstandeten Mängel behoben zu haben.