Campus-Polizei in Florida setzt eVTOL zur Patrouille ein

Die Polizeiabteilung der Florida Polytechnic University ist die erste Strafverfolgungsbehörde der USA, die ein bemanntes Elektro-Fluggerät in ihren Einsatzbetrieb integriert. Der Senkrechtstarter befindet sich "in der Endphase des Genehmigungsverfahrens", heißt es seitens der Universität.
Bild: Florida Polytechnic University
Das eVTOL des US-Herstellers Jetson bezeichnen die Verantwortlichen als Patrouillenflugzeug und haben es auf den Namen „Astro“ getauft. Laut der Florida Polytechnic University wird das Gerät noch von der Federal Aviation Administration (FAA) für diesen Einsatzzweck geprüft. Das Genehmigungsverfahren soll sich aber auf der Zielgeraden befinden. Das eVTOL soll künftig „die Fähigkeit der Abteilung verbessern, den Campus und das umliegende Gelände zu überwachen, Bereiche zu erreichen, die mit herkömmlichen Fahrzeugen schwer zugänglich sind, bei Aufräumarbeiten nach Stürmen zu helfen und bei Bedarf schnell Notfallgüter zu liefern“. Die Universitätspolizei plane eine Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden in der gesamten Region, „um Astro zur Unterstützung von Notfalleinsätzen und anderen Maßnahmen zur öffentlichen Sicherheit einzusetzen“, heißt es.
Bei dem Senkrechtstarter handelt es sich konkret um das Modell Jetson ONE mit einem Sitzplatz. Laut Datenblatt misst das Gerät 2,7 x 1,6 x 1,2 Meter, wobei die Flügel auf noch kompaktere Maße geklappt werden können. Das Gesamtgewicht beziffert Hersteller Jetson auf 115 kg inklusive Lithium-Ionen-Akkus. Diese unterstützen eine Flugzeit von rund 20 Minuten. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 102 km/h. Zum Antrieb und den Batterien nennt das Unternehmen darüber hinaus keine Details.
„Die fortschrittliche Luftmobilität ist eine Technologie im Aufschwung, und wir können bei ihrer Entwicklung entweder proaktiv oder reaktiv vorgehen“, betont Aaron Murray, Polizeichef der Universität. „Wir wollen an der Spitze dieser Technologie bleiben und verstehen, wie sie genutzt werden kann, um sowohl die öffentliche Sicherheit als auch die Sicherheit im Luftraum insgesamt zu verbessern.“
Stéphan D’haene, CEO von Jetson, ergänzt, sein in Kalifornien ansässiges Unternehmen habe die Bestellung des Jetson ONE-Fluggeräts durch die Florida Poly trotz einer dreijährigen Warteliste vorrangig bearbeitet – aufgrund des MINT-Schwerpunkts der Universität und des Ziels der Polizeibehörde, die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. Beides spiegele die Ziele von Jetson für die Zukunft des sicheren Fliegens wider. „In unserem Geschäftsplan und im Einklang mit unserer Mission haben wir stets nach Anwendungsfällen gesucht, die über den rein freizeitlichen Zweck hinausgehen“, so D’haene. „Wir sind der Überzeugung, dass dieses Projekt so wichtig ist und so gut zu unseren Zielen passt, dass wir ihm Priorität eingeräumt haben.“
Über seine Anwendungen im Bereich der öffentlichen Sicherheit hinaus soll „Astro“ vor diesem Hintergrund zu einem praxisorientierten Lern- und Forschungsinstrument für Studierende und Lehrende der Universität werden. Diese habe in diesem Herbst ihren neuen Studiengang namens „Luft- und Raumfahrttechnik“ eingeführt und biete den Studierenden damit die unmittelbare Möglichkeit, neue Flugtechnologien in einem praxisnahen Umfeld zu studieren, heißt es in einer begleitenden Mitteilung.
Ohnehin ist Zentralflorida bei der Entwicklung neuer Luftmobilität vorne dran. Deshalb wurde der US-Bundesstaat auch kürzlich zur Teilnahme am „eVTOL and Advanced Air Mobility Integration Pilot Program“der Federal Aviation Administration ausgewählt. Das Programm zielt darauf ab, Fluggeräte der nächsten Generation in den nationalen Luftraum zu integrieren. Nur vier Meilen von der Florida Polytechnic University entfernt findet sich praktischerweise die landesweit erste spezielle Luft-Teststrecke, auf der erste eVTOL-Tests Ende dieses Jahres beginnen sollen. Die sogenannte SunTrax-Anlage in Auburndale wird vom Florida Department of Transportation (FDOT) betrieben.