Cadillac-Manager Kelleter: „Der Optiq ist unser Fahrzeug für Europa.“

Cadillac wagt in Europa einen Neustart – und setzt dabei konsequent auf Elektromobilität. Nachdem die US-Luxusmarke ihre Rückkehr auf den europäischen Markt Ende 2023 zunächst in der Schweiz eingeläutet hatte, folgte im Mai 2024 Deutschland. Zum Start gab es mit dem Lyriq nur ein Modell, verkauft wurde vor allem digital im Direktvertrieb. Inzwischen ist daraus eine breitere rein elektrische Modellpalette geworden – und auch beim Vertrieb schlägt Cadillac (auch mangels Verkaufserfolgen) einen neuen Weg ein.
Wie dieser nächste Schritt aussieht, zeigt sich jetzt im Norden Berlins: Das traditionsreiche Autohaus Kramm in Pankow ist erster Agenturpartner von Cadillac und hat einen eigenen Showroom für die Marke eröffnet. Auf rund 250 Quadratmetern werden dort künftig die vollelektrischen Premium-SUVs des Herstellers präsentiert, Probefahrten sind direkt vor Ort möglich und attraktive Leasingangebote gibt’s auch. Kramm ist seit Jahrzehnten auf amerikanische Automarken spezialisiert und soll für Cadillac nicht nur Berlin und Brandenburg, sondern auch Kunden aus einem deutlich größeren Einzugsgebiet erreichen.
Die Eröffnung steht damit exemplarisch für einen Strategiewechsel: Aus dem zunächst stark digital ausgerichteten Markteintritt wird zunehmend ein klassisches Vertriebs- und Servicenetz mit regionalen Partnern. Dem Berliner Showroom folgen in den nächsten Wochen vier weitere neue Agenturpartner in Hamburg, Mönchengladbach, Münster und Frankfurt. Offenbar hat General Motors genau wie chinesische Marken gelernt, dass es ohne eine stationäre Verankerung bei deutschen Kunden nicht klappt. Gleichzeitig versucht Cadillac, sich mit Modellen wie Optiq, Lyriq undVistiq im hart umkämpften europäischen Premiumsegment zu etablieren. Der Vistiq markierte 2025 nach Angaben des Herstellers bereits die nächste Stufe der europäischen Expansion.
Doch wie groß kann Cadillac in Deutschland tatsächlich werden? Welche Rolle spielt der für Europa abgestimmte Optiq? Wie wettbewerbsfähig sind die Elektroautos bei Ladeleistung und Reichweite – und wann kommt Super Cruise nach Deutschland? Darüber haben wir bei der Showroom-Eröffnung in Berlin mit Gerald Kelleter, Country Manager General Motors Germany, gesprochen.
Herr Kelleter, Cadillac ist 2024 mit einem digitalen Direktvertrieb in Deutschland gestartet. Jetzt eröffnen Sie mit Partnern wie Kramm auch klassische Standorte. Was haben Sie in den vergangenen zwei Jahren gelernt – und warum braucht Cadillac nun doch den Händler vor Ort?
> Als bekannte Marke mit neuen Produkten auf dem europäischen Markt haben wir uns zunächst zum Ziel gesetzt, über unsere Stores den Kunden zuzuhören und zu verstehen, was sie erwarten. Gleichzeitig wollten wir ihnen die Marke Cadillac und unsere Fahrzeuge näherbringen. Aus diesen Erfahrungen und auch aufgrund der Nachfrage aus dem Handel sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir mehr regionale Präsenz schaffen müssen.
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> Dafür haben wir Partner gewonnen, die nicht nur das Thema US-Cars leben, sondern auch Erfahrung mit Elektromobilität sowie mit Fahrzeugen im Premium- und Luxussegment haben. Nach den Erfahrungen mit unseren Stores und dem Online-Vertrieb war es für uns deshalb ein logischer Schritt, zusätzlich auf regionale Partner im Agenturmodell zu setzen.
War das also eine sehr gezielte Auswahl der Partner?
> Ja. Uns war wichtig, dass unsere Partner drei Dinge mitbringen: ein Grundverständnis für amerikanische Fahrzeuge, Erfahrung im Premium- und Luxussegment und gleichzeitig Kompetenz bei der Elektromobilität. Sie müssen diese Themen auch zum Kunden transportieren können.
Von den Zulassungszahlen her ist Cadillac in Deutschland bislang noch eine sehr kleine Marke. Was muss passieren, damit aus dem Comeback tatsächlich ein relevantes Geschäft mit entsprechenden Stückzahlen wird?
> Unser Fokus lag zunächst darauf, die Marke wieder zu etablieren. Wir sind sicherlich noch immer dabei zu erklären und zu zeigen, dass Cadillac wieder in Europa präsent ist – und zwar mit elektrischen Fahrzeugen.
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> Mit der Präsenz in verschiedenen Regionen können wir die Kunden nun direkter ansprechen und gleichzeitig das Thema Service vor Ort abbilden. Das ist ein wichtiger Baustein, um aus der anfänglichen Etablierung im Markt eine dauerhafte Präsenz mit entsprechendem Volumen zu entwickeln.

Bild: Robert Schlesinger
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Von welcher Größenordnung sprechen wir? Welche Stückzahlen planen Sie?
> Konkrete Volumenziele nennen wir nicht. Wir wollen unsere Agenturbetriebe aber so unterstützen und die Fahrzeuge partnerschaftlich so vermarkten, dass für beide Seiten ein gutes Geschäft entsteht und entsprechender Ertrag hängen bleibt.
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> Wir haben uns bewusst für ein Agenturmodell entschieden, bei dem der Partner vor Ort eine gewisse Beweglichkeit hat, wir gleichzeitig aber die Nähe zum Kunden beibehalten. Die ersten Ergebnisse seit dem Go-live unserer Agenten sind sehr vielversprechend. Die Partner bringen eine bestehende Kundenbasis mit und können den Verkauf auf unterschiedlichen Kanälen, einschließlich der Online-Kanäle, bespielen.
Mit Optiq, Lyriq, Lyriq-V und Vistiq haben Sie inzwischen vier elektrische SUVs im Angebot. Welches Modell soll in Deutschland zum Volumenträger werden?
> Wenn man sich die Volumina in Deutschland anschaut, ist das kompakte SUV ein besonders starkes Segment. Dort treten wir mit dem Cadillac Optiq an. Der Optiq ist für uns auch das Fahrzeug für Europa. Er wurde mit einem starken europäischen Fokus entwickelt, unter anderem von einer französischen Designerin gestaltet und in Europa abgestimmt.
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> Das Fahrzeug hat hier ein anderes Fahrwerk und ein anderes Bremssystem und viele Testkilometer in Europa absolviert. Deshalb sehen wir für den Optiq im europäischen Markt großes Potenzial.
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> Mit dem Vistiq haben wir außerdem einen elektrischen Siebensitzer in einem Segment, in dem es nicht sehr viele Wettbewerber gibt. Der Lyriq wiederum verkörpert stärker das klassische amerikanische Fahrgefühl und ist eher auf komfortables Cruisen ausgelegt. Mit dem Lyriq-V kommt zusätzlich das Thema Performance hinzu. Damit können wir ein relativ breites Spektrum innerhalb des elektrischen SUV-Marktes abdecken.
Trotzdem treffen Sie frontal auf die deutschen Premiummarken und zunehmend auch auf chinesische Premiumanbieter. Warum sollte sich ein deutscher Kunde für ein amerikanisches Elektroauto von Cadillac entscheiden?
> Cadillac bringt sehr viele Emotionen mit – sowohl aus seiner Historie als auch durch das aktuelle Engagement rund um die Formel 1, das für uns in Europa natürlich ein wichtiger Werbeträger ist.
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> Hinzu kommt ein markantes Design. Wir sprechen Kunden an, die sich bewusst etwas abheben wollen und amerikanisches Design suchen. In der Designsprache finden sich durchaus Anleihen an die Vergangenheit, gleichzeitig handelt es sich um sehr moderne und technologisch umfangreich ausgestattete Fahrzeuge.
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> Die Fahrzeuge, die wir in Deutschland anbieten, sind bei Fahrassistenz und Infotainment sehr umfassend ausgestattet. Dolby Atmos, Sitzkühlung und Sitzheizung gehören beispielsweise zum Standard. Dazu kommen viele weitere Features. Der Kunde kann sich deshalb stärker mit dem eigentlichen Fahrzeug beschäftigen und muss sich nicht erst durch zahlreiche einzelne Optionen arbeiten.
Wie gut funktioniert dieser amerikanische Luxus auf dem deutschen Markt? Mussten Sie die Fahrzeuge für europäische Kunden stärker anpassen?
> Vistiq und Lyriq sind Fahrzeuge, die auch in den USA angeboten werden. Der Optiq wurde dagegen mit einem besonderen Fokus auf Europa entwickelt – sowohl bei der Fahrzeugabstimmung als auch bei den Abmessungen.
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> Er hat sehr viele Testkilometer in Europa absolviert. Daraus resultiert beispielsweise auch der Einsatz eines Brembo-Bremssystems. Wir haben uns außerdem angeschaut, wie der europäische Kunde beim Thema Ladeinfrastruktur aufgestellt ist. Deshalb halten wir es beispielsweise für sinnvoll, dass das Fahrzeug serienmäßig mit einem 22-kW-AC-Lader ausgestattet ist.
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> Damit haben wir ein Produkt, das im stark umkämpften Volumensegment der kompakten Elektro-SUVs antritt und gleichzeitig einige klare Unterscheidungsmerkmale bietet.
Wer ist dabei Ihr Wunschkunde? Der klassische US-Car-Fan, der bei einem Partner wie Kramm bereits ein- und ausgeht – oder wollen Sie ganz andere Kundengruppen erreichen?
> Eine wichtige Gruppe sind natürlich Kunden, die bereits eine Affinität zu amerikanischen Fahrzeugen haben. Ihnen muss man die Emotionalität eines amerikanischen Produkts nicht mehr erklären, sondern vielleicht eher noch das Thema Elektromobilität näherbringen.
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> Daneben haben wir Gewerbekunden im Blick: Einzelunternehmer, Kleingewerbetreibende und mittelgroße Unternehmen, die ihren Fuhrpark elektrifizieren wollen und dabei gleichzeitig ein spannendes Produkt einsetzen möchten.
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> Und natürlich wollen wir auch Kunden gewinnen, die bisher noch keine Berührungspunkte mit Cadillac hatten. Das können Privatkunden sein, die sich bewusst über das Design absetzen möchten und ein Produkt suchen, das noch nicht so etabliert ist wie manche Wettbewerber in Deutschland. Menschen also, die bewusst etwas anderes fahren möchten. Darin sehen wir Potenzial, weil unsere Fahrzeuge im Straßenbild auffallen.
Beim Lyriq sprechen wir über bis zu 530 Kilometer Reichweite und bis zu 190 kW DC-Ladeleistung. Cadillac setzt aktuell noch auf eine 400-Volt-Architektur, während einige Wettbewerber mit 800 Volt deutlich höhere Ladeleistungen erreichen. Wie wettbewerbsfähig sind Ihre Fahrzeuge in dieser Hinsicht?
> Wenn wir uns die Marktdaten anschauen, sehen wir für unser aktuelles Portfolio genügend Potenzial in großen Volumensegmenten. Wir sprechen dabei auch Kunden an, die nicht ausschließlich Schnellladeleistung und Reichweite in den Mittelpunkt stellen, sondern stärker auf Alltagstauglichkeit und ihr individuelles Fahrprofil schauen.
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> Natürlich sind unsere Fahrzeuge auch auf der Langstrecke sehr komfortabel. Serienmäßige Massagesitze sind nur ein Beispiel dafür. Wir sind überzeugt, dass die Fahrzeuge genügend Argumente bieten, die über reine Ladeleistung und Reichweite hinausgehen.
Die Cadillac-Modelle bringen technisch bereits den Fahrassistenten Super Cruise mit. Wann können europäische Kunden die Funktion tatsächlich nutzen?
> Wir rechnen damit, Super Cruise noch vor Jahresende auf den Markt bringen zu können. Die Fahrzeuge bringen die technischen Voraussetzungen bereits mit. Derzeit ist es noch eine Frage der Freigabe. Wir warten auf grünes Licht und hoffen, die Funktion noch in diesem Jahr anbieten zu können.
Gilt das auch für Kunden, die ihr Fahrzeug bereits gekauft haben? Kann Super Cruise dann nachträglich freigeschaltet werden?
> Ja, bei Fahrzeugen aus den Modelljahren 2025 und 2026 ist das vorgesehen.
Der deutsche Elektroautomarkt wächst 2026 wieder deutlich. Ist das für Cadillac ein besonders günstiger Zeitpunkt, um mit einer rein elektrischen Modellpalette stärker in den Markt zu gehen?
> Diesen Trend können wir bestätigen. Auch von unseren Handelspartnern bekommen wir die Rückmeldung, dass inzwischen Kunden angesprochen werden können, die erstmals mit Elektromobilität in Berührung kommen.
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> Für uns als Marke, die wieder neu in Deutschland vertreten ist, ist das eine sehr spannende Situation. Wir wollen genau verstehen, woher diese Entwicklung kommt, und sie nutzen, um uns langfristig im Markt zu etablieren. Mit unserem elektrischen Portfolio wollen wir genau dort sein, wo sich auch die Nachfrage der Kunden entwickelt.
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> Wir sehen dabei beispielsweise Kunden, die am Arbeitsplatz oder auf dem eigenen Grundstück laden können und deshalb aktuell eher den Schritt zur Elektromobilität wagen.
Einige deutsche Hersteller haben ihre ursprünglichen Elektro-only-Strategien zuletzt wieder aufgeweicht. Gleichzeitig fragen Kunden Elektroautos wegen hoher Diesel- und Benzinpreise stark nach. Spielt Ihnen das in die Karten?
> Das Timing ist für uns günstig. Gleichzeitig beobachten wir den Markt sehr genau und wissen, dass es immer wieder Veränderungen geben kann.
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> Der Vorteil unseres gewählten Setups liegt darin, dass wir flexibel auf Marktgegebenheiten reagieren können. Gleichzeitig verfügen wir innerhalb von General Motors über ein breites Portfolio und können prüfen, welche weiteren Elektrofahrzeuge perspektivisch für Europa interessant sein könnten und wo sich zusätzliche Absatzpotenziale ergeben.

Bild: Robert Schlesinger
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Mit Berlin wächst Ihr Vertriebsnetz weiter. Wie dicht muss das Verkaufs- und Servicenetz am Ende sein, damit Cadillac in Deutschland wirklich ausreichend präsent ist?
> Wir wollen weder intern noch gegenüber interessierten Handelspartnern eine starre Zahl vorgeben. Entscheidend ist für uns, ein Netzwerk von Partnern aufzubauen, die die Marke gemeinsam mit uns vorantreiben wollen.
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> Natürlich möchten wir weitere Metropolregionen in Deutschland besetzen, um Interessenten den Zugang zu Cadillac zu erleichtern. Die nächsten Schritte sind bereits in Planung. Wir konzentrieren uns dabei auf Gebiete, die bislang noch nicht besetzt sind und in denen wir entsprechendes Potenzial sehen.
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> Interessant ist auch, dass das Interesse nicht nur von klassischen US-Car-Händlern kommt. Wir bekommen ebenfalls Anfragen von Handelsbetrieben, die bislang noch keine Verbindung zu General Motors oder Cadillac hatten.
Wann würden Sie sagen: Cadillac ist wirklich wieder in Deutschland angekommen? Machen Sie das am Händlernetz, an den Verkaufszahlen oder an der Bekanntheit der Marke fest?
> Es wird eine Mischung aus verschiedenen Faktoren sein. Natürlich spielen das Agentennetz und die Absatzzahlen eine Rolle. Für uns ist aber ebenso wichtig, wie bekannt die Marke wieder ist und wie stark Cadillac inzwischen mit Elektromobilität verbunden wird.
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> Dabei hilft uns natürlich auch die Formel 1 als Technologie- und Imageträger. Gleichzeitig muss man betrachten, wie sich General Motors als Powerhouse in den USA insgesamt weiterentwickelt. Super Cruise ist dabei nicht das Ende, sondern eher ein Anfang. General Motors investiert in sehr unterschiedliche Technologiefelder – von Batterietechnologie bis hin zum automatisierten Fahren. Das schafft eine spannende Grundlage für das, was wir künftig auch in Europa sehen können.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Kelleter!