Der BYD Sealion 08 erhielt innerhalb von 24 Stunden 12.000 Bestellungen. Ein großer SUV mit einer Ladezeit von 5 Minuten für 10–70 %.

BYD startete den Verkauf des Sealion 08 in China am 2. September 2026 und sammelte innerhalb eines Tages über 12.000 Bestellungen ein. Es handelt sich um den neuen Flaggschiff-SUV der Ocean-Reihe, der als Elektrofahrzeug und Plug-in-Hybrid erhältlich ist und Preise zwischen 229.900 und 279.900 Yuan hat. Für den europäischen Leser sind hier nicht nur die Verkaufszahlen interessant, sondern vor allem das Technologiepaket – schließlich hat BYD praktisch alles in dieses Auto eingebaut, womit es heute Eindruck machen will.
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Ein Modell, zwei Antriebsformen, acht Versionen
Der Sealion 08 wird in acht Varianten angeboten. Der Kunde kann zwischen der BEV- oder PHEV-Version, Hinterradantrieb oder 4×4 wählen, dazu gibt es eine 5- oder 6-Sitzer-Konfiguration. Es handelt sich also nicht um eine einzige Vorführkonfiguration, sondern von Anfang an um eine breite Modellfamilie.
Der Preis beginnt bei 229.900 Yuan, was etwa 33,8 Tausend Dollar entspricht. Die elektrischen Versionen starten bei 239.900 Yuan. Die Obergrenze liegt bei 279.900 Yuan, das sind etwa 41,2 Tausend Dollar. Für ein Auto mit einer Länge von über 5,1 Metern, pneumatischer Federung und Lidar auf dem Dach klingt das ziemlich ambitioniert. So setzt BYD heute in China die Messlatte hoch.
Das Auto selbst ist 5115 mm lang, 1999 mm breit und 1800 mm hoch, wobei die Radstandlänge bei 3030 mm liegt. In den Abmessungen ähnelt es dem Hyundai Ioniq 9, obwohl dieser etwas längeren Radstand hat. Kurz gesagt: Es ist kein Konkurrent für den Tesla Model Y – es gehört einer höheren Preisklasse an.
Elektrischer Antrieb mit einer Reichweite von bis zu 900 km nach CLTC, Hybridantrieb mit insgesamt 1650 km Reichweite
Die rein elektrische Version nutzt zwei Akkukapazitäten: 92,093 kWh oder 115,072 kWh. BYD gibt eine Reichweite von 800 km oder 900 km im CLTC-Zyklus an, je nach Konfiguration. Natürlich sollte man den CLTC-Wert mit Vorsicht betrachten. Im realen europäischen Fahrverhalten werden solche Werte deutlich niedriger sein, aber selbst nach Abzug der typischen „chinesischen Steigung“ handelt es sich weiterhin um ein großes Auto mit einer sehr großen Batterie.
Die BEV-Versionen sind folgende:
Einzelmotor 320 kW
Einzelmotor 370 kW
Zweimotorantrieb mit 215 kW vorne + 370 kW hinten
Dies ergibt einen großen SUV von leistungsstark bis sehr leistungsstark. Insbesondere die topmoderne AWD-Variante wirkt wie eine schnellere Ausstattung, als eine typische Familie benötigt.
Die Plug-in-Hybrid-Version nutzt das DM-System der fünften Generation. Herzstück ist ein 1,5-Liter-Turbo-Motor mit 115 kW Leistung, der mit einem Elektromotor zusammenarbeitet. Bei den PHEV-Versionen stehen folgende Optionen zur Verfügung:
Mit einem Elektromotor von 200 kW
mit zwei Elektromotoren à 200 kW
Aber am wichtigsten sind nicht die Leistungswerte, sondern die praktischen Eigenschaften. Der PHEV verfügt über einen Akku mit einer Kapazität von 55,843 kWh, was laut Hersteller ausreicht, um bis zu 400 km rein elektrisch im CLTC-Test zu fahren. Die Gesamtreichweite mit vollem Akku und voller Kraftstofftanks beträgt bis zu 1650 km, wobei BYD einen Kraftstoffverbrauch nach Entladung des Akkus mit 4,6 l/100 km angibt.
Ja, 55,8 kWh in einem Plug-in-Hybrid sind heutzutage für einen PHEV ein geradezu absurd hoher Wert. In der Praxis handelt es sich eher um ein Elektrofahrzeug mit einem Verbrennungsmotor als Unterstützung als um einen klassischen Plug-in-Hybrid wie die aus Europa bekannten Modelle.
Flash Charging und Blade Battery 2.0 – klingt großartig, aber mit einem kleinen Haken
Jede Version des Sealion 08 soll über einen Blade Battery 2.0-Akku sowie die Flash Charging-Technologie verfügen. BYD gibt an, dass das Auto in 5 Minuten von 10 auf 70 Prozent und in 9 Minuten von 10 auf 97 Prozent lädt.
Auf dem Papier handelt es sich um Parameter vom Typ „wie gut die Station zurechtkommt“. Und hier kommt das Problem: Solche Ergebnisse erfordern eine angemessene Infrastruktur, die richtigen Bedingungen sowie eine gut vorbereitete Batterie. Allein die Angabe des Herstellers bedeutet nicht, dass ein Fahrer in Europa einfach an die nächste HPC-Ladestation fahren kann und exakt dieselben Ergebnisse erhält. Dasselbe gilt für China, obwohl BYD dort ein immer umfangreicheres Ökosystem für seine eigenen Technologien aufbaut.
Es gibt noch ein weiteres Problem. In der Branche tauchen bereits Anzeichen auf, dass BYD bei der Blade Battery 2.0 Produktionsbeschränkungen hat. Wenn das tatsächlich der Fall ist, ist ein schneller Verkaufsstart eine Sache – die Liefermengen eine andere. Bei 12.000 Bestellungen pro Tag kann das schneller von Bedeutung werden, als der Hersteller es sich wünscht.
Lidar, God’s Eye B und Hochleistungsfahrwerk
Der Sealion 08 verfügt über einen Lidar auf dem Dach und erhält standardmäßig das God’s Eye B-Paket mit der God’s Eye 5,0-Plattform. BYD verspricht Unterstützung für automatisches Parken sowie Stadtnavigation mit Fahrassistentenfunktionen. Das ist wichtig, denn chinesische Hersteller konkurrieren zunehmend nicht nur mit Batterie und Preis, sondern auch mit ADAS-Systemen.
Doch man sollte den Kopf kühl halten. Die „intelligente Fahrweise“ in der chinesischen Version klingt oft umfassender als die tatsächlichen Möglichkeiten, wenn das Auto auf andere Märkte gebracht wird. Die Vorschriften in Europa sind anders, die Homologierung manchmal schwieriger, und der Marketing versucht oft, der Realität vorauszu sein.
Auch das Fahrwerk wirkt anspruchsvoll. Das Auto verfügt über das DiSus-A-System, also eine intelligente Steuerung des Fahrwerks, dazu ein zweikammriger pneumatischer Federungssystem mit Straßenansicht sowie eine drehbare Hinterachse. In diesem Segment sind das typischerweise Ausstattungen, die den Preis stark in die Höhe treiben. BYD bietet sie als Standard oder in weit verbreiteten Konfigurationen an – und genau dadurch gewinnt das Unternehmen heute den chinesischen Markt.
Premium-Innenraum, aber ohne Übertrieb mit „Digitalität“
Im Innenraum setzt BYD auf ein System, das wir bereits von den höheren Modellen der Marke kennen – nur noch ausgestatteter. An Bord befinden sich unter anderem:
ein zentraler 17,3-Zoll-Bildschirm
eine 12,3-Zoll-Anzeigereihe
ein AR-HUD-Bildschirm mit 26 Zoll
ein Deckenbildschirm für die Rückbank mit 21,4 Zoll
Dazu kommen Sitze im Nullschwerkraftmodus, ein eingebauter Kühlschrank sowie ein Devialet-Audiosystem mit 25 Lautsprechern. Die 6-Sitzer-Versionen verfügen in der zweiten Reihe über zwei separate Pilotensitze mit elektrischer Einstellung und Fußstützen.
Zum Glück hat BYD auch einige physische Tasten für die am häufigsten genutzten Funktionen beibehalten. Bei dieser Anzahl an Displays ist das durchaus eine sinnvolle Entscheidung und kein Rückschritt.
Was sagen die Bestellungen und wie steht das im Vergleich zu anderen BYD-Neuheiten?
Mehr als 12.000 Bestellungen innerhalb von 24 Stunden klingen beeindruckend, aber im BYD-Universum ist das noch kein Rekord aller Zeiten. Zum Vergleich sollte der Flaggschiff-SUV der Dynasty-Reihe, der Great Tang, bereits am ersten Tag über 30.000 Bestellungen erhalten haben.
Dies platziert den Sealion 08 an einer interessanten Stelle. Der Start ist sehr gut, aber nicht so k.o.-effektiv wie bei den größten Hits der Marke. Möglicherweise spielt der Preis eine Rolle, möglicherweise teilen sich die Kunden zwischen der elektrischen Version und dem PHEV, oder vielleicht ist der große Premium-SUV in China nicht mehr ein Segment, das allein durch das BYD-Logo leicht zum Erfolg geführt werden kann.
Von der europäischen Perspektive aus ist ein anderes Signal wichtiger. BYD zeigt, dass es in einem Auto, das deutlich günstiger ist als die meisten westlichen Alternativen, eine große Batterie, ein sehr schnelles Laden, eine fortschrittliche Federung sowie umfangreiche Ausstattungen kombinieren kann. Wenn ein solches Paket ohne drastische Preiserhöhungen durch Zölle und Homologation nach Europa kommt, wird es für die Konkurrenz schwierig werden.
Für den Moment ist der Sealion 08 ein Auto für den chinesischen Markt und es gibt keine Bestätigung für einen Markteintritt in Polen. Doch die Richtung ist klar: Große chinesische SUVs sind nicht mehr „billig und etwas schlechter“. Immer häufiger sind sie auf dem Papier einfach besser ausgestattet.
Die interessanteste Frage lautet daher nicht, ob der Sealion 08 schnell und gut ausgestattet ist, sondern wie viele dieser Versprechen BYD außerhalb Chinas einhalten kann. Hätte ein solches Modell mit dieser Ausstattung und einem realistischen europäischen Preis in Polen die Chance, mehr Aufsehen zu erregen als der Kia EV9 oder der Hyundai Ioniq 9?