BYD Seal 06 ab 99 900 Yuan. Der günstige Sedan hat 800 V, LiDAR sowie eine Ladezeit von 9 Minuten.

BYD hat in China den Seal 06 der Modellreihe 2027 in 12 Versionen als EV und DM-i-Plug-in-Hybrid eingeführt. Laut Angaben des Herstellers beginnen die Preise bei 99.900 Yuan, wobei die Elektroversion über eine 800-V-Plattform, einen zweiten Generationen Blade-Akku sowie Flash-Charging-Funktion verfügt.
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Das ist aus einem Grund interessant: BYD überträgt Lösungen, die bisher mit teureren Autos verbunden waren, in den Segment der Familien-Sedans für 100.000–150.000 Yuan. Und genau dort wird es heute am intensivsten umkämpft.
Zwei Antriebsversionen, ein Karosserietyp
Der neue Seal 06 ist 4.870 mm lang, 1.890 mm breit und 1.495 mm hoch. Die Radstandlänge hat sich um 30 mm auf 2.820 mm vergrößert, sodass das Auto im Vergleich zum Vorgänger etwas größer geworden ist und noch gezielter auf den chinesischen Markt der Familien-Sedans abzielt.
BYD bietet dieses Modell in zwei Varianten an. Der Seal 06 EV kostet zwischen 109.900 und 155.900 Yuan, während der Seal 06 DM-i zwischen 99.900 und 141.900 Yuan liegt. Umgerechnet entspricht das etwa 14,7–22,9 Tausend Dollar, doch für uns ist wichtiger, was BYD zu diesem Preis anbietet.
Parameter
BYD Seal 06 EV
BYD Seal 06 DM-i
Antrieb
FWD, 1 Motor
PHEV, 1,5 + 1 Motor, FWD
Kraft
120 kW oder 240 kW
120 kW oder 175 kW Elektromotor + 74 kW Benzinmotor 1,5
Akku
LFP 52.868 kWh oder 64.315 kWh
25.287 kWh oder 34.275 kWh
Reichweite
530 km oder 630 km nach CLTC
230 km oder 320 km nach CLTC im EV-Modus
0–100 km/h
bis zu 5,9 s
nicht angegeben
Plattform
800 V
DM-i-Architektur
Tankvolumen
–
65 l
Kraftstoffverbrauch nach Entladung
–
2,59 l/100 km
Gesamtreichweite
–
bis 2.370 km nach CLTC
Federung
MacPherson + Multilink
MacPherson + Multilink
Preis
109.900–155.900 Yuan
99.900–141.900 Yuan
Die Plug-in-Version nutzt das DM-i-System der fünften Generation. Der 1,5-Liter-Benzinmotor mit niedrigem Verbrauch entwickelt 74 kW, arbeitet mit einem EHS-Getriebe zusammen und soll bei vollem Tank und voller Batterie eine Gesamtreichweite von bis zu 2.370 km nach CLTC bieten. Wie üblich muss man bei den CLTC-Werten realistisch bleiben – es handelt sich dabei nicht um einen Wert, den ein Fahrer auf europäischen Autobahnen ohne Anstrengung erreichen kann.
Am interessantesten ist das EV-Modell: 800 V, Blade 2.0 und Schnellladen
Die wahre Veränderung findet sich in der elektrischen Version. BYD setzt hier einen Blade-Akku der zweiten Generation, eine 800-V-Architektur sowie Schnellladen als Standard ein. Der Hersteller gibt an, dass das Auto im Grunde innerhalb von 9 Minuten vollständig aufgeladen werden kann.
Natürlich klingt das beeindruckend, doch der eigentliche Haken liegt in den chinesischen Testbedingungen sowie in der Leistung des Ladegeräts. BYD gibt an, bereits 7.018 Flash-Charging-Stationen in 325 Städten Chinas zu haben, und möchte bis Ende 2026 auf 20.000 Stationen kommen. Mit anderen Worten: Schnellladen ist Teil eines größeren Ökosystems und nicht nur ein marketingtechnischer Zusatz im Prospekt.
Der Seal 06 EV bietet zwei Reichweitenwerte: 530 km und 630 km nach CLTC. Die maximale Leistung ist auf 240 kW gestiegen, und die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in der leistungsstärksten Version soll bei 5,9 Sekunden liegen. Das ist bereits ein Niveau, das in dieser Preisklasse bis vor Kurzem nur für deutlich teurere Autos vorgesehen war.
BYD behauptet außerdem, dass das neue Modell bei nahezu dem gleichen Preis mehr bietet als sein Vorgänger. Das klingt durchaus glaubwürdig, denn der vorherige Seal 06 EV kostete im Juni 2025 mindestens 109.800 Yuan und lag maximal bei 129.800 Yuan. Jetzt sind die Preisspannen größer, doch es gibt zusätzlich Technologien, die zuvor nicht verfügbar waren.
LiDAR im günstigen Sedan – eine wichtigere Neuigkeit als ein 15,6-Zoll-Bildschirm
Ein weiterer Stärkepunkt ist das Fahrerassistenzsystem. Die höheren Ausstattungsvarianten verfügen über ein LiDAR-System sowie das „God’s Eye B“-Paket, das unterstützte Stadtnavigation, Autobahnfahrt mit Navigation sowie automatisiertes Parken ermöglicht.
Das ist eine Veränderung im Vergleich zum vorherigen Modell, das vom „God’s Eye C“-Visiersystem ausgestattet war. BYD setzt somit erstmals einen LiDAR in einem Familien-Sedan in dieser Preisklasse ein. Wer den chinesischen Markt verfolgt, weiß, dass man heute gerade durch solche Features im Volumen gewinnt – nicht nur durch den Bildschirm, sondern durch ADAS-Funktionen, die noch vor einem oder zwei Jahren nur in teureren Modellen enthalten waren.
Zu den Funktionen gehören APA, AVP und RPA, also automatisches Parken, Valet-Parking sowie Fernparken. BYD fügt außerdem eine Haftungserklärung für Schäden während des Smart-Parkens sowie der unterstützten Stadtnavigation hinzu. Das ist ein interessanter Aspekt, denn Hersteller zeigen gerne die Möglichkeiten des Systems, aber weitaus seltener übernehmen sie dafür eigene Haftung.
Innenraum und Fahrwerk: weniger Kunststoff, mehr Software
In der Kabine gibt es standardmäßig einen zentralen 15,6-Zoll-Bildschirm sowie 8,8-Zoll-Uhren. Die Top-Versionen verfügen zusätzlich über ein 29-Zoll-W-HUD, sodass BYD hier ein System mit drei Bildschirmen implementiert – wobei der praktische Nutzen einer solchen Ausstattung eher von der Qualität der Software abhängt als vom Bildschirmdurchmesser selbst.
Das Multimedia-System ist das neue DiLink mit Integration von DeepSeek sowie Unterstützung für kontinuierlichen Sprachdialog und Befehlserkennung in vier Bereichen. Der traditionelle Schieberegler ist verschwunden und wurde durch einen Knopf am Lenkrad ersetzt. Im Mitteltunnel gibt es Platz für ein Fach, zwei Becher sowie einen 50-Watt-Induktionsladegerät.
BYD hat auch die Materialien in den höheren Ausstattungsvarianten verbessert, indem es harte Kunststoffe durch weiche Polster ersetzt hat. Die Federung bleibt klassisch: MacPherson vorne und Fünflenker hinten. Die besseren Versionen verfügen über DiSus-C, also elektromagnetisch gesteuerte adaptive Dämpfung. Die Bodenfreiheit beträgt 135 mm, sodass es sich hier um keinen Crossover handelt – es ist einfach ein Sedan.
Seal 06 tritt in einen Segment ein, in dem BYD nicht nachgeben kann
Die Seal-Reihe war für BYD im Jahr 2025 sehr stark. Es wurden 518.412 Fahrzeuge verkauft, was 11,26 Prozent des Gesamtverkaufs der gesamten Gruppe ausmachte. Das Problem ist, dass das Wachstumstempo im Jahr 2026 nachgelassen hat: Im Juli wurden 40.399 Fahrzeuge verkauft, was einem Rückgang von 13,77 Prozent im Jahresvergleich entspricht. Von Januar bis Juli kamen insgesamt 210.541 Exemplare zusammen, was 15,60 Prozent weniger ist als im Vorjahr.
Der neue Seal 06 soll diese Entwicklung aufhalten. Die Konkurrenten sind klar definiert: Geely Galaxy A7 EM und Xpeng Mona M03. Es handelt sich um einen Segment, in dem der Kunde hauptsächlich auf drei Dinge achtet: Preis, ADAS und Ladegeschwindigkeit. BYD versucht daher, mit all drei Aspekten gleichzeitig zu überzeugen.
Kurz gesagt: Der Seal 06 sieht aus wie ein weiterer chinesischer Sedan mit großem Display, doch dahinter steckt eine wichtigere Entwicklung. BYD macht 800 V, LiDAR und schnelles Laden demokratischer – schneller, als europäische Hersteller dies in ihre Preislisten aufnehmen können. Würde ein solches Paket zum Preis von 100.000 bis 150.000 Yuan auch in Europa für Aufsehen sorgen, falls BYD beschließen würde, es dort zu verkaufen?