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BYD wandelt Tankstellen in 1 500 kW starke Hubs um. Sinopec setzt auf Strom statt Benzin.

BYD wandelt Tankstellen in 1 500 kW starke Hubs um. Sinopec setzt auf Strom statt Benzin.

BYD und Sinopec haben in Shanghai den ersten gemeinsamen Ladehub eröffnet, der anstelle einer ehemaligen Tankstelle errichtet wurde. Die chinesischen Unternehmen präsentierten die Anlage mit 12 Ladeplätzen sowie BYD Flash Charging-Ladegeräten mit einer Leistung von bis zu 1.500 kW, und laut ihren Angaben sollen es weitere solcher Umwandlungen geben.

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Es handelt sich um eine interessantere Nachricht als wieder nur ein „schnellstes Ladegerät der Welt“. Es geht hier nicht nur um die Leistung am Ladekabel, sondern um eine Veränderung des Infrastrukturmodells: Eine Tankstelle ist nicht mehr ein Ort für Verbrennungsfahrzeuge, sondern eine vorgefertigte Adresse für ultraschnelles Laden.

Was in Shanghai entstanden ist

Das neue Gebäude befindet sich am Hongqiao-Knotenpunkt in Shanghai, also neben dem Flughafen, einem Hochgeschwindigkeitsbahnhof und der U-Bahn. Die Lage ist kein Zufall: Wenn man zeigen will, dass das Aufladen wie Tanken funktionieren soll, ist der beste Ort dafür ein Ort mit viel Verkehr und schneller Fahrzeugrotation.

Am Standort gibt es 6 T-förmige Säulen, von jeder mit zwei Kabeln, was insgesamt 12 Ladestellen ergibt. Die Anordnung erinnert eher an eine klassische Tankstelle als an einen typischen chinesischen DC-Hub am Parkplatz. Genau das war auch das Ziel: Anfahren, anschließen, weiterfahren.

Auch das, was Tankstellen bereits haben, wurde beibehalten: ein Convenience-Shop und eine Ruhezone. Im Inneren gibt es Sitze, Tische sowie einen Lounge-Bereich für Fahrer. Sinopec hat außerdem seinen 24/7 rund um die Uhr geöffneten, automatischen Easy Joy-Shop beibehalten.

Wichtig sind nicht nur die 1.500 kW

Papier akzeptiert alles, daher reicht allein die Zahl von 1.500 kW nicht aus, um das Ende der Ladeprobleme zu verkünden. In diesem Fall ist interessanter, wie BYD versucht, die Netzbeschränkungen zu umgehen.

Jeder Flash-Charging-Lader verfügt über seinen eigenen Energiespeicher, der aus vier Blade-Batterien besteht. Die Gesamtkapazität eines solchen Speichers beträgt je nach Konfiguration 169 kWh oder 185 kWh. BYD behauptet, dass der nominelle Netzbedarf nur 100 kW beträgt und die Akkus dann aufgeladen werden, wenn der Lader nicht unter voller Last arbeitet.

Das bedeutet, dass eine hohe kurzzeitige Leistung nicht unbedingt in Echtzeit direkt vom Netz bereitgestellt werden muss. Mit anderen Worten: BYD baut nicht nur leistungsstarke Lader, sondern integriert auch seinen eigenen Energiespeicher darin. Angesichts der aktuellen Anschlussbeschränkungen macht das mehr Sinn als marketingorientierte Prahlereien über „Megawatt-Laden“.

BYDs Angaben sind sehr stark, aber mit einer Einschränkung

BYD gibt an, dass Fahrzeuge mit Flash Charging in 5 Minuten von 10 auf 70 Prozent und in 9 Minuten von 10 auf 97 Prozent aufgeladen werden können. Das Unternehmen fügt hinzu, dass bei -30 Grad Celsius die Ladezeit nur um 3 Minuten länger sein soll.

Das klingt beeindruckend, aber wie üblich muss man auf die Randbedingungen achten. Solche Ergebnisse erfordern ein kompatibles Fahrzeug, einen entsprechend vorbereiteten Akku, die richtige Zelltemperatur und natürlich eine freie Ladeleistung. Allein die Tatsache, dass das Ladegerät 1.500 kW liefern kann, bedeutet noch nicht, dass jedes BYD- oder Denzy-Fahrzeug auch nur für kurze Zeit so viel Energie aufnehmen kann.

Trotzdem ist die Richtung klar: Die Chinesen fragen nicht mehr, ob das Laden beschleunigt werden kann. Sie versuchen, daraus einen genauso schnellen und alltäglichen Service wie das Tanken zu machen.

Alte Tankstelle, neue Funktionslogik

Laut chinesischen Branchenmedien wurden aus der Tankstelle die Treibstofftanks entfernt, um Platz für Pufferbatterien der Lader zu schaffen. Es wurde nicht öffentlich mitgeteilt, ob die Energiespeicher unter oder über dem Boden platziert wurden, doch die Entscheidung selbst ist sowohl symbolisch als auch praktisch: Die Infrastruktur für Benzin weicht der Infrastruktur für Strom Platz.

Dies ist aus einem anderen Grund ebenfalls wichtig. Der Bau eines neuen Hubs von Grund auf bedeutet in der Regel einen Kampf um Grundstücke, Genehmigungen, Verkaufsstellen, Toiletten, Logistik und Service. Sinopec verfügt bereits seit Langem über all das. BYD erhält somit nicht nur Standorte, sondern auch ein fertiges Geschäftsmodell.

Aus Sicht des Tankstellenbetreibers handelt es sich dabei auch um eine Verteidigungsmaßnahme. In China steigt der Anteil an EVs und PHEVs so schnell, dass das Ölkonzern nicht warten kann, bis der Verkehr an den Tankstellen weiter abnimmt.

Dies könnte eine wichtigere Entwicklung sein als die Technologie selbst

Die Partnerschaft zwischen BYD und Sinopec besteht seit Mitte 2024. Damals sprachen die Unternehmen von einer gemeinsamen Erweiterung des Ladeinfrastrukturs, von Einzelhandelsdienstleistungen sowie einer Zusammenarbeit in der Energiekette. Shanghai ist das erste sichtbare Ergebnis dieses Abkommens.

Und genau hier wird es interessant. Wenn der staatliche Energiegigant anfängt, seine Tankstellen systematisch in Ladezentren umzuwandeln, bedeutet das, dass die Transformation nicht mehr am Rande des Marktes stattfindet. Sie dringt in die Infrastruktur ein, die jahrzehntelang Symbol für den Verbrennungsmotorverkehr war.

Ein weiterer Detailpunkt ist noch besser: Im Falle eines Blackouts sollen die Ladegeräte auf Ersatzbatterien von Blade zurückgreifen, um kompatible EV- und PHEV-Fahrzeuge aufzuladen. Das bedeutet, dass selbst ein Netzausfall das Objekt nicht vollständig außer Betrieb setzen muss. Es handelt sich zwar weiterhin um eine Lösung, die durch die Kapazität des Speichers eingeschränkt ist, doch sie zeigt BYDs Denkweise: Ein Ladegerät soll ein Energiesystem sein – nicht nur ein Pfahl mit Kabeln.

BYD überzeugt seit Jahren davon, dass das Aufladen dem Tanken ebenbürtig sein kann. Jetzt beginnt das Unternehmen, etwas noch Radikales für die Welt der Kraftstoffe zu tun: Es übernimmt deren Adressen. Glauben Sie, dass ein solches Konzept – eine Tankstelle, die in einen Ladehub mit Energiespeicher umgewandelt wird – mehr Sinn macht als herkömmliche Ladegeräte auf Parkplätzen?