Rezension des BYD Atto 2 DM-i: Etwas Besonderes

3,5 VON 5
Das Urteil
Ein neuer Ansatz
Der BYD Atto 2 DM-i ist ein einzigartiges Modell in seiner Klasse – mit ordentlicher Effizienz und gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, was ausreichen könnte, um einige Mängel auszugleichen.
★★★★★
BYD kam erstmals vor drei Jahren mit dem rein elektrischen Atto 3 nach Großbritannien und fügte schnell die Modelle Seal und Dolphin hinzu – beide ebenfalls reine Elektrofahrzeuge.
Seitdem hat das Unternehmen sein Sortiment um weitere Elektromodelle sowie eine Reihe von Plug-in-Hybrid-Modellen erweitert, als Teil seines „Neuen-Energie“-Ansatzes.
Der Atto 2 war ursprünglich eines der rein elektrischen Modelle der Marke und übernahm das Beste von Renault, Kia und Volvo – doch seitdem gibt es auch eine Plug-in-Hybrid-Version, die wir eine Woche lang getestet haben.
Eine Plug-in-Ausstattung zu wählen, ist in der Klasse der kompakten SUVs eine ungewöhnliche Entscheidung – tatsächlich sogar einzigartig. Die meisten Konkurrenten sind entweder vollständig elektrisch oder beschränken sich auf „selbstaufladende“ Hybridanlagen. BYD behauptet, seine Lösung biete die Vorteile eines rein elektrischen Fahrerlebnisses in Kombination mit der 600 Meilen langen Reichweite eines effizienten Benzinautos.
Aber bei so vielen leistungsstarken Konkurrenten: Ist dieser Ansatz sinnvoll?
Design und Innenraum
BYD bezeichnet den Atto 2 als SUV im B-Segment, gehört aber definitiv zur oberen Preisklasse dieser Kategorie – zumindest von außen betrachtet. Obwohl er preislich mit dem Renault 4, dem Vauxhall Mokka (seinen verschiedenen Stellantis-Modellen) sowie dem Ford Puma konkurriert, misst er beeindruckende 4,3 Meter in der Länge, 1,8 Meter in der Breite und 1,67 Meter in der Höhe – was ihn in Größe mit dem 33.000 Pfund teuren Kia EV3 oder Hyundai Kona vergleichbar macht. Sein Radstand von 2,62 Metern entspricht jedoch genau dem des Renault 4, und sein Kofferraum mit 425 Litern Fassungsvermögen ist nur fünf Liter größer; daher ist der Innenraum nicht geräumiger. Auffällig größer ist hingegen der Kopffreiheitsbereich – er ist gut 10 cm höher als bei den meisten Konkurrenten, was ihm ein luftigeres Gefühl sowie eine bessere Sicht auf die Straße verleiht.

Diese Präsenz bedeutet jedoch nicht viel an Attraktivität. Wenn sogar meine Schwiegermutter bemerkt, wie gewöhnlich das Auto aussieht, weiß man, dass es keine Designpreise gewinnen wird. Es ist hoch, kastenförmig und verfügt über einige niedrige Verkleidungen, die dem traditionellen Crossover-Look verleihen sollen – es fällt eindeutig in die Kategorie „man wird es auf dem Parkplatz verlieren“.
Auch das Interieurdesign ist äußerst schlicht, ohne die exzentrischen Verzierungen, die manche BYD-Modelle aufweisen. Es konzentriert sich wie erwartet auf Bildschirme, doch ansonsten sind das zweifarbige Armaturenbrett sowie die mehrstufige Mittelkonsole einfach und logisch gestaltet. Zudem wirkt die Verarbeitungsqualität einen Schritt besser als bei seinen europäischen Konkurrenten.
Das ansprechende, helle, perforierte Kunstleder-Innenraumdesign sowie das Panoramadach meines Testfahrzeugs trugen dazu bei, dass der Atto 2 ein leichtes und luftiges Gefühl vermittelte. Der Innenraum ist jedoch auf dem Niveau der meisten Konkurrenten. Es gibt Platz für vier durchschnittlich große Erwachsene, und man könnte drei jüngere Passagiere auf der Rücksitzbank unterbringen, doch Fahrzeuge wie der EV3 oder die Skoda Elroq sind dennoch einen Schritt voraus.
Technologie und Ausstattung
In der Mitte des Armaturenbretts des BYD Atto 2 befindet sich ein 12,8-Zoll-Touchscreen, ergänzt durch ein 8,8-Zoll-Digitalinstrumentenpult. Mit diesem Modell sind die schrittweisen Verbesserungen der Benutzeroberfläche von BYD spürbar, doch sie ist immer noch weit davon entfernt, hervorragend zu sein. Der Startbildschirm ist eine große leere Fläche mit kleinen Schnellzugriffen, die an einer schmalen Leiste am unteren Rand angeordnet sind. Ein nach unten gestrichener Menüpunkt gibt Zugang zu weiteren Schnellzugriffen für häufig angepasste Einstellungen wie wichtige ADAS-Funktionen. Doch warum diese nicht auf dem Hauptbildschirm gesperrt werden können, bleibt ein Rätsel. Und sobald man in den Menüs ist, muss man tagelang scrollen.

Es gibt die Spiegelung von Apple und Android, und zur Erleichterung gibt es nun auch die Möglichkeit, die Klimasteuerung auf dem Bildschirm zu behalten, selbst wenn man die gewünschte Smartphone-App verwendet. Der Atto 2 ermöglicht außerdem nun die Spiegelung von Google Maps auf dem digitalen Instrumentendisplay, was ebenfalls praktisch ist. Allerdings wirkt dieser Bildschirm immer noch seltsam altmodisch und überladen.
Auch im Bereich der Fahrerassistenzsysteme scheint sich nichts verbessert zu haben. Der Atto 2 ist mit zahlreichen aktiven Sicherheitssystemen ausgestattet, doch die wichtigsten bleiben genauso störend und ungenau wie zuvor. Man kann mit dem Finger nach unten swipen und drei Tasten drücken, um die störendsten Funktionen auszuschalten – doch das ist immer noch bei weitem nicht so einfach wie bei Renault, Kia oder sogar Geely.
Jedes Modell verfügt über zwei digitale Bildschirme, adaptives Tempomaten, eine Rückfahrkamera sowie schlüsselloses Betreten mit der Möglichkeit, ein Telefon oder tragbare Technologie als „Smart Key“ zu verwenden. Die Boost-Modelle aufrüsten die Kamera auf eine 360-Grad-Kamera mit einer praktischen Anzeige, die genau anzeigt, wie viele Zentimeter zwischen dem Fahrzeug und dem Objekt sind, in das es prallen könnte. Zudem werden eine V2L-Funktion sowie vordere Parksensoren eingeführt.
Autonomie, Akku und Ladevorgang
Der BYD Atto 2 DM-i bietet verschiedene Akkumodelle für seine PHEV-Ausstattung. Die Einstiegsmodelle Active verfügen über einen eher bescheidenen 7,8-kWh-Akku, der eine elektrische Reichweite von bis zu 24 Meilen ermöglicht. Die höheren Boost-Modelle haben hingegen einen größeren 18-kWh-Akku, der eine WLTP-Reichweite von bis zu 55 Meilen bietet.
Auch kein Modell unterstützt schnelles Gleichstrom-Laden. Der Active ist auf 3,3 kW begrenzt, während der Boost bis zu 6,6 kW unterstützt, wodurch ein Aufladen um 15–100 % bei beiden Varianten etwa drei Stunden dauert.

Aufgrund der Bauart als PHEV steht jedoch, sobald die elektrische Reichweite erschöpft ist, ein 1,5-Liter-Benzinmotor zur Verfügung, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. In den meisten Fällen dient dieser dazu, die Batterie wieder aufzuladen und treibt bei hohem Fahrbedarf die Räder an. BYD gibt für den Active eine offizielle „gewichtete“ Effizienz von 201 Meilen pro Gallone an und für den Boost 470 Meilen pro Gallone, bei einer kombinierten Reichweite von bis zu 621 Meilen.
In der Realität sind die Bedingungen natürlich anders. Mit aufgeladener Batterie und auf einer Mischroute aus Stadt- und Landstraßen erreichte ich einen komfortablen Verbrauch von 62 Meilen pro Gallone. Der Langstrecken-Reisecomputer zeigte, dass der „unverfälschte“ Effizienzwert von 55 Meilen pro Gallone der Wirklichkeit viel näher kommt, wobei die tatsächliche Fahrstrecke bei etwa 550 Meilen liegt.
Leistung und Fahrverhalten
Neben einer größeren Batterie verfügt die Boost-Version des Atto 2 DM-i auch über einen leistungsstärkeren Elektromotor – 210 PS im Vergleich zu den 163 PS der Active-Version. Der Gesamtdrehmoment des Systems ist bei beiden Versionen 221 Pfund-Fuß.
Dank dessen erreicht die Boost-Version von Standstill aus 62 mph in 7,5 Sekunden und hat zudem eine Höchstgeschwindigkeit von 110 mph.

Der Atto 2 DM-i ist als Antriebssystem mit Schwerpunkt auf Elektrofahrzeugen konzipiert, wodurch das Fahrerlebnis größtenteils angenehm wie bei einem herkömmlichen Elektrofahrzeug ist. Trotz durchaus solider Angaben auf dem Papier wirkt er auf der Straße nicht besonders schnell. Dennoch ist er für seine Klasse vollkommen ausreichend, und die Leistungsabgabe erfolgt sanft und präzise, ohne deutliche Übergänge zwischen dem Elektromotor und dem Benzinmotor.
Nur dann wird der Benzinmotor besonders bemerkbar, wenn die Batterie vollständig entleert ist – in diesem Fall neigt er dazu, leicht zu summen. Es gibt zwei Stufen der regenerativen Bremsung, um die Batterie aufzuladen: Standard oder Hoch. Die Hochstufe funktioniert bei höheren Geschwindigkeiten gut, führt aber in niedrigen Geschwindigkeitsbereichen zu starken Erschütterungen.
Kleine SUVs sind nicht gerade für ihre Dynamik bekannt, und der Atto 2 DM-i ist da keine Ausnahme. Neben einer durchschnittlichen Geschwindigkeit ist auch das Lenkverhalten kraftlos, und die hohe Fahrzeughöhe wird auf kurvigen Straßen deutlich. Die Fahreigenschaften werden zudem durch eine steife Fahrwerksabstimmung beeinträchtigt, die auf fast allen Straßen außer den glattesten starke Erschütterungen ins Innere des Fahrzeugs überträgt, sowie durch ziemlich laute Windgeräusche bei Autobahnfahrten.
Preis, Ausstattungslinien und Konkurrenten
BYD ist nicht ganz so darauf aus, seine Konkurrenten unter Preis zu drücken wie einige chinesische Marken, doch der Atto 2 DM-i bietet dennoch einen recht guten Preis-Leistungs-Verhältnis.
Die Einstiegsausstattungslinie Active kostet ab 26.995 Pfund, während das Boost-Modell bei 29.995 Pfund liegt.

Zu den Standardausstattungen gehören ein 12,8-Zoll-Touchscreen mit Smartphone-Spiegelung sowie 8,8-Zoll-Digitalanzeigen. Außerdem sind serienmäßig 16-Zoll-Leichtmetallräder, LED-Lichter, Rückfahrparksenoren und eine Rückfahrkamera vorhanden.
Die Ausstattungslinie „Boost“ bietet einen größeren Akku sowie 17-Zoll-Räder. Zudem sind beheizte und elektrisch verstellbare Vordersitze, ein beheiztes Lenkrad, getönte Heckscheiben, ein Panoramadach sowie kabellose Telefonladefunktion enthalten, zusätzlich zur V2L-Funktionalität.
Als einziger PHEV im britischen B-Segment hat der Atto 2 DM-i Konkurrenten in Form von rein elektrischen oder „normalen“ Hybriden. Im Bereich der Elektrofahrzeuge setzt er sich aufgrund seines Preises und seiner Größe mit Modellen wie dem Renault 4, Volvo EX30, Skoda Elroq und Kia EV3 auseinander. Für Fahrer, die weiterhin Benzinantrieb benötigen, gibt es zahlreiche Optionen – vom Fiat 600 und Ford Puma über den Hyundai Kona bis zum Toyota Yaris Cross.
Fazit – 3,5/5
BYDs Modellpalette reicht vom beeindruckenden Seal bis zum enttäuschenden Dolphin Surf. Der Atto 2 befindet sich irgendwo dazwischen.
Sowohl die Fahrqualität als auch die Verarbeitung lassen noch Verbesserungen zu, genauso wie die Benutzeroberfläche. Zudem ist er nicht so geräumig, wie es seine Außenabmessungen vermuten lassen würden. Dennoch bietet er eine ausgezeichnete Preis-Leistungs-Relation, wirkt robust gebaut und weist eine beeindruckende Reichweite im realen Einsatz auf. Zudem verfügt er über ein einzigartiges Antriebssystem für diese Klasse, das ausreichen könnte, um ihn hervorzuheben.
Für
Gute Effizienz im realen Einsatz
Gut ausgestattet
Robust gebaut
Gegen
Eintöniges Fahrgefühl
Schlechtes Ladeverhalten
Festes Fahrwerk
Datenblatt
BYD Atto 2 DM-i Boost
Preis
£29.995
Antriebssystem
1,5-Liter-Benzinmotor, Elektromotor, FWD
Batterie
18 kWh
Kraft
210 PS
Drehmoment
221 lb ft
Höchstgeschwindigkeit
111 mph
0–62 mph
7,5 Sekunden
WLTP-Reichweite des Elektrofahrzeugs
55 Meilen
WLTP-Verbrauch
470,8 mpg
Tatsächliche Reichweite
40–45 Meilen (Schätzung)
Ladung
bis zu 6,6 kW
Ladefläche
425 Liter
Versicherungsgruppe
40
Die Konkurrenten
Andere Modelle, die man testfahren sollte