Bosch präsentiert neue eAxle für elektrische Schwerlastfahrzeuge

Bei der IAA Transportation präsentiert Bosch einen neuen elektrischen Starrachse für schwere Nutzfahrzeuge. Die Rigid eAxle integriert einen Elektromotor sowie ein Getriebe und ist für Fahrzeuge mit einem Gewicht von 18 bis 49 Tonnen konzipiert. Zudem bietet der Hersteller neue Lösungen für die Wärmeverwaltung, Fahrerassistenz sowie den softwaredefinierten LKW.
Bosch kombiniert die Rigid eAxle mit SiC-Wechselrichtern, die eine Effizienz von bis zu 99 Prozent erreichen.
Bild: Bosch
Durch den Rigid eAxle erweitert Bosch sein Portfolio an Antriebslösungen für elektrische Nutzfahrzeuge. Der neue starre Achsenantrieb integriert wichtige Komponenten des Elektroantriebs – wie den Elektromotor und die Getriebe – und deckt ein breites Spektrum von 18 bis 49 Tonnen ab. Im Vergleich zu einem zentralen Elektroantrieb behauptet Bosch, dass die integrierte Lösung Gewicht spart und effizienter arbeitet. Der Hersteller hat jedoch noch keine konkreten Werte bezüglich der Leistung oder des Gewichtseinsparungspotenzials bekannt gegeben.
Der e-axle kann mit Boschs Siliziumkarbid-Invertern kombiniert werden, für die das Unternehmen eine Effizienz von bis zu 99 Prozent angibt. Ein globales Produktions- und Liefernetzwerk ermöglicht es Bosch, Antriebskomponenten in verschiedenen Märkten vor Ort bereitzustellen.

Bosch entwickelt außerdem seine Lösungen für die Wärmeverwaltung weiter. Ein neues Hochvolt-Lüftermodul wurde speziell für elektrische Nutzfahrzeuge sowie Anwendungen außerhalb der Straßenverkehrswege mit einer 800-Volt-Architektur entwickelt. Es dient dazu, kritische Fahrzeugkomponenten nach Bedarf zu kühlen und gleichzeitig den Energieverbrauch des Wärmemanagement-Systems zu verringern. Bosch erwartet dadurch Vorteile in Bezug auf Effizienz und Reichweite.
Bosch rüstet Lkw für weitere Automatisierung vor
Ausserhalb des Antriebsstrangs konzentriert sich Bosch auf softwaredefinierte Nutzfahrzeuge auf der IAA. Zentralisierte E/E-Architekturen sowie leistungsstarke Fahrzeugcomputer übernehmen zunehmend Funktionen, die zuvor auf einzelnen Steuerungseinheiten verteilt waren. Beispielsweise bündelt die Vehicle Integration Platform Funktionen aus den Bereichen Antrieb, Energie und Fahrzeugkarosserie auf einer zentralen Recheneinheit und ermöglicht unter anderem Over-the-Air-Updates.
Ein konkretes Beispiel ist die Fahrerüberwachung. Bosch integriert die erforderliche Kamera in den linken Bildschirm seines digitalen Seitenspiegels. Laut dem Lieferanten haben bereits zwei europäische Lastwagenhersteller diese Lösung als Serienausstattung übernommen. Derzeit wird die Kameradatenverarbeitung von einer separaten Steuerungseinheit übernommen, doch in Zukunft wird diese Aufgabe von einem zentralen Domänencontroller erledigt.

Bosch bereitet außerdem schwerere Nutzfahrzeuge auf fortschrittlichere automatisierte Fahrfunktionen im Bereich der Lenkung vor. Der neue voll elektrische ServoE arbeitet ohne Hydrauliköl und passt seine Leistung nach Bedarf an. Dank seines redundanten Systemdesigns sowie einer kryptografisch sicheren Softwarearchitektur soll er assistierte und automatisierte Lenkfunktionen ermöglichen. Langfristig werde diese Technologie laut Bosch auch als Grundlage für lenkungsfreie Systeme ohne mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Rädern dienen.
Gleichzeitig setzt Bosch weiterhin auf mehrere Antriebsstrategien für schwere Nutzfahrzeuge. Das Unternehmen bietet Brennstoffzellsysteme mit Leistungen von 100 bis 300 kW für Busse und Langstreckentrucks sowie Komponenten für Wasserstoff-Brennkraftmaschinen. Der Fokus auf Wasserstoff erhält auf der IAA Transportation zusätzlichen Auftrieb: Bosch ist zusammen mit Daimler Truck, Volvo, Toyota sowie weiteren Unternehmen aus den Bereichen Energie und Infrastruktur Teil eines neu gegründeten Bündnisses, das darauf abzielt, den kommerziellen Einsatz von Wasserstofflastwagen sowie die Entwicklung der dazugehörigen Infrastruktur in Europa zu beschleunigen.