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Fahrzeuge

Bosch setzt beim Truck auf elektrische Antriebe – und hält zugleich an Wasserstoff fest

Bosch setzt beim Truck auf elektrische Antriebe – und hält zugleich an Wasserstoff fest

Bosch sieht im Nutzfahrzeuggeschäft großes Wachstumspotenzial und will die Transformation des Lkw technologisch breit begleiten. Auf der IAA Transportation sprach Jan-Oliver Röhrl, Executive Vice President Commercial Vehicles and Off-Road bei Bosch, mit electrive über E-Achsen, fehlende Ladeinfrastruktur, Wasserstoff – und die Frage, warum Europa bei neuen Technologien nicht zu früh Optionen ausschließen sollte.

Das Nutzfahrzeuggeschäft soll für Bosch in den kommenden Jahren deutlich wichtiger werden. Dafür sieht der weltgrößte Zulieferer gleich zwei Treiber: einen weltweit weiter wachsenden Markt für schwere Nutzfahrzeuge und gleichzeitig einen grundlegenden Technologiewandel. Elektrifizierung, Software und Assistenzsysteme eröffnen für Bosch viele neue Geschäftsfelder.

„Wir wollen diese Transformation auf der Zuliefererseite führend begleiten“, sagt Jan-Oliver Röhrl, Nutzfahrzeug-Chef bei Bosch, im Gespräch mit electrive. Dabei gehe es dem deutschen Zulieferer nicht nur um einzelne Komponenten, sondern zunehmend um komplette Systemlösungen.

Ein Beispiel ist die neue E-Achse für schwere Nutzfahrzeuge: Gegenüber einem klassischen Zentralantrieb soll sie unter anderem bei Effizienz, Gewicht und Bauraum deutliche Vorteile bringen. Bosch kombiniert dafür Elektromotor, Leistungselektronik und unterschiedliche Getriebevarianten. Hinzu kommt ein immer komplexeres Thermomanagement, das bei den 800-Volt-Architekturen elektrischer Lkw eine zentrale Rolle spielt.

Ohne Infrastruktur kein Hochlauf

Doch für Nutzfahrzeug-Kenner Röhrl liegt die größte Herausforderung für den Hochlauf elektrischer Lkw inzwischen nicht mehr allein im Fahrzeug. Vor allem bei schweren Lkw im internationalen Fernverkehr müsse die Ladeinfrastruktur deutlich schneller wachsen. Zwar könne ein großer Teil regionaler Verkehre über Depots versorgt werden, für grenzüberschreitende Transporte brauche es jedoch ein dichtes europäisches Schnellladenetz.

„Der Innovation muss eigentlich die Infrastruktur vorauseilen – und das ist nicht der Fall“, bringt Röhrl das Problem aus seiner Sicht auf den Punkt.

Wasserstoff bleibt Teil der Bosch-Strategie

Gleichzeitig hält Bosch trotz des starken Fokus auf batterieelektrische Antriebe an Wasserstoff fest. Das betrifft sowohl die Brennstoffzelle als auch den Wasserstoff-Verbrennungsmotor. Besonders für schwere Fahrzeuge und lange Strecken sieht Röhrl weiterhin Einsatzmöglichkeiten. „Wir sind davon überzeugt, dass es eine echte CO2-neutrale Mobilität ohne Wasserstoff nicht geben kann, speziell im Nutzfahrzeugbereich.“

Eine Schlüsselrolle spielt für Bosch dabei China: Dort sieht Röhrl sowohl bei batterieelektrischen schweren Nutzfahrzeugen als auch bei der Brennstoffzelle den Leitmarkt. Technologien und Erfahrungen aus China könnten später auch auf Europa übertragen werden, wenn sich hier entsprechende Märkte entwickeln.

Bosch versteht diese breite Aufstellung als Technologieoffenheit. Röhrl warnt denn auch davor, Europa technologisch zu stark auf einzelne Technologiestränge festzulegen: „Wir brauchen den Pluralismus auch in den Lösungen“, sagt er. Nur so könne Europa Innovationen entwickeln, skalieren und verhindern, dass andere Weltregionen bei neuen Technologien dauerhaft enteilen. Dazu passt auch, dass sich Bosch an der Wasserstoff-Allianz beteiligt, die zusammen mit anderen Akteuren wie Daimler Truck, die Volvo Group, Toyota auf der IAA Transportation vorgestellt wurde und das Ökosystem in Europa voranbringen soll.

Das Video-Interview von der IAA Transportation können Sie entweder oben direkt im Videoplayer anschauen oder Sie wechseln direkt zu Youtube.