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Bosch setzt auf Elektroantriebe für Lkw – unterstützt aber weiterhin Wasserstoff

Bosch setzt auf Elektroantriebe für Lkw – unterstützt aber weiterhin Wasserstoff

Bosch sieht im Bereich der Nutzfahrzeuge großes Wachstumspotenzial und möchte die technologische Transformation von Lastkraftwagen umfassend unterstützen. Auf der IAA Transportation sprach Jan-Oliver Röhrl, Executive Vice President Commercial Vehicles and Off-Road bei Bosch, mit electrive über E-Achsen, den Mangel an Ladeinfrastruktur, Wasserstoff – sowie darüber, warum Europa bei neuen Technologien keine Optionen zu früh ausschließen sollte.

++ Das Interview von der IAA Transportation ist als Video auf Deutsch verfügbar. Auf YouTube können Sie Untertitel aktivieren. ++

Der Bereich der Nutzfahrzeuge wird in den kommenden Jahren für Bosch deutlich wichtiger werden. Der weltgrößte Zulieferer sieht dafür zwei zentrale Faktoren: einen weltweit wachsenden Markt für schwere Nutzfahrzeuge sowie einen grundlegenden technologischen Wandel. Die Elektrifizierung, Software und Assistenzsysteme eröffnen für Bosch viele neue Geschäftsmöglichkeiten.

Wie Jan-Oliver Röhrl, Leiter der Nutzfahrzeugsparte bei Bosch, gegenüber electrive sagt: „Wir wollen diese Transformation auf der Seite des Zulieferers anführen.“ Für den deutschen Zulieferer liegt der Fokus nicht mehr nur auf einzelnen Komponenten, sondern zunehmend auf vollständigen Systemlösungen.

Ein Beispiel ist die neue E-Achse für schwere Nutzfahrzeuge: Im Vergleich zu einer herkömmlichen Zentralantriebstechnik soll sie erhebliche Vorteile hinsichtlich Effizienz, Gewicht und Montagefläche bieten. Bosch kombiniert zu diesem Zweck einen Elektromotor, Leistungselektronik sowie verschiedene Getriebevarianten. Zudem gibt es ein zunehmend komplexeres Wärmanagementsystem, das eine zentrale Rolle in den 800-Volt-Architekturen von Elektro-Lkw spielt.

Keine Infrastruktur – kein Ausbau

Doch für den Experten für Nutzfahrzeuge Röhrl ist die größte Herausforderung bei der Einführung von Elektro-Lkws nicht mehr allein das Fahrzeug selbst. Vor allem bei schweren Lastwagen im internationalen Langstreckentransport muss die Ladeinfrastruktur viel schneller ausgebaut werden. Während ein großer Teil des regionalen Transports über Depots abgedeckt werden kann, erfordert der grenzüberschreitende Transport ein dichtes europäisches Schnellladennetzwerk.

„Innovationen benötigen eigentlich Infrastruktur, um voranzukommen – und das geschieht nicht“, argumentiert Röhrl.

Wasserstoff bleibt Teil von Boschs Strategie

Gleichzeitig bleibt Bosch trotz seines starken Fokus auf batterieelektrische Antriebe dem Wasserstoff treu. Dies gilt sowohl für Brennstoffzellen als auch für Wasserstoff-Brennkraftmaschinen. Röhrl sieht weiterhin Potenzialanwendungen, insbesondere für schwere Fahrzeuge und lange Strecken. „Wir sind überzeugt, dass eine wirklich kohlenstoffdioxidneutrale Mobilität ohne Wasserstoff nicht möglich ist, insbesondere im Bereich der Nutzfahrzeuge.“

China spielt in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle für Bosch: Röhrl betrachtet das Land als den führenden Markt sowohl für batterieelektrische Schwergut-Nutzfahrzeuge als auch für Brennstoffzellen. Technologien und Erfahrungen aus China könnten später in Europa übertragen werden, sobald sich dort entsprechende Märkte entwickeln.

Bosch betrachtet diese breite Ausrichtung als technologische Offenheit. Röhrl warnt zudem davor, dass Europa sich zu stark auf einzelne Technologiepfade konzentriert: „Auch bei den Lösungen brauchen wir Pluralismus“, sagt er. Nur so kann Europa Innovationen entwickeln und skalieren sowie verhindern, dass andere Weltregionen in neuen Technologien dauerhaft voraus sind. Dies steht im Einklang mit Boschs Beteiligung an der Hydrogen Alliance, die zusammen mit anderen Akteuren wie Daimler Truck, dem Volvo Group und Toyota auf der IAA Transportation vorgestellt wurde und darauf abzielt, das Ökosystem in Europa voranzutreiben.

++ Das Interview von der IAA Transportation ist als Video auf Deutsch verfügbar. Sie können auf YouTube Untertitel aktivieren. ++