BattSwap kommt nach Polen. Der Akkutausch im Lieferfahrzeug soll 3 Minuten dauern.

BattSwap kündigte den Markteintritt in Polen mit einem System zur automatischen Batteriewechselung für Elektro-Lieferfahrzeuge an. Das tschechische Unternehmen verfügt bereits über 4 Stationen in Prag und Brünn, bedient 78 Fahrzeuge und kann auf über 65.000 Batteriewechsel sowie 2,5 Millionen Kilometer ohne Nutzung öffentlicher Lader verweisen. Für Flotten ist das eine interessante Abkürzung – allerdings nur dort, wo die Fahrzeuge zu einer einzigen Basis zurückkehren.
Eine Station anstelle eines Laderwaldes
Die Idee ist einfach. Anstatt das Fahrzeug zu laden, fährt der Fahrer zur Station, die anschließend das entladene Paket entfernt und ein geladenes einsetzt. Der gesamte Vorgang soll weniger als 3 Minuten dauern.
Die Station ist so groß wie ein Container, zieht maximal 130 kW aus dem Netz und kann laut dem Unternehmen täglich etwa 30 Autos versorgen. Die aufgebrauchten Batterien werden im Inneren aufgeladen, sodass der Stromverbrauch über die Zeit verteilt und auf Zeiten mit geringerer Belastung verlagert werden kann. Auf dem Papier erscheint das sinnvoller als der Einsatz von mehreren oder einigen Dutzend Schnellladern neben einem gemieteten Lager.
BattSwap zielt genau auf dieses Problem ab. Flotten können elektrische Lieferfahrzeuge kaufen, stoßen aber anschließend an ihre Netzanschlüsse. Radek Janků, Gründer und CEO des Unternehmens, sagt unverblümt: „Wir kommen mit einer bereits erprobten Lösung nach Polen.“ Er fügt hinzu, dass für einige Betreiber der Batterietausch eine Elektrifizierung ohne Warten auf eine erhebliche Erweiterung der Netzkapazitäten ermöglichen soll.
Die ersten Pilotprojekte in Polen sollen unter anderem von Lisek.app und Kuchnia Vikinga gestartet werden, also dort, wo die Letzten-Meilen-Lieferungen feste Routen und einen regelmäßigen Rückweg zur Basis haben. Das ist wichtig, denn dieses Modell eignet sich nicht für alle. Auf den Strecken zwischen den Städten kann es die normale Ladung nicht ersetzen.
Tschechien ist bereits im Einsatz, China zeigt das Ausmaß
Das tschechische Projekt startet nicht von Grund auf. In Prag und Brünn sind bereits 4 Stationen in Betrieb, und einer der größten Kunden ist der Online-Supermarkt Rohlík. Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 sollten die mit BattSwap ausgestatteten Fahrzeuge 790.000 km zurücklegen.
Die polnische Live-Demo soll während des Kongresses für neue Mobilität stattfinden, der vom 23. bis 25. September 2026 in Katowice stattfindet. BattSwap wird eine funktionierende Ladestation an den Ständen 20 und 21 zeigen. Die Organisatoren sprechen von 7,5 Tausend Teilnehmern, 570 Referenten sowie etwa 250 Partnern und Ausstellern. Auch Radek Janků und Ondřej Koči werden anwesend sein.
Aber es gibt keinen Grund zu behaupten, dass es sich um eine neue Idee handelt. NIO hat bis Februar 2026 bereits 100 Millionen Austausche durchgeführt, und im August wurde diese Zahl bereits überschritten – auf 120 Millionen. Das Unternehmen hat außerdem die 4000. Ladestation in China in Betrieb genommen. Das Problem liegt jedoch woanders: in Europa. Im April 2025 hatte NIO hier nur 60 Ladestationen, und weitere sollen erst nach Ende des Jahres 2027 entstehen.
CATL setzt noch stärker zu. Im April 2026 hatte das Unternehmen über 1470 Ladestationen in 99 chinesischen Städten, und Ende Juni bereits 2000. Bis Ende 2026 möchte es auf mehrere Tausend Standorte kommen. CATL entwickelt außerdem ein eigenes System namens Qiji für Lastwagen. Das zeigt, wo der Akkutausch am sinnvollsten ist: dort, wo das Fahrzeug lange Zeit in Betrieb ist und die Pause tatsächlich Kosten verursacht.
Auch außerhalb Chinas gab es kleinere Implementierungen. Ample in Zusammenarbeit mit Stellantis und Free2move führte in Madrid ein System für 40 Fiat 500e ein, mit dem Ziel, auf 100 Fahrzeuge auszuweiten, wobei der Akkutausch etwa 5 Minuten dauert. Bei Gogoro erreichte man bis Ende 2025 auf dem Gebiet der E-Scooter 665.000 Abonnenten, 2.700 Standorte und über 800 Millionen Akkutausche. Die Skala macht den Unterschied – ohne sie verschlechtert sich die Wirtschaftlichkeit schnell.
BattSwap wählt einen weitaus einfacheren Weg als NIO. Es wird kein Netzwerk für das ganze Land aufgebaut, sondern nur eine Station in der Basis einer bestimmten Flotte errichtet. Wenn das in Polen funktioniert, könnten einige Unternehmen auf größere Anschlüsse verzichten und einfach weiterfahren. Was meinen Sie – macht ein solches Modell nur für Kurierdienste Sinn oder auch für größere städtische Flotten?
Newsletter LovEV
Möchten Sie mehr solcher Inhalte?
Tragen Sie sich ein – wir senden Ihnen einen Wochenüberblick, sobald der Newsletter startet.