Audi A6 e-tron fährt 1.338 km ohne Ladestopp

Rallye-Europameister Miko Marczyk hat mit einem Audi A6 Sportback e-tron performance einen Guinness-Weltrekord aufgestellt. Mit einer Batterieladung legte er 1.338 Kilometer zurück, der Durchschnittsverbrauch lag bei 7,09 kWh/100 km.
Beim Rekord verbrauchte der A6 e-tron nur 7,09 kWh/100 km.
Bild: Audi
Normalerweise geht es bei Miko Marczyk ja darum, möglichst wenig Zeit auf der Strecke liegenzulassen. Bei seinem jüngsten Ausflug im Audi A6 Sportback e-tron performance war allerdings das Gegenteil gefragt. Geschwindigkeit raus, Effizienz rein. Am 11. September startete der polnische Rallyefahrer um 1:55 Uhr zu einem Guinness-Weltrekordversuch, der ihn entlang der Weichsel quer durch Polen führte.
Die Strecke verlief über Krakau, Sandomierz, Warschau, Toruń und Grudziądz bis nach Hel an der Ostsee und anschließend auf derselben Route zurück. Mehr als 45 Stunden später war dann aber wirklich Schluss. Zwischen Toruń und Ciechocinek, nach exakt 1.338 Kilometern.
Marczyk fuhr im regulären Straßenverkehr, nach Angaben von Audi teilweise auch durch den Berufsverkehr und durfte nicht nachladen. Die Durchschnittstemperatur lag bei rund 15 Grad Celsius, in Grudziądz sank sie am frühen Morgen sogar auf sieben Grad.
Der Vergleich mit der Normreichweite überrascht. Der eingesetzte Audi A6 Sportback e-tron performance kommt offiziell auf bis zu 777 Kilometer nach WLTP. Beim Rekordversuch waren es sogar 561 Kilometer mehr.
Der Schlüssel liegt wenig überraschend nicht in einem geheimen zweiten Akku unter dem Kofferraumboden, sondern in konsequenter Effizienz des Fahrers. Audi beziffert den Verbrauch während der Fahrt auf lediglich 7,09 kWh pro 100 Kilometer. Zum Vergleich: Allein die nutzbare Batteriekapazität von 94,9 kWh zeigt, wie weit der Wagen von einem typischen Alltagsverbrauch entfernt bewegt worden sein muss. Marczyk setzte dabei auf die üblichen Effizienzhebel: gleichmäßiges Tempo, vorausschauendes Fahren, möglichst wenig unnötiges Beschleunigen und Bremsen, korrekter Reifendruck und gezielter Einsatz der Rekuperation.
„Selbst für mich war das Ergebnis mit 1.338 Kilometern eine erfreuliche Überraschung“, sagt Marczyk. Der Rekordfahrer verweist dabei auf das Zusammenspiel aus Antrieb, Batterie und niedrigem Luftwiderstand.
Aerodynamik schlägt auf der Langstrecke durch
Technisch basiert der A6 Sportback e-tron auf der Premium Platform Electric, kurz PPE. Der getestete Performance-Ableger verfügt über eine Batterie mit 100 kWh Brutto- und 94,9 kWh Nettokapazität sowie eine 800-Volt-Architektur.
Für einen solchen Reichweitenversuch dürfte vor allem die Aerodynamik einen erheblichen Anteil leisten. Der A6 Sportback e-tron kommt auf einen cW-Wert von 0,21 und ist damit laut Audi das bislang aerodynamischste Serienmodell der Marke. Gerade bei höherem Tempo wächst der Anteil des Luftwiderstands am Energieverbrauch deutlich. Audi gibt an, dass er beim Sportback rund 40 Prozent des Verbrauchs im WLTP-Zyklus beeinflusst.
Hinzu kommt die Rekuperation. Bis zu 220 kW kann das Fahrzeug beim Verzögern zurückgewinnen. Nach Angaben von Audi lassen sich damit rund 95 Prozent der Bremsvorgänge im Alltag ohne Einsatz der mechanischen Bremse bewältigen.
Der Rekord sollte dennoch nicht mit einer neuen realistischen Reichweitenangabe verwechselt werden. Wer morgens mit 130 km/h über die Autobahn fährt, die Heizung hochdreht und am Ziel noch zehn Prozent Restladung haben möchte, wird aus 94,9 kWh keine 1.338 Kilometer herausquetschen. Das ist aber auch nicht der Punkt.
Solche Rekordfahrten sind weniger Alltagstest als technischer Stresstest in die andere Richtung. Statt zu prüfen, wie viel Leistung ein Elektroauto abrufen kann, wird ausgelotet, wie wenig Energie es unter günstigen Bedingungen benötigt. Gerade deshalb sind die 7,09 kWh/100 km interessanter als die reine Kilometerzahl: Sie zeigen, welches Potenzial in Aerodynamik, Rollwiderstand, Rekuperation und Fahrstrategie steckt, wenn alle Faktoren in dieselbe Richtung arbeiten.
Ganz neu ist Marczyk diese Art von Effizienzrekord nicht. Bereits im März 2025 legte er mit einem serienmäßigen Skoda Superbder vierten Generation mit 2.0-TDI-Motor 2.831 Kilometer mit nur einer Tankfüllung zurück. Der Durchschnittsverbrauch lag damals bei 2,6 Litern auf 100 Kilometer. Nun hat er denselben Ehrgeiz ins Elektroauto übertragen – statt möglichst viele Kilometer aus einem Liter Diesel herauszuholen, ging es diesmal um jede einzelne Kilowattstunde.