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Archer übernimmt Wisk Aero sowie zwei weitere Boeing-Tochtergesellschaften

Archer übernimmt Wisk Aero sowie zwei weitere Boeing-Tochtergesellschaften

Archer Aviation erweitert sein Geschäft um Technologien für autonomen Flug, Luftverkehrsmanagement sowie unbemannte Systeme – zu diesem Zweck hat das Unternehmen drei Boeing-Tochtergesellschaften übernommen. Im Gegenzug wird Boeing einen Anteil an Archer erwerben.

Der Deal umfasst drei verschiedene Unternehmen, die zusammen fast zwei Millionen Flugstunden aufweisen: Wisk Aero, SkyGrid und Insitu. Mit der Abschluss des Geschäfts wird voraussichtlich Ende 2026 gerechnet, wobei es noch regulatorische Genehmigungen geben muss. Finanzielle Details, einschließlich des Kaufpreises und des Umfangs von Boeings zukünftigem Anteil an Archer, wurden nicht offengelegt.

Laut Aerotelegraph ist Archer’s Kerngeschäft im Bereich eVTOLs von zentraler Bedeutung für diese Transaktion – insbesondere im Zusammenhang mit Wisk Aero. Laut den Unterlagen von Wisk Aero hat das Unternehmen 16 Jahre lang an autonomen eVTOLs geforscht und mehr als 1.700 Testflüge durchgeführt. Obwohl Archers eigenes eVTOL-Modell Midnight anfangs mit einem Piloten betrieben werden wird, schafft die Übernahme von Wisk die technische Grundlage für zukünftige autonome Betriebsmodelle des Unternehmens. SkyGrid wiederum stellt Software für die automatisierte Luftverkehrssteuerung bereit, die die Integration autonomer sowie unbemannter Fluggeräte in den Luftraum unterstützt.

Archer und Wisk haben eine gemeinsame Vergangenheit: Im Jahr 2021 klagte Wisk seinen Konkurrenten wegen mutmaßlicher Unterschlagung von Geschäftsgeheimnissen (Link auf Deutsch). Der Streit wurde 2023 beigelegt, woraufhin Boeing in Archer investierte und die beiden Unternehmen sich darauf einigten, bei Autonomietechnologien zusammenzuarbeiten. Nun vollzieht Wisk den Umstieg unter die Führung von Archer.

Archer erweitert sein Geschäft über eVTOLs hinaus

Durch die Übernahme von Insitu erhält die Transaktion eine weitere Dimension. Das Unternehmen ist auf unbemannte Luftfahrtsysteme spezialisiert, insbesondere für Aufklärungs- und Überwachungseinsätze. Zudem hat es Berichten zufolge bereits über 3.500 Systeme geliefert und ist profitabel, wobei die jährlichen Einnahmen mehr als 200 Millionen US-Dollar betragen. Dies steht im Einklang mit Archers wachsendem Fokus auf die Verteidigungsindustrie: Seit Ende 2024 arbeitet das Unternehmen mit Anduril an einem hybriden VTOL-Flugzeug für militärische Anwendungen und führte im Juli 2026 das autonome VTOL-Flugzeug Thunder ein. Gleichzeitig fördert Archer den kommerziellen Einsatz von Elektroflugzeugen: Im Juli kündigte das Unternehmen gemeinsam mit BETA Technologies und Macquarie Capital den ACES-Charginfrastruktur-Konsortium an. Das Konsortium strebt an, bis 2030 mehr als 250 Standorte in den USA auszustatten.

Dies erweitert Archers Strategie erheblich: Midnight bleibt das Flaggschiff unter den elektrischen Flugzeugen, während Wisk und SkyGrid Lösungen für Autonomie sowie Luftverkehrsmanagement bieten. Insitu trägt mit seinem etablierten Drohnenunternehmen bei, und ACES stellt die Ladeinfrastruktur bereit. Allerdings hängt das Tempo, mit dem diese Komponenten in kommerzielle eVTOL-Operationen integriert werden können, weiterhin vom Fortschritt bei der Zulassung und der Markteinführung ab.

Boeing tritt nicht vollständig zurück: Eine parallele Technologiepartnerschaft stellt sicher, dass das Unternehmen weiterhin Zugang zu Wisks Technologien hat, und Boeing wird zudem in Zukunft Anteile an Archer halten. Archer bezeichnet die Kombination aus Autonomie, eVTOLs, Drohnen und Software als Grundlage einer „Physical AI“-Plattform für Luftfahrt und Verteidigung. Durch diese Vereinbarung entwickelt sich Archer von einem hauptsächlich auf elektrische Lufttaxis fokussierten Hersteller zu einem vielfältigeren Luftfahrtunternehmen. Gleichzeitig bleibt unklar, welche Rolle das zivile eVTOL-Geschäft künftig im Vergleich zum wachsenden Segment autonomer und militärischer Systeme spielen wird.