Analyse: Deutsche laden nicht nach Feierabend, sondern vor allem morgens

Der Ladesoftware-Spezialist Monta macht eine Heimlade-Analyse öffentlich, die auf der Auswertung von 1,5 Millionen anonymisierten Ladevorgängen in Deutschland beruht. Sie zeigt: Die befürchtete Lastspitze im Stromnetz am Abend gibt es so nicht. Stattdessen verlagert sich die Hauptladezeit in die frühen Morgenstunden.
Die Sorge, dass eine wachsende Zahl von Elektrofahrzeugen das deutsche Stromnetz in den Abendstunden überlastet, prägt die energiepolitische Debatte und hat regulatorische Maßnahmen wie §14a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) angetrieben. Eine neue Datenanalyse der Firma Monta zeichnet jedoch ein grundlegend anderes Bild. Die Auswertung von über 1,5 Millionen anonymisierten Ladevorgängen zwischen Januar und Juli 2026 an mehr als 250.000 von Monta verwalteten Ladepunkten zeigt: Die stets angenommene Lastspitze im Stromnetz am Abend bleibt schlichtweg aus. Viel mehr deutet sich an, dass die Deutschen eher in den frühen Morgenstunden laden – wobei die Analyse nicht repräsentativ ist.
Die Datenanalyse auf Basis von Montas Ladeinfrastruktur-Betriebssystem „widerlegt die Angst vor dem ,Feierabend-Blackout‘ und belegt das Stabilisierungspotenzial intelligenter Ladeinfrastruktur“, betonen die Analysten des Unternehmens. Lediglich 12,4 Prozent aller in die Bewertung eingeflossenen Ladevorgänge entfallen demnach auf das kritische Abendfenster zwischen 18 und 20 Uhr. Die tatsächliche Spitzenlast liege am Morgen, schreibt Monta. 21 Prozent aller Ladevorgänge starten zwischen 6 und 8 Uhr, wenn Fahrzeuge über Nacht oder früh morgens mit dem Netz verbunden werden, bevor der Arbeitsweg beginnt.
„Die Diskussion um §14a EnWG ist zu oft von einem Mangeldenken geprägt, bei dem es nur um die Drosselung von Verbrauchern geht“, äußert Max Scherer, COO bei Monta. „Unsere Daten aus über 1,5 Millionen realer Ladevorgänge in Deutschland zeigen, dass die Realität das Gegenteil der öffentlichen Annahme ist: E-Auto-Fahrer laden vorwiegend morgens, in Zeiten geringer Netzauslastung. Das Netz hat dieses Problem größtenteils gar nicht – und intelligente Software kann dafür sorgen, dass es das auch in Zukunft nicht bekommt.“
Wo intelligentes Lastmanagement bereits aktiv eingesetzt wird, zeigt sich laut Monta auch noch eine weiterer Effekt: „Ladevorgänge mit aktiviertem Smart Charging verbrauchen im Durchschnitt 16,2 kWh – gegenüber 23,1 kWh bei ungesteuertem Laden. Das entspricht einer Reduktion des Energiebezugs pro Ladevorgang um rund 30 Prozent.“ Und: Ein geringerer Energiebezug über ein kürzeres Zeitfenster entlaste unmittelbar den lokalen Netzanschluss und den entsprechenden Netzbetreiber.
Monta spricht noch von viel Potenzial, da intelligentes Lastmanagement erst bei einem kleinen Teil der deutschen Ladevorgänge aktiv eingesetzt werde. „Jedes E-Auto ist eine Batterie auf Rädern – ein potenzieller Baustein der Energiewende“, betont Scherer. Die Voraussetzung für die optimale Nutzung sei eine intelligente Infrastrukturebene, die im Hintergrund agiert. Die 2020 in Dänemark gegründete Firma bietet solch ein System selbst an und verwaltet nach eigenen Angaben aktuell rund 310.000 Ladepunkte in 32 Ländern. Dabei ist die Monta-Lösung hardware-unabhängig und mit mehreren Hundert Ladegeräten kompatibel.
Quelle: Infos per E-Mail