Ambibox und Decarbon1ze zeigen Abrechnunglösung für Bidi-Laden

Ambibox und Decarbon1ze haben sich Gedanken um die eichrechtskonforme Erfassung und energiewirtschaftliche Bilanzierung beim bidirektionalen Laden gemacht. Der von dem Duo entwickelte Ansatz soll dabei aufwendige Erweiterungen von Zählerplätzen vermeiden.

Bild: Ambibox
Wallbox-Spezialist Ambibox und das Cleantech-Startup Decarbon1ze geben an, ihre Lösung an einem Teststandort in Berlin bereits demonstriert zu haben. Kern ihres Ansatzes ist die Kombination eines FNN-Basiszählers mit einem virtuellen Erfassungstool von Decarbon1ze, wodurch beim Entladen und Laden viertelstundenscharfe Zeitreihen generiert werden. Dies sei ein Weg, „wie die bislang komplexe energiewirtschaftliche Abgrenzung deutlich vereinfacht werden kann“, so das Duo. Ambibox ist bekanntlich Hersteller einer bidirektionalen DC-Wallbox namens ambiCHARGE und daher an entsprechenden Abrechnungssystemen interessiert.
Zur Einordnung: Damit aus dem technisch bereits möglichen Bidi-Laden ein skalierbares Produkt werden kann, müssen Lade- und Rückspeisevorgänge nicht nur gesteuert, sondern auch eindeutig gemessen, bilanziert und
abgerechnet werden können. Ambibox und Decarbon1ze betonen, dass bidirektional ladende Fahrzeuge schon heute oft als Dienstfahrzeuge genutzt werden. Doch: „Besondere Herausforderungen entstehen, wenn diese künftig auch zuhause geladen und entladen werden sollen. Heute verfügbare bidirektionale Ladepunkte sind noch nicht mit zertifizierter Messtechnik ausgestattet, die sämtliche Anforderungen an Abrechnung und Bilanzierung
abbildet. Klassische Messkonzepte können deshalb zusätzliche Zähler, größere Zählerschränke und eine entsprechende Neuverkabelung erforderlich machen.“
Allein die Erweiterung eines Zählerplatzes kann dem Duo zufolge „je nach Installation zusätzliche Kosten von 2.000 bis 4.000 Euro verursachen“. Zudem könne der Ladepunkt anschließend häufig nur für einen bestimmten Lieferanten- oder Anwendungsfall genutzt werden. So gehe ein Teil der Flexibilität verloren. Wichtig ist den Verantwortlichen, dass Bidi-Ladepunkte künftig jedoch unterschiedliche Anwendungen ermöglichen – etwa privates Laden, das Laden eines Dienstwagens, Vehicle-to-Home oder die Bereitstellung von
Flexibilität für den Energiemarkt.
Ihre entsprechende Lösung nennen Ambibox und Decarbon1ze einen „transaktionsorientierten Ansatz“, da der Ladepunkt eben nicht dauerhaft einem einzigen energiewirtschaftlichen Anwendungsfall zugeordnet wird, sondern sich einzelne Lade- und Rückspeisevorgänge separat erfassen lassen und
unterschiedlichen Bilanzkreisen beziehungsweise Lieferanten zugeordnet werden können. „Dabei erfasst der decarbon1zer signierte Messwerte eines FNN-Basiszählers und ermöglicht die Verknüpfung mit der gesetzlichen Zeit“, skizzieren die Firmen ihre Idee. „Auf dieser Grundlage können viertelstundenscharfe Zeitreihen generiert und im virtuellen Bilanzierungsgebiet von decarbon1ze in die energiewirtschaftliche Marktkommunikation überführt werden.“
Für Ambibox ist die energiewirtschaftliche Integration ein entscheidender Baustein für die Verbreitung des Bidi-Ladens. „Bidirektionales Laden wird erst dann zum skalierbaren Produkt, wenn es nicht nur technisch funktioniert, sondern auch einfach abrechenbar und in bestehende energiewirtschaftliche
Prozesse integrierbar ist“, äußert Ambibox-CEO Manfred Przybilla. „Genau diese
Lücke adressieren wir hier gemeinsam mit decarbon1ze. Wenn wir dafür nicht bei jedem Kunden zusätzliche komplexe Zählerinfrastruktur aufbauen müssen, beseitigen wir eine wesentliche Hürde für den breiten V2G-Rollout.“
Die Möglichkeit, einzelne Transaktionen eindeutig voneinander abzugrenzen, gewinnt auch im Zusammenhang mit regulatorischen Initiative der Bundesnetzagentur zur Marktintegration von Speichern und Ladepunkten (MiSpeL) an Bedeutung. Gegen den aktuellen Entwurf regt sich wie diese Woche berichtet Widerstand in der Branche, denn sie fürchtet zu hohe Hürden beim Bidi-Laden – eben weil entweder hohe Kosten für einen Zusatzzähler anfallen oder die Ausgestaltung wirtschaftlich zu unattraktiv ist. Ambibox und Decarbon1ze wollen ihre Demo durchaus als Alternative verstanden wissen.
„Wir wollen schneller mehr kleine Flexibilitäten aktivieren, damit Strom
günstiger werden kann,“ betont Knut Hechtfischer, CEO und Mitgründer der Decarbon1ze GmbH. Er betont: „Wir sind stolz, dass wir hier eine Messtechnikinnovation mit leistungsfähigen digitalen Prozessen im virtuellen Bilanzierungsgebiet kombinieren können. Als Dienstleister unterstützen wir die Netzbetreiber dabei, Verbräuche hinter dem Zähler sauber bilanziell abzugrenzen.“ Damit entstehe eine technische und energiewirtschaftliche Grundlage, auf der zukünftig unterschiedliche V2H- und V2G-Geschäftsmodelle auf derselben Infrastruktur umgesetzt werden könnten.