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Fahrzeuge

Alternative Antriebssysteme für Lkw: Warum Ihro sich nun voll und ganz auf Elektrolkw konzentriert

Alternative Antriebssysteme für Lkw: Warum Ihro sich nun voll und ganz auf Elektrolkw konzentriert

Hans Ihro GmbH ist ein Logistikunternehmen, das 1963 gegründet wurde und seinen Hauptsitz in Neuenstein, Württemberg, hat. Es verfügt über Niederlassungen in Deutschland und der Tschechischen Republik. Das mittelständische Unternehmen, das etwa 400 Mitarbeiter beschäftigt, ist auf den europaweiten Transport empfindlicher, dringender oder außergewöhnlich großer Güter spezialisiert. Zu seinen Kunden gehören Unternehmen aus der Automobilindustrie sowie aus den Bereichen Verpackung, Konsumgüter, Baustoffe, Dämmstoffe und Chemie.

Für seine Logistikdienstleistungen unterhält Ihro sein eigenes Fuhrpark mit über 200 Sattelzügen, von denen viele in Sonderausführungen gebaut sind. Die kürzliche Bestellung von 15 MAN eTGX-Lkw stellt einen wichtigen Schritt in Richtung Elektromobilität in der Fahrzeugbeschaffungsstrategie des in Baden-Württemberg ansässigen Unternehmens dar. Und diese batterieelektrischen MAN-Lkw sind erst der Anfang.

„Wir sind nun überzeugt, dass die Elektromobilität im Straßengüterverkehr – und zwar endgültig – die Oberhand gewinnen wird“, sagt Kai Ihro, der Geschäftsführer des Unternehmens. Obwohl es noch erhebliche Herausforderungen gibt – insbesondere im Bereich der Ladevorgänge – hat sich die Eignung der Fahrzeuge für den täglichen Einsatz nun eindeutig erwiesen.

Die Entscheidung zur Bestellung der 15 eTGX-Sattelzüge wurde weniger durch die Marke als vielmehr durch die Fahrzeugkonfiguration getroffen. MAN ist derzeit der einzige Hersteller, der Sattelzüge dieser Bauart in großem Maßstab produziert – ein entscheidender Faktor für Geschäftsführer Ihro, der für die Automobillogistik eine Ladehöhe von drei Metern benötigt. Die neuen Fahrzeuge werden derzeit in den Betrieb eingeführt und sollen die Diesellaster in der Flotte ersetzen.

Bild 1: Ihro Spedition Man ETGX

Bild: Spedition Ihro

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Effizienter, als der Hersteller behauptet

Bereits im Jahr 2016 setzte das Unternehmen seinen ersten elektrischen Lkw ein – ein spezielles Fahrzeug des niederländischen Herstellers Terberg – für die Inhouse-Logistik von Audi (DE). Damals arbeitete der Lkw im Dreischichtbetrieb und wurde während Produktionspausen aufgeladen. Trotz der damals begrenzten Reichweite funktionierte das Konzept überraschend gut. „Wir sind nie unter 50 Prozent Akkuladung gefallen“, erinnert sich Ihro. Seitdem hat das Unternehmen auch andere Antriebstechnologien getestet – wie CNG und LNG – mit all den damit verbundenen Herausforderungen. Aber schauen wir uns das Schritt für Schritt an.

Der umfassende Test der Elektromobilität bei Ihro begann mit zwei MAN-Vorserienfahrzeugen, die seit März 2025 im Einsatz sind und bislang stets einen positiven Eindruck hinterlassen haben. Laut dem Unternehmer verbrauchen die Fahrzeuge sogar weniger Energie, als der Hersteller vorhergesagt hatte: „Bei täglichen Hin- und Rückfahrten von etwa 430 bis 440 km erreichen sie regelmäßig ihr Ziel mit noch etwa 20 Prozent Restkapazität“, erklärt Ihro. Unter den aktuellen Betriebsbedingungen sind dadurch Reichweiten von über 500 km möglich – allerdings nur bei relativ geringen Lasten. Ihro betont, dass die Reichweite, genauso wie beim Diesel, stark von Gewicht, Topografie und Fahrprofil abhängt.

Heute betrachtet das Logistikunternehmen das Fahrzeug selbst nicht mehr als größtes Hindernis, sondern vielmehr die Ladeinfrastruktur. „Die Betriebsplanung ist daher stets mit den verfügbaren Ladepunkten abgestimmt“, erklärt Kai Schmuck, der für die Geschäftsentwicklung bei Ihro verantwortlich ist. Derzeit werden die Lkw nur auf festgelegten Routen eingesetzt, wo Ladezeiten und Fahrzeiten besser planbar sind. Flexible Einsätze mit täglich wechselnden Routen sind derzeit kaum wirtschaftlich rentabel.

1,5 Millionen Euro Investition in Ladeinfrastruktur

Auch die Situation am eigenen Standort des Unternehmens ist schwierig. Seit vier Jahren wartet das Unternehmen auf eine leistungsstärkere Netzanschlusslösung. Bisher reichte der vorhandene kommerzielle Anschluss nur aus, um über Nacht abwechselnd zwei Fahrzeuge mit einer mobilen 44 kW-Ladelösung aufzuladen. Ein neuer Mittelspannungsanschluss soll Anfang nächsten Jahres verfügbar sein, was laut Ihro vorerst ausreichen wird. Andernfalls nutzen die Fahrer manchmal den Ladepark für Lastwagen von Milence in Kirchberg an der Jagst, etwa 30 Kilometer entfernt.

Insgesamt investiert das Logistikunternehmen etwa 1,5 Millionen Euro in seine eigene Ladeinfrastruktur. Es wurde eine Finanzierung vom Land Baden-Württemberg beantragt, wodurch nach Einschätzung des Geschäftsführers Ihro 15 Prozent der Investitionskosten gedeckt werden sollen. Zu den Plänen gehören fünf Schnellladepunkte mit jeweils bis zu 400 kW Leistung sowie ein Megawatt-Lader, der eine Ladeleistung von 700 kW bietet. Gleichzeitig erweitert das Unternehmen seine Photovoltaik-Anlagen stark, verstärkt die Dächer der Lagerhäuser und rüstet sogar Fassaden mit Solarmodulen aus. „Wir erwarten, innerhalb von zwei bis drei Jahren den gesamten durch unsere PV-Anlagen erzeugten Strom selbst zu verbrauchen“, sagt Ihro.

Das System wird durch ein Energiespeichersystem mit einer Kapazität von einem Megawatt ergänzt, um in Zukunft möglichst viel der selbst erzeugten Elektrizität für die Fahrzeugflotte nutzen zu können. „Leider ist eine Erweiterung nur mit erheblichen technischen und bürokratischen Anstrengungen möglich – so etwas hätten wir uns in unseren kühnsten Träumen nicht vorstellen können“, sagt Ihro. Laut seiner Ansicht bleibt auch die öffentliche Ladung ein entscheidender Faktor. Obwohl das Netz kontinuierlich wächst, eignen sich viele Standorte aufgrund von Platzmangel oder weil die Fahrer die Anhänger abkoppeln müssen, nicht für Sattelzüge. Zudem können die Strompreise manchmal bis zu 0,70 Cent pro kWh erreichen. „Das fördert die Elektromobilität sicherlich nicht“, fügte er hinzu. Andererseits bewertet er positiv Ladeparks, die speziell für Nutzfahrzeuge konzipiert sind, wie den von Milence in der Nähe seines Unternehmenssitzes, wo ganze Sattelzüge laden können.

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Erschreckende Erkenntnisse zu Antriebssträngen mit CNG und LNG

Trotz der Herausforderungen betrachtet das Unternehmen elektrische Antriebsstränge als beste Lösung unter den alternativen Technologien. Diese Einschätzung basiert auch auf den Erfahrungen von Ihro mit anderen Systemen: Im Jahr 2016 kaufte das Unternehmen fünf CNG-Lkw, doch die Ergebnisse waren weniger als zufriedenstellend. Obwohl die Fahrzeuge technisch funktionierten, führte der Abbau der Tankstellen dazu, dass ihre Betriebsgrundlage verschwand. „Heute gibt es kaum noch Tankmöglichkeiten, und die verbleibenden Fahrzeuge sind auf unserem Gelände praktisch wertlos“, klagt der Geschäftsführer, der immer noch auf einen gewissen Schrottwert hofft.

Noch besorgniserregender ist die Bilanz der LNG-Flotte. Seit 2021 betreibt Ihro 15 LNG-Lkw. „Diese Fahrzeuge erwiesen sich als äußerst fehleranfällig“, berichtet der Geschäftsführer. Die Kraftstoffanzeigen funktionierten unzuverlässig, und technische Mängel führten regelmäßig zu kostspieligen Rettungsaktionen, die Tausende von Euro kosteten. Mehrere Fahrzeuge versagten bereits lange bevor sie 500.000 km zurückgelegt hatten. Zudem waren einige Tankstellen mangelhaft, und die LNG-Preise stiegen aufgrund des Krieges in der Ukraine in die Höhe. Manchmal erhöhte sich der Preis von ursprünglich berechneten 1 Euro auf bis zu 5 Euro pro Kilogramm. „Eine finanzielle Katastrophe“, ist Kais Ihros Urteil. Im Nachhinein bezeichnet er LNG sogar als reine Täuschung – sowohl wirtschaftlich als auch umweltbedingt.

Wasserstoff spielt somit auch keine Rolle in den Plänen des Unternehmens. Weder Wasserstoffverbrennungsmotoren noch Brennstoffzellenfahrzeuge können aus Sicht des Unternehmens Vorteile gegenüber batterieelektrischen Lastwagen bieten. Der technische Fortschritt bei Batterien und insbesondere beim Megawatt-Laden werde schneller voranschreiten als die Wasserstoffinfrastruktur, sind Ihro und Schmuck überzeugt.

Elektrische Lastwagen gewinnen bei Fahrern und Kunden an Beliebtheit

Laut dem Unternehmen sind elektrische Lastwagen bereits heute unter bestimmten Bedingungen wirtschaftlich rentabel. Voraussetzungen sind günstiger Strom, hohe jährliche Fahrleistungen sowie tägliche Fahrstrecken von mindestens etwa 500 km. Die Mautbefreiung verbessert laut den Verantwortlichen die Kostenermittlung erheblich. „Allerdings muss die Ladeinfrastruktur deutlich ausgebaut werden, damit diese Fahrzeuge künftig flexibel außerhalb fester geplanter Routen eingesetzt werden können“, sagt Schmuck.

Die Nachfrage der Kunden entwickelt sich bereits in die richtige Richtung. Insbesondere fordern Automobilhersteller in ihren Ausschreibungen zunehmend emissionsfreie Transportlösungen. Während früher längere Vertragslaufzeiten und Subventionen als Gegenleistung ausgehandelt wurden, steigt laut der Führung von Ihro nun die Erwartung bei den Kunden, dass batterieelektrische Transportmittel „zu wirtschaftlich konkurrenzfähigen Preisen angeboten“ werden sollten.

Und was ist mit den LKW-Fahrern? Die Technologie wird bei den Fahrern gut aufgenommen. Laut Ihro berichten sie von besserem Fahrkomfort, einer ruhigeren Arbeitsumgebung und sogar bevorzugtem Umgang seitens der Kunden vor Ort. Das Fazit ist klar: „Sobald jemand einen Elektro-LKW gefahren hat, möchte er dabei bleiben und nicht mehr zu Diesel zurückkehren“, sagt der Geschäftsführer. Die Umwandlung der Flotte hat begonnen. In Zukunft plant Ihro, jedes Jahr mehr Fahrzeuge zu elektrifizieren und hofft, dass Stromnetze, Ladeinfrastruktur sowie Speicherkapazitäten parallel wachsen werden.