Allye stellt einen Schnelllader mit 400 kW Leistung und Batterien aus zweiter Hand vor.

Das britische Unternehmen Allye Energy hat den MEV vorgestellt, einen mit Batterien ausgestatteten Schnelllader für Ladestationen. Das System nutzt voll funktionsfähige Batterien aus Elektrofahrzeugen und ist darauf ausgelegt, eine Ladeleistung von bis zu 400 kW bereitzustellen, ohne unbedingt eine leistungsstärkere Anbindung an das Stromnetz erfordern zu müssen.
Die ersten Lieferungen des MEV sind für das zweite Quartal 2027 geplant.
Bild: Alllye
Das Mobile Energy Vault (MEV) ist so konzipiert, dass es Energie aus einer bestehenden Anschlussmöglichkeit im Lager entzieht und sie zunächst in umfunktionierten Fahrzeugbatterien speichert. Während des Ladevorgangs kann diese Energie anschließend mit deutlich höheren Leistungen bereitgestellt werden. Laut Medienberichten zielt Allye in erster Linie auf Flottenstandorte ab, bei denen die verfügbare Netzkapazität für herkömmliches Schnellladen unzureichend ist.
Zur Markteinführung sind zwei Varianten geplant. Das MEV200 bietet eine Speicherkapazität von 155 kWh, während das MEV300 232 kWh bereitstellt. Beide Systeme sind in der Lage, gleichzeitig zwei Fahrzeuge aufzuladen. Allye gibt eine maximale Gleichstrom-Ladeleistung von bis zu 400 kW an.
Die technische Grundlage bildet die 800-Volt-Architektur des mobilen Akkustoragesystems Max300. Laut dem Hersteller ist es für sowohl 400-Volt- als auch 800-Volt-Fahrzeugsysteme geeignet. Die sogenannte PackFlex-Technologie ermöglicht den Betrieb von Akkupaketen unterschiedlicher Größe, Alter und Zellchemie innerhalb eines einzigen Systems.
Allye gibt an, dass es vollständige Akkupakete aus außer Dienst gestellten Elektrofahrzeugen verwendet und nicht neu hergestellte Zellen. Pro Einheit wird angenommen, dass dieser Ansatz im Vergleich zu einem System mit neuen Batterien etwa 15 bis 24 Tonnen CO₂-Äquivalente einspart. Diese Zahl basiert auf den Berechnungen des Herstellers.
Akkustoragelösungen stärken schwache Netzverbindungen
Der Ansatz beinhaltet die Trennung der Netzstromversorgung von der Ladeenergie. Das Batteriesystem kann über einen längeren Zeitraum mit relativ geringer Leistung vom Netz aufgeladen werden und diese Energie anschließend für kurze Zeiträume mit hoher Leistung an Fahrzeuge liefern.
Ein praktisches Beispiel für diesen Ansatz ist ein Projekt des Unternehmens J&M Murdoch in Glasgow. Laut Allye betrug die Kostenschätzung für eine Netzmodernisierung des Betriebsdepots eines Abfallmanagementunternehmens etwa 300.000 Pfund. Stattdessen installierten Allye und der Ladeanbieter Chargepoly eine Max300-Einheit an einer bestehenden 32-A-Verbindung mit einer Kapazität von 22 kW. Das Speichersystem versorgt nun einen separaten Gleichstrom-Schnelllader für zwei Elektrofahrzeuge und liefert laut dem Unternehmen täglich etwa 200 kWh Energie.

Auch dieses Beispiel unterstreicht die Grenzen des Konzepts. Zwar kann ein Batteriespeichersystem trotz schwacher Netzverbindung eine hohe Ladeleistung ermöglichen, es ersetzt jedoch nicht das erforderliche Energienvolumen. Die Anzahl der Fahrzeuge, die täglich betreut werden können, hängt weiterhin davon ab, wie viel Elektrizität über die bestehende Verbindung innerhalb mehrerer Stunden nachgeladen werden kann.
Allye argumentiert, dass diese Lösung dazu beiträgt, lange Wartezeiten für neue Netzanschlüsse zu vermeiden. Das Unternehmen weist auf Lieferzeiten von 18 bis 36 Monaten für neue Lagerhäusanschlüsse im Vereinigten Königreich hin. Im Gegensatz dazu kann das MEV über Industrieanschlüsse oder einen festen Anschluss installiert und innerhalb weniger Stunden in Betrieb genommen werden. Das System kann außerdem bei einem Standortwechsel demontiert und an einem anderen Lagerhaus wieder eingesetzt werden.
Zur sicheren Betriebsführung integriert Allye zusätzliche Sicherheitsfunktionen. Die Ladekabel sind mit Schnittüberwachung, forensischen Markierungen sowie Schnellentlasselementen ausgestattet, um den schnelleren Austausch beschädigter Kabel zu ermöglichen. Kameras überwachen die Ladestationen und Kabel. Im Inneren des Speichersystems sind Funktionen wie pyrotechnische Zünder, Gaserkennung sowie Brandschutzwände zwischen den Batteriepacks enthalten.
Das MEV bleibt ein stationäres System im Depot. Im Gegensatz dazu ist das technisch verwandte Max300 für Mobilität konzipiert und kann beispielsweise als Ersatz für Dieselgeneratoren oder zur Versorgung zusätzlicher Ladepunkte eingesetzt werden. Der Preis für das MEV beginnt bei 70.000 Pfund. Alternativ bietet Allye das System als „EV Charging as a Service“ ab 1.900 Pfund pro Monat für das MEV200 an. Die ersten Lieferungen sind für das zweite Quartal 2027 geplant.
Durch seine Batteriespeichellösung begegnet Allye einer bekannten Herausforderung bei der Elektrifizierung von Fuhrparks. Oft liegt das Problem nicht in einem grundlegenden Energiemangel am Standort, sondern vielmehr in einer Begrenzung der sofort verfügbaren Leistung der Stromnetzverbindung. Ob ein mit Batterien ausgestatteter Schnelllader im Vergleich zu einem Netzwerk-Upgrade wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt stark vom Standort, dem Ladeprofil, der bestehenden Verbindung sowie den Kosten einer möglichen Netzstärkung ab.