ACEA-Statistik: E-Lkw punkten in ersten Märkten, E-Busse fast überall

Die europäischen Kunden kaufen wieder mehr Busse und Lkw. Das geht aus den neuesten Nutzfahrzeug-Zahlen zu den ersten drei Quartalen 2026 des Europäischen Autoherstellerverbands ACEA hervor. Die Gesamtmärkte legten über alle Antriebsarten hinweg in der EU um 7,5 Prozent auf 245.079 Lkw (ab 3,5 Tonnen) und um 15,2 Prozent auf 32.695 Busse zu. Das Wachstum bei den Trucks bezeichnet der ACEA als „Erholung von einem niedrigen Niveau“, denn 2025 hatte sich die Nachfrage zwischenzeitlich stark abgekühlt. Die Zahlen für den Busmarkt interpretiert der Verband hingegen als „starke Entwicklung“ und „solides Wachstum“. Dabei steigt der Anteil elektrisch aufladbarer Fahrzeuge am Antriebsmix weiter.
Doch der Reihe nach: Quartal für Quartal bildet der ACEA die Entwicklung der Nutzfahrzeugmärkte in der EU und ganz Europa ab. Zwar weist der Verband auch die Zahlen für Transporter aus, diese klammern wir in diesem Bericht aber aus und fokussieren uns nur auf die Lkw ab 3,5 Tonnen und die Busse.In den ersten drei Quartalen 2026 vereinten Diesel bei den Lkw einen dominanten Anteil von 91,7 Prozent an den EU-Neuzulassungen auf sich (+6,6 % YoY). Der Anteil der elektrisch aufladbaren Lkw stieg um 49,9 Prozent, was zu einer Durchdringung von 5,3 Prozent des Marktes (gegenüber 3,8 % im Vorjahr) reichte. Sprich: Jeder 20. neue Lkw ist inzwischen ein Stecker-Fahrzeug. Deutschland (+77,2 % YoY), Frankreich (+60,2 % YoY) und die Niederlande (+57,5 % YoY) führten diese Expansion an. Zusammen machten diese drei Märkte 74 Prozent der Gesamtzulassungen in diesem Segment aus.
Polen verzeichnet bemerkenswertes E-Bus-Wachstum
Bei den Bussen wuchsen die E-Bus-Neuzulassungen in den ersten neun Monaten des Jahres um 37,6 Prozent, sodass ihr Marktanteil von 22,1 auf nun 26,4 Prozent kletterte. Italien, der inzwischen größte Markt gemessen an den Gesamtzulassungen, verzeichnete ein besonders starkes E-Bus-Wachstum (+116 % YoY). Bemerkenswert ist zudem die Entwicklung in Polen, wo nach drei von vier Quartalen bereits 1.000 neue E-Busse in der Statistik stehen (+557 % YoY). Gleich mehr dazu. Die Zulassungen von Dieselbussen und nicht extern ladbaren Hybridbussen stiegen laut ACEA ebenfalls (+5 % bzw. 24 % YoY) und kamen zwischen Januar und September auf einen Marktanteil von 58,4 bzw. 6,9 Prozent.

Bevor wir uns die Länder-Rankings genauer anschauen, kurz zur Begriffsklärung vorab: Im Lkw-Bereich unterteilt der ACEA seine Statistik in unterschiedliche Gewichtsspannen. Als mittelschwere Lkw führt der Verband alle Trucks mit 3,5 bis 16 Tonnen auf, als schwere Lkw alle Fahrzeuge ab 16 Tonnen –alles unter 3,5 Tonnen fällt in die Rubrik der Transporter, um die es hier nicht geht. Bei den Bussen unterscheidet der ACEA nicht nach Gewichtsklassen: Hier werden schlichtweg alle für den Personentransport bestimmten Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen erfasst. Und: Der Verband unterscheidet nicht zwischen rein Batterie-elektrischen Fahrzeugen und Plug-in-Hybriden, sondern fasst diese nur als „elektrisch ladbar“ zusammen.
Mittelschwere E-Lkw kommen auf 20 % Zulassungsanteil
Damit rein in die Statistik: Zoomt man aufmittelschwere Lkw zwischen 3,5 und 16 Tonnenwird klar, dass dieses Segment mit gut 39.000 Einheiten (+2,5 % YoY) EU-weit nur leicht zulegen konnte. Aufwärts ging es innerhalb dieser Klasse aber für die Stecker-Fahrzeuge (7.753 Einheiten, +44 % YoY). Damit kommen extern ladbare Lkw in dieser Gewichtsklasse nun auf 19,8 Prozent Zulassungsanteil. Zum Vergleich: Im analogen Vergleichszeitraum 2025 waren es noch 14,1 Prozent Marktanteil. Damit zeigt sich einmal mehr: In erster Linie sind es die mittelschweren E-Lkw, die den europäischen Truck-Markt elektrischer machen.
Allein 3.879 mittelschwere E-Lkw kamen dabei in den ersten neun Monaten 2026 in Deutschland auf die Straße, das sind glatt 50 Prozent aller EU-weit neu registrierten E-Trucks. Ergo liegt die Dynamik in Deutschland mit 72 Prozent Wachstum deutlich über dem EU-Durchschnitt. Hohe Wachstumsraten bei relevanten Stückzahlen verzeichnen auch die Niederlande (1.195 Stück, +40 % YoY), Frankreich (974, +86 % YoY), Spanien (320, +36 % YoY) und Polen (135, +90 % YoY). Dagegen gingen die Zahlen in Italien (200, -56%) und in Belgien (42, -58 % YoY) stark zurück. In Schweden bewegte sich nicht viel (443, +5 % YoY). Weitet man den Blick auf ganz Europa, ist Großbritannien der erste Verfolger Deutschlands – mit 2.960 E-Lkw bis 16 Tonnen (+55 % YoY). Auch die EFTA-Staaten Island (94, +571 % YoY) und Norwegen (445, +104 % YoY) legen in diesem Segment kräftig zu.
Deutschland ist bei schweren E-Lkw führend
Dieschweren Trucks ab 16 Tonnenmachen in der EU das weitaus größere Volumen aus. Unter 205.857 Gesamtzulassungen (+8,5 % YoY) waren hier zwischen Januar und September 5.120 E-Lkw – macht einen E-Anteil von 2,5 Prozent (im Vorjahr waren es noch 1,7 %). Auch hier sticht Deutschland heraus: mit 1.722 Einheiten (+91 % YoY), was einer stark wachsenden Dynamik gegenüber dem Gesamtjahr 2025 (+38 % zu 2024) entspricht. Heißt zudem: 33,6 Prozent aller schweren E-Lkw der EU wurden in den ersten drei Quartalen in der Bundesrepublik zugelassen, womit Deutschland das Wachstum in der ganzen EU vorantreibt. Oberhalb des Durchschnittswachstums in diesem Segment in der Union (+59,9 % YoY) liegen sonst allen voran noch die Niederlande (1.022 Stück, +84 % YoY), Österreich (393, +84 % YoY) und Dänemark (271, +62 % YoY).
Hervorzuheben ist bei den E-Trucks zudem einmal mehr die Schweiz. Die kleine Alpennation verzeichnete im bisherigen Jahresverlauf 605 E-Lkw ab 16 Tonnen (+62 % YoY) und erreichte damit einen E-Anteil in dieser Gewichtsklasse von 24 Prozent. Das ist in Europa die Pole Position. Zum Vergleich: In Deutschland verzeichnet der ACEA bei den schweren Lkw einen E-Anteil von 4,2 Prozent. Nur Norwegen (14,4 % E-Anteil bei neuen schweren Lkw), die Niederlande und Schweden (11,1 bzw. 10,3 %) sind sonst noch zweistellig.
Weiter geht es mit der ACEA-Statistik zumeuropäischen Busmarkt. Hier haben sich Stecker-Fahrzeuge schon längst etabliert. Von 32.695 neuen Bussen (+15,2 % YoY) innerhalb der EU waren zwischen Januar und September 8.633 elektrisch ladbar – also 26,4 Prozent. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2025 lag der Schnitt noch bei 23,8 Prozent E-Bus-Marktanteil. Es geht weiter aufwärts.
Dass der Bus-Gesamtmarkt über alle Antriebe hinweg im Aufwind ist, liegt vor allem an den großen Märkten Italien (+34,4 %), Frankreich (+10,5 %) und Deutschland (+10,1 %) mit je über 5.000 Neuzulassungen. Gleichzeitig verzeichnete Polen einen bemerkenswerten Anstieg der Zulassungen um 69 Prozent auf rund 3.100 Einheiten – und avanciert damit zum viertgrößten Busmarkt der EU.
Italien wird größter EU-Busmarkt
Bei den Zulassungen von E-Bussen glänzt ebenfalls Italien an der Spitze – mit 1.970 neuen Stecker-Bussen (+116 % YoY) im bisherigen Jahresverlauf, flankiert von starken Wachstumsmärkten wie Polen (999, +557 % YoY) und Portugal (642, +379 % YoY) sowie verlässlichen Volumen-Ländern wie den Niederlanden (783, +86 % YoY) und Frankreich (665, +33 % YoY) . In Deutschland, Schweden und Belgien geht es hingegen deutlich abwärts. Die Bundesrepublik liegt mit 836 Einheiten in den ersten drei Quartalen 30 Prozent unter dem analogen Vorjahreszeitraum mit letztjährigen 1.202 Einheiten. In Schweden und Belgien geht es sogar um -40 % bzw. -71 % abwärts. Zur Einordnung sei gesagt, dass das gesamte Jahr 2025 in der Bundesrepublik aber auch sehr stark ausfiel, sodass das nun vom ACEA genannte Ergebnis einer Normalisierung der E-Bus-Zulassungen entsprechen dürfte.
Auffällig ist, dass sich bei den E-Bussen über die EU hinweg ein wesentlich homogeneres Bild zeigt als bei den E-Lkw. 17 der 27 EU-Staaten konnten im vergangenen Jahr E-Buszulassungen im zwei- oder dreistelligen Bereich vorweisen. Auf Gesamt-Europa gesehen, ist Großbritannien bei den Bus-Gesamtzulassungen weiter Spitzenreiter – aber nicht mehr so unangefochten wie bisher. In den ersten neun Monaten des Jahres verzeichnete das Land 5.672 Neuzulassungen (-27 % YoY). Bemerkenswert: Bei den neuen Stecker-Bussen verlor Großbritannien die Pole Position mit nur noch 1.727 Einheiten (-22,7 % YoY) im bisherigen Jahr an Italien (1.970 Einheiten). Der E-Anteil ist beim neuen Spitzenreiter inzwischen auf 37 Prozent gestiegen. Im UK rangiert dieser bei 30 Prozent. Die höchste E-Bus-Durchdringung verzeichnen in der aktuellen Statistik übrigens Rumänien und die Niederlande mit einem E-Anteil von 82 bzw. 75 Prozent.