500 km Reichweite in 5 Minuten: Wir haben die Ladetechnologie der Zukunft entdeckt!

Chery lud uns kürzlich zu sich nach Hause in China ein, um über Technologie und Automobil zu sprechen. Dabei hatten wir unter anderem die Gelegenheit, beim chinesischen Roadtrip erstmals das hybride Omoda 4 zu fahren. Automobile Propre nutzte die Gelegenheit außerdem, die Neuheiten zu entdecken, die auf dem jährlichen Weltgipfel des Unternehmens vorgestellt wurden. Am beeindruckendsten war das Volt-Dragon Charging-System, das eine Leistung von bis zu 1,44 MW liefern kann (genauer gesagt 800 kW kontinuierlich und bis zu 1,44 MW für 45 Sekunden). Wir entdeckten außerdem einen robotergestützten Arm, der die Autos automatisch anschließt, sowie den Energy Cube 2.0, eine Energiespeichellösung für Privatpersonen. Neben Autos entwickelt Chery ein echtes Ökosystem rund um Elektromobilität und Energie.
Chery Volt-Dragon Charging: Bis zu 1,44 MW – damit lassen sich 500 Kilometer in 5 Minuten zurücklegen.
Die elektrische Aufladung tritt in eine neue Dimension ein. In Wuhu präsentiert Chery seine Volt-Dragon Charging-Station, die eine Leistung von 1,44 Megawatt liefern kann. Der Hersteller gibt an, dass so in fünf Minuten eine Reichweite von 500 Kilometern wiederhergestellt werden kann sowie eine Aufladung von 10 auf 80 Prozent in derselben Zeit. Noch besser: Von 10 auf 97 Prozent wären lediglich 6 Minuten und 50 Sekunden erforderlich. Dies sind von Chery angekündigte Leistungen, die jedoch unabhängig bestätigt werden müssen. Um solche Werte zu erreichen, reicht natürlich die Ladestation allein nicht aus. Das Fahrzeug muss über eine Batterie sowie eine elektrische Architektur verfügen, die enorme Leistungen aufnehmen können. Die Ladetechnologie ist daher nur ein Teil der Gleichung. Zum Vergleich behauptet BYDs Flash-Charging-System eine Leistung von bis zu 1,5 MW sowie eine Aufladung von 10 auf 97 Prozent in neun Minuten. Geely und andere chinesische Unternehmen arbeiten ebenfalls an Megawatt-Ladelösungen.



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Der Kampf findet nun genauso auf den Ladestationen selbst wie auf den Infrastrukturen statt, die sie mit Energie versorgen können. Doch wie kann eine Anlage so viel Leistung liefern, ohne das Stromnetz übermäßig zu belasten? Chery setzt ein Energiespeichersystem zwischen dem Netz und den Ladepunkten ein. Diese Reserve ermöglicht es, sehr hohe Leistungsspitzen bereitzustellen, ohne ausschließlich von der sofortigen Kapazität der Stromverbindung abhängig zu sein. Zudem trägt sie dazu bei, den Betrieb der Station im Falle eines Stromausfalls aufrechtzuerhalten. Die Anlage setzt außerdem auf Leistungselektronik aus Siliziumkarbid (SiC) in Kombination mit einer fortschrittlichen Flüssigkühlung. Chery gibt eine Umwandlungsleistung von 96,5 % an. Die intelligente Energiemanagement-Technologie soll zudem die Kosten optimieren, insbesondere durch die Nutzung der „Nebenstunden“. Langfristig kann die Station dank V2G sogar wieder Elektrizität in das Netz einspeisen. Das ist eine Möglichkeit, die gespeicherte Energie über die reine Autoladung hinaus zu nutzen.




Ein robotischer Arm zur automatischen Anschluss von Elektroautos
Eine weitere beeindruckende Demonstration in Wuhu: ein robotischer Arm, der in der Lage ist, den Ladeanschluss automatisch am Auto anzuschließen. Wir konnten ihn vor Ort in Aktion sehen. Das System erkennt die Ladesäule, positioniert seinen Arm und führt den Anschluss mit fließenden und präzisen Bewegungen durch. Es ist nicht mehr notwendig, das Kabel zu bedienen, es aufzurollen oder nach dem richtigen Winkel zu suchen, um den Anschluss einzuführen. Der gesamte Prozess ist automatisiert, was eine einfachere Ladeerfahrung verspricht. Der Nutzen beschränkt sich nicht nur auf die technologische Demonstration.
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Trotz der Bemühungen der Hersteller bleiben die Schnellladegeräte und ihre Kabel sperrig. Chery gibt an, dass das Kabel- und Steckerset für sein Volt-Dragon-System etwa zwei Kilogramm wiegt. Dies stellt weiterhin eine Hürde für einige Nutzer dar, insbesondere für ältere Menschen oder solche mit eingeschränkten motorischen Fähigkeiten. Ein automatisierter Arm könnte daher das Aufladen zugänglicher machen, ohne dass der Fahrer körperlich eingreifen muss.



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Diese Automatisierung gewinnt auch durch die Entwicklung autonomer Fahrzeuge an Bedeutung. Morgen könnte ein Auto oder ein Robotaxi zu einer Ladestation fahren, sich auf einem Platz positionieren und ohne menschliches Eingreifen mit dem Aufladen beginnen. Anschließend würde das Fahrzeug wieder abfahren, sobald die Prozedur abgeschlossen ist. Ein solches Funktionsprinzip könnte die Verfügbarkeit von Flotten verbessern, insbesondere für autonome Taxis und Sharing-Fahrzeuge. Bevor man jedoch von einer großflächigen Einführung ausgehen kann, gibt es noch mehrere Fragen. Die Kompatibilität mit verschiedenen Modellen, die Genauigkeit der Positionierung, die Handhabung unvorhergesehener Situationen sowie die Ausführungsgeschwindigkeit werden entscheidend sein. Chery hat die gesamten Nutzungsvoraussetzungen seines Systems noch nicht detailliert beschrieben. Doch nachdem man gesehen hat, wie es funktioniert, ist eines klar: Die Automatisierung könnte zu einem sinnvollen Ergänzungsmittel zur ultraschnellen Ladung werden. Die hohe Leistung verkürzt die Stillstandzeiten, während der Roboter die manuellen Eingriffe nahezu vollständig beseitigt.



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Energy Cube 2.0: Wenn das Elektroauto in das Zuhause integriert wird
Die ersten beiden Technologien beziehen sich direkt auf die Autoladung. Der Energy Cube 2.0 erweitert hingegen den Blickwinkel auf die Verwaltung der Haushaltsenergie. In der Nähe der Volt-Dragon-Anlagen vorgestellt, umfasst dieses System die Energiespeicherung mittels Batterien, die elektrische Umwandlung sowie die Steuerung der Energieflüsse. Insbesondere kann es mit einer Photovoltaikanlage zusammenarbeiten, um während des Tages erzeugte Elektrizität zu speichern und sie dann bereitzustellen, wenn die Bedürfnisse des Haushalts zunehmen. Während unseres Besuchs versorgte das System sogar ein kleines Café, das zur Demonstration eingerichtet war. Dieses Beispiel veranschaulicht konkret seinen Nutzen: Die Verfügbarkeit eines nutzbaren Elektrizitätsreserven, wenn das Stromnetz nicht verfügbar ist – oder einfach dann, wenn die gespeicherte Energie günstiger ist als die aus dem Netz bezogene. Chery betont außerdem ein modulares Design mit stapelbaren Batterien und einer vereinfachten Installation. Der Hersteller gibt eine Entladeleistung von über 95 % sowie eine schnelle Initialisierung über eine spezielle App an.



Ein weiteres Thema betrifft die Sicherheit. Chery kündigt Batteriezellen von Automobilqualität, eine aktive Ausgleichsfunktion der Module sowie ein System an, das eine Ausbreitung von thermischem Überlastungszuständen verhindert. Der Hersteller behauptet außerdem, dass es nach einem thermischen Vorfall 24 Stunden lang zu keiner erneuten Entzündung kommt. Diese Leistungsmerkmale gehören jedoch zu den vom Konzern angekündigten Eigenschaften und nicht zu Maßnahmen, die wir selbst überprüfen konnten. Der Energy Cube 2.0 soll zudem zur intelligenten Energieverwaltung beitragen. Das System kann die Verbrauchsgewohnheiten analysieren, um seine Funktionsweise schrittweise anzupassen.
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Chery erwähnt außerdem eine Kompatibilität mit dem Energietausch zwischen Fahrzeugen, Haushalten und dem Netz, je nach verbundenen Geräten. Hier zeigen sich die drei bei Wuhu vorgestellten Technologien in voller Bedeutung: Das Elektrofahrzeug ist nicht länger nur ein Transportmittel. Es wird in ein System integriert, das in der Lage ist, Elektrizität vom Zuhause bis zu öffentlichen Ladeinfrastrukturen zu speichern, zu verteilen und zu nutzen.



20.000 Ladestationen bis 2029: Chery hat große Pläne
Es bleibt eine entscheidende Frage: Wann werden diese Technologien für Autofahrer zugänglich sein? Chery plant eine erste Testphase in China mit zehn Pilotstationen, bevor die Einführung ausgeweitet wird. Das Unternehmen strebt bis Ende 2029 insgesamt 20.000 Stationen weltweit an. China soll der erste Testbereich sein, wobei ähnliche Ziele auch in Thailand und im Vereinigten Königreich verfolgt werden. Für Frankreich wurde jedoch kein genauer Termin bekannt gegeben, ebenso wenig eine endgültige Liste der kompatiblen Fahrzeuge.

Denn genau hier liegt die größte Herausforderung. Eine Ladestation, die mehr als einen Megawatt liefern kann, kann ihr Potenzial nicht voll ausschöpfen, wenn sie mit jedem Elektroauto verwendet wird. Die Batterien, ihre Kühlung sowie die elektrische Architektur des Fahrzeugs müssen dem entsprechen. Zudem müssen die angegebenen Leistungen unter realen Bedingungen bestätigt werden – insbesondere in Abhängigkeit von Temperatur, anfänglichem Ladezustand und Batterieprofil. In Wuhu hat Chery uns vor allem einen Einblick in seine Ambitionen gegeben: Die gesamte Energiekette zu beherrschen, von der ultraschnellen Ladung bis zum häuslichen Speichern. Nun bleibt es zu beweisen, dass diese technologischen Demonstrationen in Lösungen umgewandelt werden können, die der breiten Öffentlichkeit zugänglich sind.